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Kultur Dritte Wahl mit Heimvorteil
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00:00 11.09.2018
Punk mit Härte und Biss: Dritte Wahl mit Sänger und Gitarrist Gunnar Schröder (r). FOTOS (2): THORSTEN CZARKOWSKI
Rostock

Dritte Wahl, aber nicht nur sie allein. Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass die in Rostock beheimatete Band in den Iga- Park zum Doppelkonzert lädt. Im vergangenen Jahr waren Knorkator als Gäste mit dabei, davor Pothead. In diesem Jahr war die musikalische Verwandtschaft wohl am größten: Vor dem Dritte-Wahl-Auftritt spielte die aus dem Ruhrgebiet stammende Band Sondaschule. Die Musiker erweiterten ihren Punk mehr in Richtung Ska, das war eine sehr lebendige Angelegenheit, inklusive Bläser.

Rostocker Punkrocker spielten vor 2000 Besuchern im Iga-Park / Gäste dabei: Sondaschule

Rund 2000 Besucher waren dazu am Samstagabend in den Rostocker Iga-Park gekommen, zu einem großen Teil in Schwarz gekleidet, oft auch mit Dritte-Wahl-Oberbekleidung. Oder beides. Die Verbundenheit mit dem Rostocker Publikum ist ganz klar, schließlich ist dies die Heimatstadt von Dritte Wahl. Hier hatten sie vor dreißig Jahren ihren ersten Auftritt, es war klar, dass dies ein Geburtstagskonzert für die Band sein würde. Und ein Heimspiel sowieso.

Die Erinnerung an den ersten Gig in der Schülerspeisung im Rostocker Stadtteil Evershagen ist noch einigermaßen da. Damals, 1988 also, hatte die Band auch einen Titel namens „Made in Germany“

gespielt. Der wurde für dieses Konzert extra wieder hervorgeholt, „nach einem Gedächtnisprotokoll“ wieder rekonstruiert, wie Sänger und Gitarrist Gunnar Schröder erläuterte.

Ziemlich früh im Programm platzieren die Musiker ihren Überhit „Fliegen“, der das Publikum regelmäßig zu minutenlangem Mitsingen animiert. Auch hier: „Aber ich möchte fliegen / Ganz weit oben überm Meer / Und dann sehe ich all die Scheiße / All die Scheiße / Hier unten gar nicht mehr“. Dieses Lied ist inzwischen zu einem gemeinsamen Fluchtpunkt aus einer Welt geworden, die aus den Fugen zu geraten scheint.

Die Band spielte sich hart in fast zwei Stunden quer durch die drei Jahrzehnte Bandgeschichte, auch mit sonst selten gespielten Songs, dazu mit einer Reihe von Gästen. Für kurze Auftritte kamen ehemalige musikalische Mitstreiter wie Dieter Staskowiak (Keyboards) und Uwe Golz (Gitarre) dazu. Einen eher kuriosen Auftritt lieferten Möwe und die Ölmützen, sozusagen die Punk-Ausgabe eines Shantychores. Sie brachten auch eine eigene Version des Songs „Wirtshausschlägerei“ auf die Bühne, den sie sich bei der Punkband Die Kassierer ausgeliehen hatten.

Neuere Dritte-Wahl-Lieder bereicherten das Programm, wie das sozialkritische „25 Cent“ oder „Scotty“, noch so ein Fluchtlied. Klassiker wie „So wie ihr seid“ durfte natürlich nicht fehlen. Zum Ende hin wurde es noch etwas gefühlig, mit „Was weiß ich schon von der Liebe“ nämlich. Und jener Song, der diese Gruppe den Namen gegeben hatte, war zu hören, „Dritte Wahl“. Auch die politische Haltung der Band machte Gunnar Schröder klar: Angesichts der Ereignisse von Chemnitz stellte sich die Band gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, sie positionierte sich als Punkband traditionell links und gleichzeitig tolerant.

Das war sie also, die Geburtstagsshow. Oder das Bergfest, wie Gunnar Schröder sagte. Denn: „ Im Jahr 2048 werden wir Dritte Wahl auflösen.“ Bis zum Ende ist also noch etwas Zeit. Für die nächsten Konzerte wird die Band ihr Programm wieder umstellen, erklärte der Bandleader. Auch die beiden traditionellen Weihnachtskonzerte sind bereits in Rostock angesetzt, am 28. und 29. Dezember im Rostocker Mau-Club. Dazu bringen Dritte Wahl wieder passende musikalische Gäste mit – am ersten Abend Mainpoint, am zweiten Abend die Crushing Caspars.

Thorsten Czarkowski

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