Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
„Du willst es doch auch“

„Du willst es doch auch“

Für ihr neues Buch hat Autorin und Kabarettistin Tatjana Meissner 3000 Fans zum Thema Sex befragt. Das Ergebnis: eine literarische Reise durch Blümchensex, heiße Abenteuer und peinliche Unfälle.

Ihr neues Buch „Du willst es doch auch“ ist ein Plädoyer für einen offenen Umgang mit Sexualität. Der OSTSEE-ZEITUNG hat Tatjana Meissner verraten, was in deutschen Betten vor sich geht.

Sie schreiben, Erotik im Netz sei wie Westfernsehen in der DDR: Alle gucken, aber niemand gibt es zu. Und das in unserer aufgeklärten Gesellschaft?!

Tatjana Meissner: Ich glaube, dass die Leute zwar mit Sex zugeballert werden — alle wollen große Brüste sehen —, aber da, wo es wichtig wäre, in den eigenen vier Wänden mit dem Partner oder bei der Aufklärung der Kinder, sind sie verklemmt. Wahrscheinlich, weil Sex als schmutzig angesehen wird und in uns allen noch die christliche Moral verankert ist.

Sind Sie aufgeklärt worden?

Meissner: Nein. Ich wusste nicht mal, dass ich einen Orgasmus kriegen kann. Als ich das mit 17 las und meine Mutter fragte, wie sich das anfühlt, war sie völlig überfordert.

Warum haben Sie sich entschlossen, in Ihrem Buch so offen über Sex zu schreiben?

Meissner: Dieses Tabu zu brechen, damit habe ich vor über zehn Jahren begonnen. Damals wollte ein Theater in Potsdam ein Nachtprogramm haben. Den Titel habe ich ‘Unter Sex Augen‘

genannt. Das erstaunliche war, dass viel mehr Leute kamen als ohne Sex im Titel. Die Leute lachen am lautesten, wenn‘s zweideutig wird, nicht, wenn ich über Gesellschaftspolitik rede.

Für Ihr Buch haben Sie Ihre Fangemeinde befragt. Wonach haben Sie genau gesucht?

Meissner: Ständig erlebe ich ja auch keine sexuellen Höhepunkte, also dachte ich, fragst du doch mal andere, was die so erleben. Ausgangspunkt war immer, was hast du an lustigen Geschichten rund um Sexualität und Aufklärung erlebt. Wenn jemand das Ufer gewechselt hat, habe ich natürlich gefragt, wie es dazu kam, wie das Outing verlief oder was derjenige Lustiges erlebt hat.

In Ihrem Buch schreiben Sie Klartext. Was treiben die Deutschen denn in ihren Betten?

Meissner: So ziemlich alles, was ihnen Spaß macht. Zumindest diejenigen, die sich mit mir unterhalten haben, haben schon fast alles ausprobiert: Swingerclub, Telefonsex, Dildo-Partys, Cybersex, alles.

Ob Prostituierte, Sado-Maso-Anhänger oder Vertreterin für Sexspielzeug — wie haben Sie die Menschen dazu bekommen, Ihnen ihre Geschichten zu erzählen?

Meissner: Das war nicht schwer. Viele sind nicht mit ihrem realen Namen beschrieben und daher auch nicht zu erkennen. Anderen, wie Roswitha, der Hure, machte das nichts aus.

Einiges klingt schon skurril, zum Beispiel wie jene Hure Roswitha erzählt, dass ihre Mutter ihr bei der Arbeit zuschaut . . .

Meissner: Ja, absurd — oder ?

Oder die Geschichte über Sexunfälle aus der Notaufnahme . . .

Meissner: Ja, aber für Amanda, die mir die Geschichte erzählt hat, verbürge ich mich. Von ihr weiß ich, dass Sexunfälle überwiegend Männern passieren — vom Penisbruch bis hin zu eingeführten Gegenständen.

Gibt es auch Dinge, die so extrem sind, dass Sie sie nicht erzählen?

Meissner: Ja! Was mir ein Sexshopbesitzer aus Sachsen verraten hat, war wirklich extrem. Das würde ich vielleicht schreiben, auf der Bühne erzählen garantiert nicht. Wobei das ja die Protagonisten sagen, nicht ich. Wenn ich dieses Buch auf die Bühne bringe, werde ich mich verändern, damit die Leute wissen, jetzt ist sie die Krankenschwester. Da habe ich eine Haube auf. Von mir würde ich solche Erlebnisse nicht preisgeben.

Und wo ist die Schmerzgrenze?

Meissner: Bei den Geschichten des Sexshopbesitzers ging es um Fetische. Das war alles so schmuddelig, dass ich es rausgenommen habe. Aber ich hoffe, dass sich viele Leute melden, wenn sie mein Buch gelesen haben und mir ihre Geschichte erzählen. Vielleicht mache ich dann ein zweites Buch, weil es mir wirklich Spaß gemacht hat.

Sie verwenden eine klare Sprache, wie ist denn die Reaktion Ihrer Fans?

Meissner: Obwohl klar ist, wovon ich rede, höre ich oft, dass es immer noch angenehm, lustig und authentisch ist und nicht schmutzig. Die Fans mögen das, darum kommen sie ja auch.

Mit den Medien habe ich mehr Schwierigkeiten, weil das Thema Sex nach wie vor mit dumm oder banal assoziiert wird.

Was war die lustigste Geschichte, die Sie gehört haben?

Meissner: Am lustigsten und empfehlenswertesten fand ich die Dildoparty.

Einiges ist wirklich komisch, zum Beispiel, wie sie in körperformender Unterwäsche feststecken. Es geht aber auch um Pragmatisches, zum Beispiel, wie häufig sollte man Sex haben oder wie entwickelt sich die Lust im Alter. Was ist Ihnen wichtiger, Aufklärung oder Lacher?

Meissner: Natürlich sind die Lacher am wichtigsten. Aber ich versuche auch, ein wenig zu missionieren im Sinne von: Redet mit eurem Partner darüber, wie ihr am meisten Spaß habt.

Ihre Lesereise führt Sie auch nach Mecklenburg-Vorpommern. An die Ostsee haben Sie und Ihr Partner ja besondere Erinnerungen . . .

Meissner: Ja, wir haben gedacht, wir bringen unser Sexualleben in Schwung, fahren nach Markgrafenheide und übernachten am Strand. Wir hatten alles dabei, was man braucht, um einen schönen Abend zu verleben und vielleicht Sex zu haben. Aber das ging gehörig und im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose. Wie — das erzähle ich in dem Buch und auch auf meiner Lesereise.

 



Interview von Stefanie Büssing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.