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Kultur Ein Hakenkreuz-Lutscher zu viel
Nachrichten Kultur Ein Hakenkreuz-Lutscher zu viel
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01:01 14.04.2018
„Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ ist an den nächsten Tagen noch mehrmals zu sehen. Quelle: Foto: Christian Rödel
Stralsund

Die Gräueltaten der Nationalsozialisten sind kaum in Worte zu fassen: Die selbst für Erwachsene unfassbaren Geschehnisse des braunen Terrors auf halbwegs verständliche Weise der heutigen jungen Generation, insbesondere Kindern, zu erklären, ist ein Wagnis, das der Autor Jens Raschke eingegangen ist. Am frühen Samstagabend erlebte Raschkes Kindertheaterstück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ seine Premiere im Gustav-Adolf-Saal der Kulturkirche St. Jakobi.

Der Autor muss eines der wichtigsten Zitate Adornos als Impuls für sein Werk im Vorfeld des Schreibprozesses verinnerlicht haben, denn der wichtigste Nachkriegsphilosoph schrieb nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung“. Der als historisch verbürgte „Zoologische Garten Buchenwald“ stand als Ausgangspunkt für die Idee der fiktiven Geschichte um Mama und Papa Pavian, Frau Mufflon und das Murmeltiermädchen, die als tierische Protagonisten in dem Stück auftreten.

Das ruhige Waldleben der Zootiere gerät aus dem Takt, als eines Tages der kritisch-kluge Bär „angeliefert“ wird und plötzlich unbequeme Fragen beispielweise nach dem üblen Gestank auf der anderen Seite des Gehegezaunes stellt. Merkwürdig gestreifte „Zebrawesen“ und „Gestiefelte“ bestimmen das Geschehen auf der anderen Seite des Stacheldrahtzaunes, der von Bühnenbildnerin Maike Buschhüter als rotes Ballnetz quer durch den Raum installiert wurde. Die Tierfiguren agieren selbstredend mit menschlichen Verhaltensmustern und den dazugehörigen Charakterschwächen.

Das Stück soll eine Parabel auf die heutige Gesellschaft sein, in der es Duckmäusertum und Ignoranz gegenüber den Notleidenden auf dieser Welt gibt. Krieg, Folter, Tod, Flucht und Vertreibung sind bis heute die universellen Themen, mit denen Kinder medial konfrontiert werden.

Der Blick auf die andere Seite des Zauns, wo die Menschenwürde mit Füssen getreten wird, muss gewagt werden, auch wenn es, wie im tragischen Falle des Nashorns aus der Geschichte, verheerende Folgen haben kann. Die literarisch-szenische Gestaltung des brisanten Stoffes war gewiss ein streitbarer Versuch, diese universellen Themen für Kinder (be)greifbarer zu machen. Die vordergründige Verwendung einer Hakenkreuz-Symbolik auf dem Lutscher des Murmeltiermädchens wäre entbehrlich gewesen. Dieses ikonografischen Hinweises auf das NS-Regimes hätte es nicht bedurft.

Weitere Termine

Heute: 10 Uhr, Stralsund, Gustav-Adolf- Saal;

15. April: 15 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal;

16. April: 10 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal;

17. April: 10 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal;

22. April: 16 Uhr, Theater Putbus auf Rügen;

5. Mai: 18 Uhr, Stralsund, Gustav-Adolf- Saal;

8. Mai: 10 Uhr, Stralsund, Gustav- Adolf- Saal;

29. Mai: 10 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal;

30. Mai: 10 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal;

3. Juni: 15 Uhr, Greifswald, Rubenowsaal

Christian Rödel

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