Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Ehrung für Karin Henkel beim Berliner Theatertreffen
Nachrichten Kultur Ehrung für Karin Henkel beim Berliner Theatertreffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 07.05.2018
Karin Henkel wurde mit dem Theaterpreis Berlin geehrt. Quelle: T+t Fotografie/toni Suter/berliner Festspiele
Anzeige
Berlin

Stars wie Nina Hoss, Martin Wuttke, Sophie Rois und Marc Hosemann sind zum Auftakt des 55. Berliner Theatertreffens gefeiert worden. Am Freitagabend eröffneten Frank Castorf und sein legendäres Volksbühnen-Team das Festival mit ihrer siebenstündigen „Faust“-Inszenierung.         

Bei der zweiten Theatertreffen-Premiere begeisterte das Publikum am Samstagabend dann Kino- und Theaterschauspielerin Nina Hoss („Yella“, „Barbara“). Sie spielte die Hauptrolle in der Theaterfassung von Didier Eribons Bestseller „Rückkehr nach Reims“  - auf die Bühne gebracht vom Künstlerischen Leiter der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier.

Gleich zum Festivalstart wurde auch schon ein Preis verliehen. Regisseurin Karin Henkel (47) wurde für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater mit dem Theaterpreis Berlin geehrt. Henkel nahm die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Preußische Seehandlung am Samstag zum Festivalauftakt entgegen.  

Das Preisgeld spende Henkel dem in Berlin ansässigen Verein Háwar.Help und insbesondere dessen Projekt „Back to Life“, teilten die Berliner Festspiele mit. In dem Projekt wird jesidischen Frauen geholfen, die Opfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geworden sind.

Die aus Köln stammende Henkel arbeitet seit den 90er Jahren an den großen deutschsprachigen Bühnen. Die Regisseurin untersuche in ihren Inszenierungen konsequent die Grundbedingungen sozialen Zusammenlebens, erklärte die Jury des Theaterpreises. Beim diesjährigen Theatertreffen ist Henkel mit ihrem am Schauspielhaus Zürich entstandenen, mythologischen Drama „Beute Frauen Krieg“ vertreten.

Ausdauer verlangte Castorfs Martahon-„Faust“ zum Auftakt den Besuchern ab. Nach der Vorstellung habe es „zehn Minuten lang Standing Ovations“ gegeben, berichtete eine Festivalsprecherin. Das Goethe-Werk war Castorfs letzte große Regiearbeit an der Berliner Volksbühne, bevor er den Chefsessel an dem Theater nach einem Vierteljahrhundert als Intendant räumen musste.  

Sein Nachfolger, der Belgier Chris Dercon, hatte im vergangenen Monat seinen Posten nach viel Kritik vorzeitig wieder aufgegeben - ein viel diskutiertes Thema auch bei den aus ganz Europa angereisten Theatertreffen-Besuchern.

Bejubelt wurde die 42-jährige Nina Hoss in „Rückkehr nach Reims“. Auch wenn Hoss während des Großteils des Zwei-Stunden-Stücks „nur“ ein Manuskript vorliest, sorgt sie mit einer enormen Präsenz und Wahrhaftigkeit für besondere Spannung. Ostermeier übersetzte den autobiografischen Essay des französischen Soziologen Eribon in eine Bühnenversion. Dabei geht vor allem um dessen Auseinandersetzung mit dem zur Arbeiterklasse gehörenden Vater. Mit dem Nachdenken über ihren eigenen Vater Willi gibt Hoss dem Projekt am Schluss eine große Erdung.

Großes Star-Theater auch bei Castorfs „Faust“: Zu sehen waren unter anderem Martin Wuttke als Faust, Marc Hosemann als Mephistopheles und Sophie Rois als Hexe. Festspiel-Intendant Thomas Oberender verglich das „alte“ Volksbühnen-Team in seiner Eröffnungsrede mit einer Mannschaft, die 25 Jahre gemeinsam zur See gefahren ist. Nun heiße es beim Theatertreffen für das in alle Winde verstreute Ensemble: „Für eine Fahrt brauche ich euch nochmal!“

Theatertreffen-Leiter Daniel Richter hatte betont: „Nicht nur die besondere Lesart des "Faust" macht die Inszenierung so bestechend“ - der Abend bilde noch einmal das ab, was die 25-jährige Castorf-Ära an der Berliner Volksbühne geprägt habe: „Die fantastischen Schauspieler mit ihrer Volksbühnen-Spielweise, die sehr expressiv und körperlich ist. Es ist eine Hommage an die tollen Castorf-Jahre.“

Bis zum 21. Mai sind beim Theatertreffen die „bemerkenswertesten“ Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen. Zu den eingeladenen Bühnen gehören auch die Münchner Kammerspiele, das Thalia Theater Hamburg, das Theater Basel, das Wiener Burgtheater und das Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Das Festival endet mit der Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises für junge Schauspieler.

dpa

Mehr zum Thema

Die Karten sind immer schnell weg. Die Zuschauer kommen aus aller Welt. Zum 55. Mal zeigt das Berliner Theatertreffen die „bemerkenswertesten“ Inszenierungen der Saison. Zum Auftakt ist Ausdauer gefragt.

03.05.2018

Elisa Weiß lädt junge Leute und Erwachsene zur Theaterwerkstatt ein

03.05.2018

Zuglärm donnert, die Notbremse jault - so beginnt die Eröffnungsproduktion der Ruhrfestspiele. „Der Besuch der alten Dame“ erzählt von Rache, kalter Wut und bigotten Kleinbürgern. Die Koproduktion mit dem Wiener Burgtheater wurde begeistert aufgenommen.

05.05.2018

Nach der Eisbahn kommt nun das „Chapeau Rouge“: Die Vorpommersche Landesbühne zieht vom Stammhaus Anklam wieder auf die Insel Usedom. Am Montag beginnt der Aufbau des roten Theaterzelts auf der Heringsdorfer Promenade. Am 2. Juni beginnt die Saison.

06.05.2018
Kultur So inspirieren Facebook und Co. Hollywoods Filmemacher - Silicon Hollywood

Die sozialen Netzwerke sind zur festen Größe in der Populärkultur geworden. Serien wie “Silicon Valley“ und Filme wie “The Circle“ und “The Social Network“ betrachten den Hype um Facebook und die ständige Selbstoffenbarung durchaus kritisch.

06.05.2018
Kultur Craft-Beer-Simulator “Brew Town“ im Spieletest - Da braut sich was zusammen

Craftbeer liegt im Trend. In “Brew Town“, dem ersten Craft-Beer-Simulator, haben Hobbybrauer jetzt die Qual der Wahl. Und das nicht nur bei Sorte und Geschmack ihres eigenen Gebräus.

05.05.2018
Anzeige