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Dieses ganze Rumgeblute: Til Schweigers Hollywood-Tatort

Hamburg Dieses ganze Rumgeblute: Til Schweigers Hollywood-Tatort

Darf ein „Tatort“ so etwas? Drei Menschen sterben in den ersten acht Minuten, erschossen vom neuen Kommissar, vorgeblich in Notwehr, aber es ist offensichtlich: Dieser Neuling tötet in Rambo-Manier und aus Abneigung gegen zögerliche Festnahme- und Verhör-Beamtenbetulichkeit.

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Im ersten „Tatort“ mit Til Schweiger ging es gestern Abend um Menschenhandel und Korruption.

Quelle: Marion von der Mehden/NDR

Hamburg. Es muss ein „Tatort“ sein, das beweist die Musik im von Til Schweiger vergeblich beschimpften Vorspann und am Schluss — aber dazwischen brennt gestern Abend das gute alte erste Programm ein Feuerwerk an Action, Spannung und Spielwitz ab, das der Sendeplatz noch nicht gesehen hat.

Wow! Das Experiment, mit Schweiger eine Art Hollywood-Tatort zu erschaffen, ist geglückt.

Okay, wie der LKA-Beamte Nick Tschiller (Til Schweiger) zum Helden und Heilsbringer für junge Zwangsprostituierte und seine 15-jährige Tochter (nett: Luna Schweiger) wird, ist arg dick aufgetragen.

Auch ist schon um 20.45 Uhr klar, dass Nicks Ex-Flamme ihren Mann, den übergelaufenen Ober-Schurken, irgendwie ans Messer liefern wird. Und Nick steckt ihr ein Fluchtticket nach Paris zu, wie Casablanca-mäßig! Aber die wenigen dramaturgischen Schwächen werden mühelos überdeckt von einem schnellen Drehbuch voller Raffinesse und messerscharfer Dialoge sowie von einem halben Dutzend toll gezeichneter Figuren, wie sie sonntags sonst mal als Einzelfälle durch den „Tatort“ laufen.

Tschillers Chef (Tim Wilde) platzt so köstlich der Kragen: „Sie glauben, Sie kommen nach Hamburg und können hier alles auf den Kopf stellen“, ranzt er Til Schweiger an, „Sie und diese Gewalt, dieses ganze Rumgeblute!“ Mark Waschke spielt den Oberschurken so herrlich zart. Seine Gattin (Mavie Hörbiger) will sich an ihrem Ex-Geliebten Nick schon wieder die Finger verbrennen und bringt so gekonnt die Handlung voran. Nicole Mercedes Müller überzeugt als undurchschaubare Kinderhure — eine Glanzleistung.

Die Staatsanwältin (Edita Malovcic) ist hübsch anzusehen, fällt aber gegen die anderen deutlich ab. Der Beste von allen ist: Fahri Yardim. Ein Ermittler, der vom Klinikbett per Laptop seinen Partner durch seine verwanzte Wohnung und Hamburgs Straßen lotst, dabei im Nachthemd die Krankenschwester anbaggert und seinen neuen Kollegen schlagfertig auf den Pott setzt, das ist, ja, genau, großes Kino.

Til Schweiger ist auch sehr gut, echt, das haben ja nicht alle erwartet. Als er sich vorstellt —„Tschiller, nicht Schiller — ich nuschel ein bisschen“ —, zeigt er auch Selbstironie. Der Spagat zwischen dem Haudrauf und Regelverletzer im Dienst und dem bemühten Vater, der am Frühstücksei für seine pubertierende Tochter scheitert, gelingt ihm gut. Vor allem aber ist Schweiger zu verdanken, dass der „Tatort“ jetzt auch eine Variante im Kino- Format besitzt, die von Hollywood und der Kult-Serie „Cobra 11“ gelernt hat, wie Action sich mit Leichtigkeit verbinden lässt. Dabei hat die Story sogar einigermaßen Tiefgang.

Glückwunsch, ARD, dass du dich so einen Krawall-„Tatort“ traust, der zur besten Familiensendezeit auf Political Correctness verzichtet. Auf den zweiten Schweiger-Tschiller-Krimi (oder doch:

Yardim-Schweiger-Krimi?) müssen wir leider ein Jahr warten. Aber die Vorfreude darauf ist deutlich größer als auf „Dreiohrferkel“ oder „Kokowääh 3“. Lars Fetköter

OZ

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