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Kultur Ein Hoch auf die Freundschaft
Nachrichten Kultur Ein Hoch auf die Freundschaft
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00:05 24.04.2018
„Das fliegende Klassenzimmer“ nach dem Erich-Kästner-Klassiker erlebte am Theater Vorpommern in Stralsund eine viel beachtete Aufführung. Frederike Duggen (v. im Bild), Schülerinnen und Schüler der Jona-Schule in Stralsund auf der Bühne. Quelle: Foto: Vincent Leifer
Stralsund

Ach, welch Erich Kästner-Nostalgie! Zwei Reihen Kinder mit bunten Jacken und Mützen stehen sich auf der Bühne als verfeindete Schulklassen gegenüber. Das „Fratzengeballer“ zwischen Matz (Morten Bähr) und Henry Wawerka (Ludwig Manthe) um Mitschülerin Felixa (Annika Dietz) und die Diktathefte feuern alle Kinder der Schulklasse lauthals an. Schließlich regnet es als Ausdruck des „Schlachtengewimmels“ weiße Stoffkugeln wie Schneebälle, dass der Zuschauer seine Freude an dem schwungvollen Schülerspaß hat.

Die Premiere „Das fliegende Klassenzimmer“ nach Erich Kästner erntete am Sonntagnachmittag im Theater Stralsund sehr viel Applaus. Als Koproduktion mit 42 Kindern der Jona-Schule Stralsund ist das Stück eine Wiederaufnahme der Version aus dem vergangenen Jahr zusammen mit der Montessori-Schule. Dirk Böhling hatte das Stück inszeniert und den Text dafür selbst geschrieben. Dabei orientierte er sich stark an Kästners gleichnamigem Kinderbuchklassiker von 1933. Er fügte der Originalhandlung, in der nur Jungen agieren, aber ein paar Mädchen hinzu. „Ich bin ein großer Fan von Kästner. Aber eine reine Jungenklasse ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, erklärt der Regisseur. Und so entwickeln in dem Kinder-Musical die Mädchen und Jungen einer Internatsklasse gemeinsam ein Theaterstück, mit dem sie durch die Zeitgeschichte „fliegen“.

Die Kinder am Sonntag spielen mit viel unbeschwerter Leichtigkeit, die Spaß macht. Da gibt es den Matz, der so gerne isst, den Uli (Luca Hausmann), der vor allem Angst hat und Luise (Mathilde Mark), die Klassenbeste. Und trotz Schülerstreichen und Zankereien siegen am Ende Fairness und Respekt: Schülerin Felixa wird befreit und der kleine Uli muss endlich keine Angst mehr haben, als Feigling zu gelten.

Wenn die Kinder im Chor „Wir sind eine verschworene Gemeinschaft“ singen, erwecken sie mit ihrem Stück wahrlich Kästners Bollwerk für die Freundschaft und sein Hoch auf die Kindheit zum Leben. Mit der Begleitung durch Sebastian Undisz’ Orchester vergehen die 75 Minuten Spielzeit wie im Flug. Sabine Pommerenings Bühnenbild mit Schulbänken und übergroßem Papierkorb, in dem der kleine Uli einen Schülerstreich ausbaden muss, schaffen das passende Ambiente zu dem niedlichen Schauspiel. Die Bühnenplakate zu den „Zeitreisen“ durch das alte Rom und Ägypten haben die Fünftklässler der Jona-Schule sogar selbst gemalt.

Die fünf Schauspieler vom Ensemble des Theater Vorpommerns unterstützen das kindgerechte Stück bei der Premiere am Theater Stralsund ganz hervorragend. Marcus Voigt spielt den Geschichtslehrer Doktor Bökh, der das Nichtbefolgen der schulischen Regeln zum Nutzen des freundschaftlichen Zusammenhalts mit Kakao und Keksen belohnt. Frederike Duggens strenge, aber doch urkomische „Frau Professorin Kreuzkamp“ nimmt man ihr gern ab. Als Hausmeister Brettschneider sammelt Felix Meusel etliche Publikumslacher. Und auch Manfred Ohnoutka und Christiane Waak spielen ganz wunderbare kindliche Vorbild-Figuren. Ein kurzweiliges Stück, das Spaß für die ganze Familie garantiert.

Populärer Kinderbuch-Autor

Emil Erich Kästner (1899-1874) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor. Populär machten ihn vor allem seine Kinderbücher wie beispielsweise „Emil und die Detektive“ (1929), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) und „Das doppelte Lottchen“ (1949), sowie seine gesellschafts- oder zeitkritischen Gedichte und Aphorismen, deren bekannteste Sammlung unter dem Titel „Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“ erstmals 1936 erschien.

Im Gegensatz zu fast allen seinen regimekritischen Kollegen emigrierte Kästner nach der NS-Machtergreifung am 30. Januar 1933 nicht. Zwar fuhr er unmittelbar danach für kurze Zeit nach Meran und in die Schweiz, wo er auch bereits emigrierte Kollegen traf; dann jedoch kehrte er nach Berlin zurück. Kästner begründete diesen Schritt unter anderem damit, dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein wolle. Er wurde mehrmals von der Gestapo vernommen und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Seine Werke wurden bei der Bücherverbrennung verbrannt, was er selbst aus nächster Nähe beobachtete.

Annemarie Bierstedt

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