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Kultur Ein Hauch von Langeweile: Mrozeks „Tango“ am Schweriner Theater
Nachrichten Kultur Ein Hauch von Langeweile: Mrozeks „Tango“ am Schweriner Theater
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00:00 22.03.2016

Wogegen kann einer wie Student Artur noch rebellieren, wenn schon die Vorfahren die Anarchie zur Norm gemacht haben? Der Arme wirkt genauso absurd wie die schrägen Eltern, erst recht, wenn er ins Chaos der Familien-Kommune seine neue „Weltordnung“ bringen will, um neue Möglichkeiten des Aufruhrs zu finden.

Seit der Premiere mit Slawomir Mrozeks Farce „Tango“ am Wochenende kommandiert dieser verklemmte Artur (Jan Hallmann), ein unglücklicher moderner Hamlet auf absurden Irrwegen, im Schweriner Großen Haus die auf- und abgeklärten Alten herum. „Grauenvoll tolerant“, wie die sind, lassen sie ihn machen und gehen weiter ihren Spielchen „Schnick, Schnack, Schnuck“ nach: Da tobt sich, als postmoderne Form des Spießertums, die sinnfreie Spaßgesellschaft in einer Wohnung voller Matratzenhaufen aus. Papa Stomil (David Emig) pflegt sein Avantgardistentum in infantilen „Experimenten“, Mama Eleonore (Anja Werner) steigt mit dem Simpel Edek (Jochen Fahr) ins Bett, Onkel Eugen (Dirk Audehm) schwankt zwischen dem wertkonservativen Rollback Arturs und dem Spaß im Chaos, wird daher mal Handlanger, mal Opfer des autoritären Sinnsuchers. Das Mädchen Ala (Brit Claudia Dehler) kocht als Bohème-Abklatsch-Püppchen ihr eigenes Süppchen, hätte sich gar fast vom Weltenordner Artur heiraten lassen. Aber der, auf der Suche nach „Form“, dann nach einer „Idee“ und nebenbei nach einer Tragödie, muss letztere für sich selbst erleben, als er von Edek erschlagen wird. Ach ja, vorher hat ihn Tante Eugenia (Andreas Lembcke) sterbend zu Ideen angeregt: Tod und Herrschaft, Mord und Macht.

Schwergewichtig anspielende Begriffe wie Avantgarde, Neue Zeit, Formalismus oder Weltordnung flirren kurios durch den banalen Familienkontext des 50 Jahre alten Stücks und machen es zur philosophischen Zivilisations-Farce. Jede Denkrichtung wird ins Absurde übertrieben, damit jeder Ansatz von Ideologie lächerlich.

Allerdings wirkt Ralph Reichels Inszenierung zahnlos. Wollte er die Farce als Kommentar auf aktuelle Restaurations-Sehnsüchte einsetzen? Dafür scheint das Stück nicht geeignet — und strahlt nun in Schwerin viel Langeweile aus. Hastiges Texthaspeln schafft keine Dynamik, Witze scheinen zuweilen so ausführlich erzählt, dass auch wirklich jeder mitkommt, was aber auch keinen Rhythmus ergibt.

Mrozeks philosophisches Stück als nur noch harmloses Mischwesen: zuweilen trivialste Klamotte, an anderen Stellen sich selbst zu ernst nehmend. Sehr schade!

Von Dietrich Pätzold

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