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Nachrichten Kultur Egon Günther galt als radikalster Filmregisseur der DDR
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06:26 30.03.2017
Filmregisseur Egon Günther wird 75 Quelle: Jens Kalaene
Berlin

Egon Günther war der wohl radikalste, experimentierfreudigste Filmregisseur der DDR. Am Donnerstag (30.3.) wird er 90 Jahre alt; er kam 1927 in Schneeberg im Erzgebirge als Sohn einer Arbeiterfamilie zur Welt. Die DEFA-Stiftung hat Günthers Lebensweg so zusammengefasst: „Schlosser, Lehrer, Lektor, Lyriker, Romancier, Drehbuchautor, Regisseur und Professor“.

Günthers Beispiel ist typisch für DDR-Realität: Wenn ein Künstler zu eigenwillig war, zu modern, bekam er große Schwierigkeiten. Mehrere Filme Günthers wurden in der DDR verboten, bei den anderen gab es ständig Auseinandersetzungen. Ab 1978 drehte er nur noch im Westen, blieb aber DDR-Bürger. Professor wurde er erst 1992, er lehrte in München und Potsdam-Babelsberg.

Heute lebt er bei Berlin. Günthers Erzählungen und Romane sind heute weithin vergessen. Was bleibt, sind seine Filme. Gleich sein zweiter, „Das Kleid“ (1961, nach „Des Kaisers neue Kleider“) kam gar nicht erst ins Kino. Genauso erging es 1965 der Komödie „Wenn du groß bist, lieber Adam“. Die Zensoren sahen in beiden Angriffe auf das gesellschaftliche System der DDR. Erst 1968 konnte Günther wieder einen Film drehen, „Abschied“ nach dem Roman des Dichters und Politikers Johannes R. Becher (1891-1958). Daraus machte Günther eine freche Satire auf den Obrigkeitsstaat. Auch dieser Film verschwand schnell aus den Kinos.

1971 und 1974 entstanden Günthers wohl beste Filme, „Der Dritte“ und „Die Schlüssel“, beide mit Schauspiellegende Jutta Hoffmann. In „Der Dritte“ sucht Margit nach zwei gescheiterten Beziehungen und mit zwei Töchtern nach dem richtigen Mann, dem dritten. Der Film zeigt die schwierigen Bedingungen für Frauen in der DDR, wenn sie ihr Leben selbst gestalten wollten. Das missfiel der Partei, Empörung aber löste eine latent lesbische Szene zwischen Margit und ihrer Freundin aus. „Der Dritte“ gewann 1972 den Hauptpreis beim Festival in Karlovy Vary. Jutta Hoffmann wurde in Venedig als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

In „Die Schlüssel“ (1974) macht ein junges Paar aus der DDR Urlaub in Krakau. Ric und Klaus erleben die Lebendigkeit der polnischen Studenten, die Streiks in Danzig begannen kurz danach. Es gab kaum ein Drehbuch, nur Zettel. Der Film „war der Versuch, die Schauspieler vollkommen in die Freiheit zu entlassen“, erklärte Günther – eine Provokation für s staatliche Filmwesen. Auch dieser Film lief nur wenige Tage in der DDR. Für Jutta Hoffmann war er „der beste Film, der in der DEFA gemacht wurde“.

Seit kurzem gibt es ihn auf DVD. Nach „Lotte in Weimar“ und „Die neuen Leiden des jungen Werthers“ setzte Günther seine Auseinandersetzung mit der deutschen Klassik im Westen fort und drehte „Die Braut. Goethe und Christiane“.

OZ

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