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Ein Gerhard Richter für 180 Mark? Viel zu teuer...

Ausstellung in Bonn Ein Gerhard Richter für 180 Mark? Viel zu teuer...

Gerhard Richter war mal zum Schnäppchenpreis zu haben. Das Kunstmuseum Bonn zeigt Bilder aus einer Zeit, als der heute teuerste Maler der Welt noch Karnevalsfigurenbauer in Düsseldorf war. Seine seltsamen Bilder wollte niemand haben.

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„Großer Vorhang“ von Gerhard Richter.

Quelle: Oliver Berg

Bonn. Abends vor dem Schlafengehen blättert Gerhard Richter (85) gern in einem opulenten Bildband mit dem Gesamtwerk von Johannes Vermeer (1632-1675).

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, „Die Briefleserin“, „Ansicht von Delft“... Richter schwärmt für Vermeer. Und nicht selten bezieht er sich auf ihn. Das sieht man jetzt wieder in einer Ausstellung im Kunstmuseum Bonn.

In seinem klassischen Werk „Die Malkunst“ gewährt Vermeer hinter einem zurückgeschlagenen Vorhang Einblick in ein Künstleratelier. Dieser Vorhang-Effekt findet sich in der Malerei quer durch die Jahrhunderte. Auch Richter hat zu Beginn seiner Laufbahn in den 60er Jahren mehrere Vorhang-Bilder gemalt. Zusammen mit Türen und Fenstern bilden sie den Schwerpunkt der Bonner Ausstellung „Über Malen - Frühe Bilder“ (15.6.-1.10.). Nur 25 Werke sind zu sehen, alle aus Richters Frühzeit. Aber gerade durch diese Beschränkung kann man gut erkennen, was denn nun das Besondere an Richters Werk ist.

Was sofort auffällt: Von Anfang an stehen gegenständliche Bilder neben abstrakten. In den 60er Jahren war das eher ungewöhnlich - Vertreter beider Richtungen lagen miteinander im Clinch. Vor allem gegenständliche Malerei schien am Ende. Richter kümmerte das aber nicht. Sein großer Kunstgriff: Er belebte die schon totgesagte Malerei wieder, indem er alle klassischen Genres wie Porträt, Landschaft, Historienbild und Stillleben erneut aufgriff. Nur ganz anders als vorher.

In Bonn ist es der Vorhang aus der Barockzeit - Vermeers Vorhang! - der plötzlich wieder da ist. Aber bei Richter enthüllt er nichts. Er bleibt geschlossen. Ebenso wie die zu dieser Zeit von ihm gemalten Türen ins Nichts führen und seine Fenster keine Landschaft rahmen. Man hat zwar den Durchblick, aber man sieht nichts. Auf diese Weise hat Richter das altmodische Medium Bild wieder interessant gemacht. „Richter hat den Zweifel ins Bild gemalt“, sagt Museumsdirektor Stephan Berg. Es gibt zwar eine Welt da draußen, aber ob die Kunst irgendetwas dazu beitragen kann, sie zu verstehen - das glaubt der skeptische Richter eher nicht.

Manche Bilder haben Spezial-Effekte, so dass man im ersten Moment denkt: Seh' ich jetzt richtig oder ist es gestern Abend doch etwas spät geworden? Ein Vorhang flimmert so heftig, dass man nach einiger Zeit unwillkürlich wegguckt. Das Auge wird durch die Struktur überfordert. Solche optischen Spielereien waren in den 60er Jahren sehr trendy. Sie bildeten sogar eine eigene Stil-Richtung, die Op-Art. So macht die Bonner Ausstellung nebenher deutlich, dass Gerhard der Große auch immer ein Kind seiner Zeit war und herrschende Moden des Kunstbetriebs mitunter willig aufnahm.

Heute denkt man beim Namen Richter unwillkürlich an das ganz große Geld. Die in Bonn ausgestellten Werke stammen noch aus einer Zeit, als sein Name nur Kennern etwas sagte. Der Zuwanderer aus Dresden war in Düsseldorf knapp bei Kasse und baute nebenher Karnevalsfiguren. Einen „Kleinen Vorhang“ von ihm hätte man 1965 in einer Hannoveraner Galerie für 180 Mark erstehen können. Das Bild fand aber - ebenso wie alle anderen angebotenen Werke von Richter - keinen Käufer.

Die Ausstellung „Gerhard Richter: Über Malen - Frühe Bilder“ läuft vom 15. Juni bis zum 1. Oktober. Anschließend wandert sie weiter ins Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent (Belgien) und dann im nächsten Jahr ins Museum Wiesbaden. In Bonn ist die Ausstellung geöffnet dienstags bis sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs bis 21.00 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer-Verlag.

dpa

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