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Kultur „Ein ganz Großer der deutschen Kunst“
Nachrichten Kultur „Ein ganz Großer der deutschen Kunst“
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00:00 08.07.2016

Woher kennen Sie Strawalde?

Gerhard Schröder: Das war 1998 in Hannover. Ich sollte als Ministerpräsident einen Kunstpreis an Strawalde verleihen. Ich erinnere mich an eine heitere Veranstaltung im Sprengel-Museum.

Was fasziniert Sie an seiner Kunst?

Schröder: Kunst muss anecken, sonst läuft sie Gefahr, langweilig zu werden. Seine Frauenbilder, die etwas Ikonisches haben, gefallen mir besonders. Diese Bilder begleiten mich, seitdem wir uns kennen. Als Bundeskanzler hatte ich mein Büro mit drei Bildern ausgestattet, jetzt hängt in meinem Büro im Bundestag ein Strawalde. Seine Malerei ist energiegeladen, sehr eigenwillig, eine Mischung aus vielen Stilen. Eine sehr eigene Farbsprache.

Sind Sie mit dem filmischen Werk Böttchers/Strawaldes vertraut?

Schröder: Ich muss gestehen, dass ich den Maler Strawalde besser kenne als den Filmemacher Böttcher. Das hängt damit zusammen, dass im Jahr 2000 ein öffentlicher Filmabend im Ex-DDR-Staatsratsgebäude nicht so gut geklappt hat. Wir beide hatten die Idee entwickelt, in der Regierungszentrale der DDR, wo seine Filme zensiert und verboten wurden, sie nun zu zeigen. Er hatte den Kurzfilm „Frau am Klavichord“ und den Dokumentarfilm „Die Mauer“ ausgewählt. Nicht bedacht hatten wir, dass die alte DDR-Technik nicht mehr mitspielte. Wegen der Überhitzung des Vorführgerätes konnte nur ein Film gezeigt werden. Trotzdem war es ein ungewöhnlicher, ein spannender Abend.

Strawalde ist mitunter ein sperriger Typ. Wie haben Sie ihn erlebt?

Schröder: Sperrigkeit würde ich es nicht nennen, sondern Haltung. Ein Freund, der Künstler A.R. Penck, hat über ihn gesagt, dass er in einer Zeit der Finsternis und der Verwirrung ein Licht gewesen sei. Das war so, weil er dem Druck standgehalten hat in einem im Kern kulturfeindlichen System, das die Freiheit einschränkte. Auf jeden Fall ist er, auch wenn die breite öffentliche Anerkennung leider fehlt, ein ganz Großer der deutschen Kunst.

Interview: Matthias Schümann

OZ

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