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Ein Bild für einen guten Freund

Rostock Ein Bild für einen guten Freund

Der Warnemünder Maler Rando Geschewski (52) hat in seiner aktuellen Porträtreihe das Bild „Lonzo“ einem schwerkranken Freund gewidmet

Rostock. Der Mann steht einfach so da. Unverstellt wirkt das, männlich. Ein anpackender Kerl. Ärmel hochgekrempelt, kräftige Arme, Jogginghose, markantes Gesicht — ein Typ halt. Als dürfe ihm der Betrachter ruhig recht nahe kommen, ohne dass ihn das aus der Fassung bringt. Als sollte ihm der Betrachter aber mal nicht doof kommen.

 

OZ-Bild

Rando Geschewski (52) vor seinem Bild „Lonzo“ (2016, Tusche auf PVC)

Quelle: Dietmar Lilienthal

Das Bild heißt „Lonzo“. Es zeigt einen guten Freund von Rando Geschewski (52). Vor 33 Jahren hat er Lonzo kennengelernt. Bei der Armee war das — in der Kaserne Stern Buchholz bei Schwerin. Der junge Rando mochte den etwas älteren Lonzo sofort. „Der hat so einen messerscharfen menschlichen Verstand und jeden Unteroffizier bis aufs Blut gereizt, weil er denen intellektuell überlegen war — ein moderner Schwejk.“ Das klingt anerkennend. Und soll es wohl auch.

Rando und Lonzo wurden Freunde. „Wir haben uns später in Rostock wieder getroffen und nie so richtig aus den Augen verloren.“ Da gingen wegen Geschewskis Studium oder Lehraufträgen immer mal Jahre ins Land, in denen die beiden wenig oder nichts miteinander zu tun hatten. „Aber bei Männern heißt das ja nix“, sagt der Maler aus Warnemünde.

Jetzt ist der Freund krank. ALS die bittere Diagnose. Amyotrophe Lateralsklerose. Eine unheilbare degenerative Erkrankung des Nervensystems, die mit dem Tod endet. Lonzo lebt im Hospiz. Und Rando hat ihm mit dem Bild ein Denkmal gesetzt. Ein Bild der Anerkennung. „Lonzo hat seinen Humor nie verloren“, sagt Geschewski. Und in Rostock sei er eine Institution. Geschewski erzählt: „Lonzo — den kennt man einfach.“ In den 80er Jahren haben sich die Freunde am Schweizer Wald getroffen. Dort war das Schweizerhaus, heute Trihotel. „Schweinehaus“ hieß das im Rostocker Volksmund. „Da haben sich immer die ‘Gefährlichen‘ getroffen“, sagt Geschewski und lacht. Die mit den Motorrädern.

Jörg-Uwe Neumann (55), Rostocker Zahnarzt und Kunsthallenchef, gehörte dazu. „Ich war mal Türsteher im Schweinehaus. Daher kenne ich Lonzo. Das war ‘ne lustige Zeit.“ Einmal stiegen zwei muskelbepackte Rocker von ihren Maschinen, wollten rein und der schlaksige Neumann wollte das nicht. Die haben dann gefragt: „Und, wie willste uns daran hindern?“ Neumann lacht: „Da habt ihr auch wieder recht“, hat er geantwortet. Auch Lonzo fuhr Motorrad. Seine Harley wurde im Kreise der Motorradkumpel versteigert. 12500 Euro sind da zusammengekommen, die ihm geholfen haben, seinen Alltag besser auf die Krankheit einzustellen. Bei der „Supporter-Party“ im Rostocker „Ursprung“ konnte jeder Besucher ein Los für 50 Euro kaufen. 250 Lose wurden verkauft. Am Ende wurde die Harley verlost. „Hätte ich auch gern gehabt“, sagt Geschewski. „Aber kein Glück gehabt.“

Das Bild „Lonzo“ hängt in der Rostocker Kunsthalle. Bis 24. April ist es dort in derAusstellung „re:Vision. Neue Wä(e)nde für das Land“ zu sehen. Das Museum zeigt mehr als 100 Werke aus der Sammlung der DKB-Stiftung. Die Stiftung des Geldinstituts hat Anfang der 90er Jahre unbekannte Meisterschüler aus den neuen Ländern mit Ankäufen gefördert. Mehr als 800 Arbeiten hängen und stehen in ostdeutschen DKB-Filialen. Arbeiten von Daniel Sambo-Richter aus Cottbus, Iris Band aus Halle, Harald Rainer Garz aus Schmalkalden, Uwe Mühlberg aus Chemnitz, Peter Klitta aus Ludwigslust, Ute Laux aus Schwerin oder Bernd Kommnick aus Neubrandenburg.

Und mittendrin, zwischen sechs weiteren Arbeiten Geschewskis, die die DKB-Stiftung seit der Wende angekauft hat, und die die Entwicklung des Warnemünder Malers zeigen, hängt „Lonzo“ — Tusche auf PVC mit Rasierklinge gezeichnet. Ganz frisch aus dem Jahr 2016. Gerade erst fertig geworden. Ein besonderes Bild.

Rando Geschewski

Der Künstler Rando Geschewski wurde 1963 in Berlin geboren. Ihn als Maler zu bezeichnen, wäre zu wenig. Geschewski absolvierte eine Ausbildung zum Tischler, war als Innenarchitekt, Theatermaler und Fotograf tätig. Von 1990 bis 1995 studierte Geschewski an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle Malerei und Grafik bei Professor Thomas Rug und hatte einen Lehrauftrag dort. Von 1995 bis 1997 war er Meisterschüler bei Professor Werner Liebmann. Von 1996 bis 2001 hatte er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Wismar. Geschewski hatte Ausstellungen in ganz MV, mehrmals in China, in Kyoto, London, Tel Aviv, Köln, Berlin, Halle oder Erlangen.

Die Ausstellung „reVision: Neue Wä(e)nde für das Land“ zeigt die Kunsthalle Rostock bis 24. April. Auf beiden Etagen hängen über 100 Bilder aus der Sammlung der DKB-Stiftung. 14 Künstler aus den neuen Ländern hat die Stiftung der Bank seit der Wende durch Ankäufe gefördert. Aus MV sind neben Geschewski noch Peter Klitta, Ute Laux und Bernd Kommnick vertreten.

Von Michael Meyer

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