Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Dobbertin kämpft um eine neue Orgel
Nachrichten Kultur Dobbertin kämpft um eine neue Orgel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 06.02.2014
Dr. Claus Cartellieri (74) setzt sich für eine neue Orgel im Kloster Dobbertin ein. Fotos (3): Dietmar Lilienthal
Dobbertin

Dr. Claus Cartellieri (74) blutet das Herz, wenn er zur Orgelempore der Dobbertiner Klosterkirche aufblickt. Zwar vermittelt die unversehrt erscheinende Schauseite den Eindruck, als habe die Zeit dem Instrument nichts anhaben können. Doch die 1857 von Ernst Sauer aus Friedland geschaffene und 1893 von der Orgelbauanstalt Schlag und Söhne aus Schweidnitz ersetzte Orgel ist nicht mehr zu retten. „Hinter dem Prospekt ist außer einigen traurigen Resten nichts mehr vorhanden“, sagt Cartellieri. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises Orgel, der zum Förderverein Kloster Dobbertin bei Goldberg (Kreis Ludwigslust-Parchim) gehört.

Noch bis Ende der DDR gab es in der Dobbertiner Klosterkirche Orgelkonzerte.  Doch  seit 24 Jahren schweigen die Pfeifen.  1990 entfernten Mitarbeiter der Firma Mecklenburger Orgelbau  aus Plau am See als Teil der Vorbereitungen für die Renovierung des Kircheninneren die meisten Teile der Orgel und lagerten sie ein. Eine rund 300-jährige Orgelgeschichte fand so ihr einstweiliges Ende.

Doch damit finden sich die Mitglieder des Freundeskreises nicht länger ab. „Wir tun alles dafür, dass wir eine neue Orgel bekommen“, sagt Claus Cartellieri, der sich seit 2005 intensiv mit der Geschichte des Dobbertiner Klosters beschäftigt. Der Konferenzdolmetscher und Übersetzer liebt den Klang dieses Instruments: „Ihre Musik verbreitet eine besondere Atmosphäre. Sie lässt Menschen innehalten, besonders an diesem geweihten Ort. Deshalb muss sie hier wieder erklingen.“

Darin ist er sich auch mit seinen 15 Mitstreitern einig. Der Freundeskreis ist sich jedoch darüber im Klaren, dass der Neubau sehr kostspielig sein wird. „Und das selbst dann, wenn einzelne Teile der bisherigen Orgel wiederverwendet werden könnten und man ihre Schauseite restaurieren würde“, wie Cartellieri überlegt.

Dennoch gibt es darüber, wann das neue Instrument geweiht werden könnte, schon konkrete Vorstellungen. „Im Jahre 2020 begeht das Kloster sein 800-jähriges Bestehen. Das wäre doch ein würdiger Anlass dafür“, meint Cartellieri. Der Freundeskreis Orgel weiß sich nicht allein mit dieser Vorstellung. Diakonie, Bürgermeister, Gemeindevertretung, Pfarrer, Kirchenvorstand und Kultur- und Heimatverein stehen zu ihm.

Doch das allein wird nicht reichen, um den Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. „Es wird viel, viel Geld benötigt“, meint Dr. Claus Cartellieri und spricht von geschätzten 400 000 Euro. Deshalb setzen die Dobbertiner Orgelfreunde ihre Hoffnungen auf eigene Aktivitäten und deren mobilisierende Wirkung und nicht zuletzt auf Land, Diakonie und Sponsoren. „Auf der Suche nach Verbündeten haben wir in Friedrich Drese, dem Chef des Mecklenburgischen Orgelmuseums in Malchow bei Waren an der Müritz und einem der Orgelsachverständigen in der Nordkirche, einen sehr engagierten Mitstreiter gefunden“, lässt der Freundeskreis-Chef wissen.

Bei Drese (53) liefen die Dobbertiner mit ihrem Anliegen offene Türen ein: „Claus Cartellieri kam zu mir mit dem Gedanken, das Konzert zur Dobbertiner Orgelweihe von 1857 anhand des in einer alten Zeitung entdeckten musikalischen Programms neu aufzunehmen und es auf einer CD zu veröffentlichen.“ Eine Idee, die im Oktober 2011 verwirklicht wurde. Friedrich Drese und Jörg Reddin spielten in nur drei Tagen 15 Stücke auf verschiedenen Orgeln im Malchower Orgelmuseum ein, darunter Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Georg Friedrich Händel.

Das Konzert nach historischer Vorlage hat seitdem viele Liebhaber gefunden. „Rund 7000 Euro konnten bisher durch den Verkauf der CD eingenommen werden“, freut sich Claus Cartellieri. Und er berichtet von weiteren Vorhaben, die den Bau einer neuen Orgel unterstützen sollen: „Im Mai sind Benefizkonzerte mit dem englischen Organisten Jonathan Watts in Malchow und mit der aus Rostock stammenden Pianistin Janka Simowitsch in Goldberg geplant.“

Sauer-Orgeln
Die Orgel im Dobbertiner Kloster stammte ursprünglich aus der Werkstatt von Ernst Sauer (1799-1873) aus Friedland. Dessen Sohn Wilhelm (1831-1916) verschaffte dem Orgel-Bau unter dem Namen Sauer Weltruhm und gründete 1856 in Frankfurt/Oder eine Orgelfirma. Sauer-Orgeln stehen in den Thomaskirchen Leipzig und Berlin, im Berliner Dom, der Nikolaikirche Potsdam, der Kirche St. Peter und Paul in Moskau und der Himmelfahrtkirche Jerusalem. Die Orgel (1770) in der St. Marienkirche Rostock wurde 1938 von der Firma Sauer umgebaut. Eine Sauer-Orgel von 1988 befindet sich in St. Petri in Wolgast.



Werner Geske

Die ehemalige Sängerin der Band Wir Sind Helden bringt morgen solo eine Platte heraus. Dem OZelot sagt sie, warum Nichtstun für sie Freiheit bedeutet.

06.02.2014

In seinem Programm „Egostrip“ spielt der Münchner Comedian Rick Kavanian Dutzende Charaktere. Damit tritt der Schauspieler, den viele aus „Der Schuh des Manitu“ kennen, in Schwerin und Rostock auf.

06.02.2014

Der Deutsch-Poet, der 2011 mit „Nur noch kurz die Welt retten“ bekannt wurde, kommt am 10. Februar in die Stadthalle Rostock.

06.02.2014
Anzeige