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00:05 10.05.2017
Wird in diesem Jahr 83 Jahre alt: Künstlerin Inge Jastram in ihrem Atelier in Kneese.

Liegt Kreativität in der Familie? Diese Frage könnte man durchaus stellen, wenn man die Familie Jastram betrachtet, die aus der Kunstlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns nicht mehr wegzudenken ist. Inge Jastram und ihr bereits verstorbener Mann, der Bildhauer Jo Jastram (1928-2011), haben nicht nur als Künstler für sich viele bedeutende Arbeiten geschaffen, sondern auch eine Künstlerfamilie begründet, die mittlerweile in dritter Generation arbeitet. Werke von Mutter Inge, Sohn Jan und Enkelin Line Jastram sind in der aktuellen Ausstellung in der Galerie Teterow zu sehen.

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Drei Generationen einer Künstlerfamilie: Bis zum 1. Juli sind in der Galerie Teterow Arbeiten von Inge, Jan und Line Jastram zu sehen.

Farbenfrohe Flugobjekte aus Papier, filigrane Holzskulpturen, grotesk und dennoch anrührend anmutende Zirkusmenschen, eindringliche Frauenporträts und der Natur nachempfundener Schmuck in Form von Silberfäden, Glas-Tautropfen, Granatbeeren und Süßwasserperlenzweigen: Es ist vor allem die Vielfalt durch die die Ausstellung in Teterow besticht – Malerei und Grafik von Inge Jastram, Plastiken aus Holz und Papier von Jan Jastram und Metallobjekte und Schmuck von Line Jastram. Die künstlerischen Genres sind so individuell wie die Handschriften ihrer Erschaffer.

Für Galerieleiterin Sylvia Henschel einer der Gründe für die aktuelle Ausstellung. „Wir stellen jedes Jahr eine Künstlerfamilie vor. Bei den Jastrams ist toll, dass ihre Werke so unterschiedlich sind. Es ist ein schönes Zusammenspiel und eher selten, dass so verschiedene Genres bedient werden“, sagt sie.

Da wäre zunächst Grafikerin Inge Jastram: In der Ausstellung sind 40 Arbeiten aus allen Schaffensphasen der Künstlerin zu sehen, die in diesem Jahr bereits ihren 83. Geburtstag feiert. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zog die gebürtige Thüringerin 1957 mit ihrem Mann, dem bekannten Bildhauer Jo Jastram, in dessen Vaterstadt Rostock. „Grande Dame der Kaltnadelradierung“, so wird sie von Sylvia Henschel liebevoll bezeichnet. Nach Buchillustrationen und Wandgestaltungen findet die Grafikerin 1989 ihr Mittel: die Radierung zur freien Gestaltung.

Ihre Drucker und Lehrer sind Ernst Lau und Bernd Hornung. Mitfühlend und empfindsam blickt sie auf ihre Mitmenschen, kratzt mit Beharrlichkeit und scharfer Nadel ihre Beobachtungen von fragilen oder starken Frauen in die Platten. Grotesk und dennoch anrührend wirken ihre Zirkusmenschen, deren Seelenleben Inge Jastram in ihren Werken so eindringlich abbildet. Hinzu kommen Illustrationen zu Werken der klassischen Literatur.

Sohn Jan Jastram hat seine eigene künstlerische Sprache: Mit Motorsäge und Brenner erschafft der gelernte Tischler und studierte Holzbildhauer erstaunlich filigrane Holzskulpturen. „Er ist ein Zauberer mit der Kettensäge, man kann sich gar nicht vorstellen, dass alles aus einem Stück gefertigt ist“, sagt Sylvia Henschel. Es sind Seelenlandschaften, die Jan Jastram mit seinen archaischen Skulpturen in vereinfachter Formensprache abbildet. Einen Gegensatz zur scheinbaren Schwere des dunklen Holzes bilden die farbenfrohen Flugobjekte Jastrams aus zartem Papier und Pappe, die von der Decke hängen und nahezu schwerelos wirken.

Jan Jastrams Tochter Line Jastram, die nach einem Studium der Bildhauerei auf Burg Giebichenstein in Halle in verschiedenen Goldschmiedewerkstätten von Hamburg bis Turin das Schmuckhandwerk erlernte, widmet sich einem ganz eigenen Sujet: Es ist das Menschliche, das Tierische, das Pflanzliche, das Lebendige, das Natürliche, auf dessen Basis die gebürtige Rostockerin ihren abstrahierten Schmuck entstehen lässt, der wirkt, wie aus der Natur entnommen: Silberfäden, Glastautropfen, Granatbeeren und Süßwasserperlenzweige, aber auch das Thema Venedig verarbeitet die junge Frau in ihrem Schmuck.

Dass mit der Ausstellung der drei Jastrams das künstlerische Potenzial der Familie längst nicht ausgeschöpft ist, beweisen Michael Jastram – der Sohn von Inge und Jo Jastram arbeitet als freischaffender Bildhauer in Berlin – sowie dessen Schwester, Susanne Rast, die ebenfalls Bildhauerin ist. Gemeinsam mit Ehemann Dirk Wunderlich, der – wen wundert’s – ebenfalls Bildhauer ist, lebt und arbeitet sie auf dem elterlichen Hof in Kneese bei Marlow.

Die Ausstellung ist bis zum 1. Juli in der Galerie Teterow zu sehen (Bahnhof 1); geöffnet dienstags bis freitags 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

Die Künstlerfamilie Jastram

Joachim „Jo“ und Inge Jastram studierten beide an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und zogen Ende der 1950er Jahre gemeinsam nach Rostock, in die Geburtstadt Jo Jastrams. Seit 1973 lebten beide auf einem Hof in Kneese bei Marlow, wo Inge Jastram auch nach dem Tod ihres Mannes 2011 heute noch lebt. Jo Jastram hinterließ ein umfangreiches Lebenswerk mit einer Fülle von Porträts, figürlichen Darstellungen von Mensch und Tier sowie Arbeiten für den öffentlichen Raum wie Brunnen, Kirchentüren, Reliefs und Denkmäler.

Inge Jastram war in der DDR für den Hinstorff Verlag und den Eulenspiegel-Verlag als Buch- und Zeitungsillustratorin tätig und zeichnete u. a. Wandbilder mit Feliks Büttner. Sie hat sich in den 70er und 80er Jahren als Buchillustratorin und mit architekturbezogenen Arbeiten eine Reputation geschaffen, bevor sie sich der Radierung zuwandte.

Das Paar hat eine Tochter, die Bildhauerin Susanne Rast, und drei Söhne – den Designer Matthias Jastram und die beiden Bildhauer Michael und Jan Jastram. Auch Line Jastram, die Tochter von Jan Jastram, tritt in die Fußstapfen von Vater und Großvater und absolvierte in Halle auf Burg Giebichenstein ein Studium der Bildhauerei.

Stefanie Büssing

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