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Ein Schloss für die Hanseaten

Hamburg Ein Schloss für die Hanseaten

Architekten und Baufirma haben die Elbphilharmonie der Stadt Hamburg übergeben. Eine „Plaza“ für alle ist bereits geöffnet.

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In 37 Metern Höhe: die für die Öffentlichkeit freigegebene Plaza zwischen Kaispeicher und Philharmonie.

Quelle: Fotos: Afp, Dpa

Hamburg. Es ist noch nicht lange her, da lautete die Rangfolge der peinlichsten Baustellen in Deutschland: Stuttgart 21, Elbphilharmonie Hamburg, Flughafen Berlin Brandenburg. Die Nummer zwei ist inzwischen aus dieser Liste ausgeschert – und nun ist das Konzerthaus am Rande der Hamburger Hafencity auch keine Baustelle mehr. Die Elbphilharmonie wurde von Architekten und Bauunternehmen endgültig für fertig erklärt und kürzlich vor mehr als 300 Medienvertretern der Stadt übergeben.

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Architekten und Baufirma haben die Elbphilharmonie der Stadt Hamburg übergeben. Eine „Plaza“ für alle ist bereits geöffnet.

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„Wir spüren, dass die Leute das Gebäude nun lieben.“ Jacques Herzog, Architekt

Ohnehin hat der Bau eine enorme Image-Aufwertung erfahren. Hatten die Verzögerungen (ursprünglich sollte die Philharmonie 2010 fertig sein) und die enorme Kostensteigerung für den Anteil der Stadt (von ursprünglich 77 Millionen Euro auf zuletzt 789 Millionen) zunächst noch für rote Köpfe in Hamburg und Spott außerhalb der Stadt gesorgt, so ist jetzt von Freude und Befriedigung über das gelungene Werk die Rede.

Zur Übergabe des Bauwerks häuften sich die Adjektive: „atemberaubend“ (Bürgermeister Olaf Scholz), „kühn“ (Generalintendant Christoph Lieben-Seutter), „liebenswert“ (Architekt Jacques Herzog). Und Marcelino Fernández Verdes, Chef des Baukonzerns Hochtief, hielt eine kleine Rede, in der jedes zweite Wort „Herausforderung“ und jedes dritte „stolz“ war. Der ebenso naheliegende Begriff „Größenwahn“ fiel natürlich nicht. Das ist auch ein Verdienst der Propagandamaschinerie, die Lieben-Seutter seit etlichen Jahren geschickt zur Ehrenrettung des Baus bespielt. Die veröffentlichte Meinung hat sich jedenfalls ganz auf die Seite des Projektes geschlagen. Und so kann der Schweizer Architekt Herzog mit Recht sagen: „Wir spüren, dass die Leute das Gebäude nun lieben.“

Dass auch die Hamburger und ihre Gäste, die keine Konzerte von klassischem Zuschnitt besuchen, von der Elbphilharmonie profitieren, wurde gestern besonders herausgestrichen – mit der Einweihung der öffentlichen Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe. Dieses „Plaza“ genannte Stockwerk zwischen dem alten Backstein-Kaispeicher, der den Sockel des Baus darstellt, und der gläsernen Krone bietet rundum einen Blick auf Hafen, Industrieanlagen und Stadt. Man kommt auf einer 80 Meter langen, gekrümmten Rolltreppe dorthin, sie führt anscheinend zuerst ins Nichts und dann direkt auf ein Panorama mit Fluss, Schiffen, Kränen und Werften zu. St. Pauli grüßt in der Ferne. Der Eintritt zur Plaza ist kostenlos, aber reglementiert – Karten müssen in den kommenden Tagen wegen des erwartet großen Andrangs gelöst werden.

Die Plaza allein meint Bürgermeister Scholz aber nicht, wenn er von einem „Haus für alle“ spricht. Er sieht vielmehr die Chance, dass der spektakuläre Bau auch die Spektakel im großen und kleinen Konzertsaal auf Dauer für alle Menschen attraktiv macht, die mit Musik auch Kulinarik und Erlebnis verbinden. Nicht nur die Rolltreppe beschreibt eine Kurve, alles an diesem Bau ist konkav oder konvex (außer dem Sockel): die Glaswände außen, die einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Fensterputzer gleichkommen, die Decken innen, die gefalteten Foyerlandschaften, in denen man sich verirren kann, die Wandverkleidungen der Konzertsäle, die aus geschnitzter Eiche (kleiner Saal) oder einer weißen Gipshaut (großer Saal) bestehen. Der Japaner Yasuhisa Toyota, ein namhafter Akustiker, hat auf dieser Extravaganz bestanden, damit der Saal „die beste Akustik der Welt“ bekomme. Die Zuschauer sitzen um die Bühne herum, die Ränge steigen steil auf, vom 12. zum 17. Stockwerk, damit auch die Zuhörer auf den billigen Plätzen „näher am Lagerfeuer“ sitzen, wie Co-Architekt Pierre de Meuron sagte. Weinberg-Prinzip nennen die Fachleute diese Anordnung. Man sieht deutlich, wohin die Baukosten geflossen sind.

Ein besonders häufig zu hörender Begriff war bei der Erstbesichtigung „imposant“. Und darin steckt auch ein Empfinden, das sich einschleicht, wenn man vor dem Gebäude steht: Man fühlt sich klein. Und man fühlt sich unbedeutend, wenn man in der Mitte des großen Saales steht, der 2100 Zuhörer fasst. Das architektonische Ensemble, das neben den Musiksälen auch Probe- und Unterrichtsräume, Gastronomie, ein Parkhaus, ein Luxushotel und 45 ebenso luxuriöse Eigentumswohnungen umfasst, hat etwas Feudalistisches: Es wirkt nicht demokratisch, wie die Bauherrn behaupten. Es handelt sich vielmehr um ein Imponier- und Einschüchterungsbauwerk – ein Schloss. Und das in einer Stadt, die stolz ist auf ihre republikanische und hanseatische Tradition.

Noch spezieller hat der Architekturkritiker der Wochenzeitung „Die Zeit“ das Wunderwerk charakterisiert: „Die Elbphilharmonie ist ein utopischer Raum, der sich in die Wirklichkeit gemogelt hat, dank architektonischer Chuzpe und planerischem Irrsinn.“

Chronologie

Oktober 2001: Der Architekt Alexander Gérard entwickelt die Idee, eine Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu bauen.

Juni 2003: Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.

4. November 2016: Festakt zur Übergabe des Gebäudes. Die Plaza, das Hotel und die Gastronomie werden für die Besucher geöffnet.

11./12. Januar 2017: Eröffnungskonzerte mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Thomas Hengelbrock. Es spielt die Uraufführung eines Werks des Komponisten Wolfgang Rihm.

Michael Berger

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