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Ein magischer Ort des Staunens

Hiddensee Ein magischer Ort des Staunens

Die Seebühne Hiddensee erhält am Freitag einen Preis der DEFA-Stiftung – für das Programm im neuen Haus „Homunkulus“

Hiddensee. /Berlin. Jährlich im November vergibt die DEFA-Stiftung in Berlin ihre Stiftungspreise zur Förderung der deutschen Filmkultur. Darunter Programmpreise für Filmvermittlung. Zuweilen gehen Letztere nach Mecklenburg-Vorpommern – 2006 ans Filmkunstfest Schwerin, vergangenes Jahr an die Basiskulturfabrik Neustrelitz.

Erstaunlich jedoch, dass diesen Freitag bei der 16. Preisverleihung der DEFA-Stiftung ein Gewinner auf der Insel Hiddensee geehrt wird: die in Vitte beheimatete Seebühne des Puppenspiel-Magiers Karl Huck (50) und seiner Geschäftsführerin Wiebke Volksdorf (38) mit ihrem zweiten Domizil, der „Homunkulus Figurensammlung“. Man kennt Huck als großartigen Puppenspieler, der mit seinen Figuren neben Märchen, Sagen und Abenteuern wie „Störtebeker“ oder „Die Schatzinsel“ auch großes Welttheater auf seiner kleinen Bühne zu intensiver Wirkung bringt: Shakespeares „Sturm“ etwa oder Goethes „Faust“.

Bekannt ist Huck, der auf Hiddensee die einzige feste Spielstätte für Figurentheater in Mecklenburg-Vorpommern betreibt, nicht nur im Nordosten, sondern durch Gastspiele in ganz Deutschland und international. Mit seinem nächsten Projekt, „Mobby Dick“ in der Fassung von Holger Teschke, will er 2017 in Boston gastieren, sein Spiel „Die Grille“ zeigte er im Frühjahr im Hundertwasserhaus Wien, wo die Gemälde des Malers wie große Kulissen zur kleinen Bühne gewirkt haben sollen.

Besonders bekannt machte Huck seine Kunst zuletzt in Rostock. Als Kooperationspartner des Volkstheaters der Hansestadt war er quasi dessen fünfte Sparte. 100 Vorstellungen mit 5000 Zuschauern hat er dort in den letzten zwei Jahren gespielt. Neben Märchenklassikern (nicht nur für Jüngere) führte er Erwachsenenstücke auf, entwickelte so allmählich sein Publikum, in Kleists „Zerbochnem Krug“ war er konzeptionell wichtiger Teil der Schauspielaufführung.

Dass diese Entwicklung durch die neue Volkstheaterleitung im Sommer abgebrochen wurde, „hat uns fast das Genick gebrochen“, berichtet Huck. Denn für das nach dem Leitungswechsel wieder verworfene Volkstheater-Projekt „Peer Gynt“ habe er schon geplant gehabt. Allerdings: „Unser ’Faust’ läuft anderswo so gut, dass er uns über dieses Loch gerettet hat.“

Seine „Rotkäppchen“-Produktion spielt Huck mit Puppen, die einst für einen DEFA-Film gefertigt waren. Doch der Grund für den mit 5000 Euro dotierten Programmpreis im Jubiläumsjahr 70 Jahre DEFA liegt woanders: im neuen Haus der Seebühne. In den letzten Jahren haben Wiebke Volksdorf und Karl Huck ihre „Homunkulus Figurensammlung“ ausgebaut. Neben einem Museum voller Figuren und Raritäten ist das Haus zweite Spielstätte (40 Stücke im Repertoire), zudem bietet es Kinovorführungen, Konzerte, Lesungen. Zusammen boten beide Häuser zuletzt 400 Veranstaltungen im Jahr.

„Ein Ort des Staunens“, wird zuweilen über diesen attraktiven Kulturkosmos gesagt. Um die Vielfalt auf höchstem Niveau kümmern sich sogar ein eigener „Filmdirektor“, Konrad Hirsch von der Schamoni Film & Medien GmbH, und ein „Musikdirektor“, der Akkordeonist und Komponist Tobias Morgenstern. So kam’s, dass dort viele Streifen von Peter Schamoni (1934-2011) liefen. Im Juni 2015 gab es dort eine DEFA-Woche mit Filmen des Regisseurs Hermann Zschoche (81), darunter der Verbotsfilm „Karla“, „Sieben Sommersprossen“ oder „Die Alleinseglerin“. Und als diesen Sommer, so berichtet Karl Huck, der Jazzer und Filmkomponist Günther Fischer seine Lieblinge unter den über 140 Filmen mit seiner Musik vorstellte, gab er anschließend immer noch ein kleines Solokonzert. Das alles klingt nach exklusivem Angebot – und preiswürdig.

Dietrich Pätzold

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