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„Diese Vorwürfe sind absurd“

„Diese Vorwürfe sind absurd“

Sewan Latchinian, Intendant des Rostocker Volkstheaters, ist wieder da und weist Kritik aus dem Rathaus zurück

Rostock Vier Wochen war der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian (54), krankgeschrieben. Noch während seiner Erkrankung wurden ihm vom Aufsichtsrat des Theaters Ultimaten gestellt und Missmanagement vorgeworfen. Selbst seine Erkrankung wurde ihm vorgehalten. Seit gestern ist Latchinian wieder im Amt und meldet sich zu Wort. Ultimaten weist er zurück.

Wie geht es Ihnen?

Sewan Latchinian: Gut. Ich bin wieder fit und habe nach dieser Auszeit einen klaren Blick.

Ihnen wird vorgeworfen, die Planung der kommenden Spielzeiten zu vernachlässigen und es unterlassen zu haben, die Rechte für Stücke einzuholen. Was sagen Sie dazu?

Latchinian: Mir wäre wichtig, dass wir diesen sinnlosen Alarmismus, diese künstliche Skandalisierung beenden, beides führt zu nichts Gutem. Zu den Aufführungsrechten: Das zum Thema zu machen ist völlig absurd. Ich habe in meinen zwölf Jahren als Intendant noch nie zu spät Rechte eingeholt. Das ist völlige Routine und ein normaler Prozess, in den Regisseure und Dramaturgen einbezogen sind. Wir holen die Rechte übrigens erst ein, wenn der Aufsichtsrat keine Einwände hat, dass wir das Stück aufführen. Wenn wir die Stücke nach Vertragsbindung nicht aufführen, drohen Vertragsstrafen.

Die Rechte einzuholen, ist ein Vorgang von Tagen, da genügt zuweilen ein Anruf. Wir sind nicht im Verzug. Es ist ganz normal, dass zu diesem Zeitpunkt manche Fragen nicht endgültig geklärt sind, und es ist völlig unnormal, dass solche Dinge zu diesem Zeitpunkt gefordert werden — vor allem ohne vorher mit den Verantwortlichen zu sprechen. Die Spielzeit 2016/17 ist besprochen. Es gibt einen leichten, aber unerheblichen Verzug und überwiegend beschlussfähige Vorlagen.

Der Aufsichtsrat bemängelt, dass in der ersten Hälfte der Spielzeit 2016/17 keine Schauspielpremieren geplant seien. Stimmt das?

Latchinian: Nein, das stimmt nicht. Die erste Hälfte der Spielzeit 2016/17 läuft vom August 2016 bis Februar 2017. In diesem Zeitraum sind drei große Schauspielpremieren geplant. Den Auftakt macht ein Musical, an dem alle Sparten beteiligt sind — auch Schauspiel. Im November kommt mit „Des Kaisers neue Kleider“ unser Weihnachtsmärchen und im Januar 2017 ein niederdeutscher Schwank im Großen Saal. Dazu wird es kleine Schauspielpremieren geben.

Der Aufsichtsrat hat Ihnen ein Ultimatum gestellt, bis 11. April, mitzuteilen, ob Sie den Gesellschafterbeschluss vom 29. Januar umsetzen, dass das Volkstheater von vier auf zwei Sparten reduziert wird. Halten Sie das Ultimatum ein?

Latchinian: Wir alle sollten Ultimaten vermeiden. Ich habe vom Aufsichtsrat einen Brief erhalten, in dem ich auf die Frage, ob ich den Beschluss umsetze, mit ja oder nein antworten kann. Der Aufsichtsrat hat dem Hybridmodel zugestimmt, das vorsieht, das aktuelle Schauspiel-Ensemble bis Sommer 2017 abzuschaffen. Der Gesellschafter, Herr Methling, hat dem nicht widersprochen. Demnach gilt das Hybridmodel formal. Das muss aber nicht eins zu eins umgesetzt werden, sondern gilt als Basis der weiteren Planungen. In dieser Phase von mir eine schlichte Ja- oder Nein-Antwort zu verlangen, ist weder intelligent noch besonders konstruktiv. Ich werde bis Montag ein zehnseitiges Konzept erarbeiten. Das wird meine Antwort auf die Frage von Sybille Bachmann aus dem Aufsichtsrat sein, ob ich den Gesellschafterbeschluss umsetze. Mit diesem Konzept werde ich meiner Verantwortung meinem Arbeitgeber gegenüber nachkommen, die Gesellschaft vor künstlerischen Fehlentwicklungen zu warnen. Ich bin dabei, einen Alternativvorschlag zu entwickeln, der das Schauspielensemble mindestens bis Sommer 2018 bewahren und produktiv halten kann. Auch um den notwendigen behutsamen und soliden Übergang in eine neue Struktur zum Hybridmodel einzuleiten und eventuell nachjustieren zu können. Damit den mehr als 25000 Schauspielinteressierten in Rostock ein sinnvolles Angebot erhalten bleibt. Da könnte ich auch als Intendant und Schauspieldirektor meine Kompetenz einbringen.

Es ist nicht zu verantworten, dass man eine über 120-jährige Schauspieltradition in unserer Stadt einfach überstürzt über Bord kippt. Das darf man doch nicht übers Knie brechen. Da halte ich konstruktive Debatten wie auch die geplante Bürgerbeteiligung für notwendig, auch um drohende kulturelle Verluste und irreparable Schäden in Rostock zu verhindern.

Apropos konstruktive Debatten: Die Bürgerschaftsabgeordnete Sybille Bachmann, Mitglied des Rostocker Bundes und des Aufsichtsrates ist nach Ihrer Erkrankung in Ihr Büro gegangen und hat bei Facebook gepostet, Sie hätten Ihr Büro leer geräumt und seien wohl abgehauen. Was sagen Sie dazu?

Latchinian: (lacht) Gar nichts. Was soll ich dazu sagen? Man sieht doch, dass ich weder abgehauen bin noch mein Büro ausgeräumt habe. Ich bin wieder da.

Halten Sie es eigentlich wirklich für sinnvoll weiterzumachen? Es gibt Stimmen, die sagen, das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Oberbürgermeister sei so zerrüttet, dass in diesem Streit das Theater geopfert werde — koste es, was es wolle.

Latchinian: Ich habe vor, meinen Vertrag zu erfüllen. Es wäre verantwortungslos, das Theater zu zerstören, um in einem persönlichen Streit recht behalten zu wollen.

Von Interview von Michael Meyer

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