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Ein neuer Mordfall in Wustrow

Ein neuer Mordfall in Wustrow

Im vierten Band „Fischland-Verrat“ von Corinna Kastner wird Vorpommern erneut der Schauplatz eines Verbrechens

Wustrow Es wird wieder gemordet auf dem Fischland: Im vierten Band „Fischland-Verrat“ der Küsten-Krimi-Autorin Corinna Kastner begibt sich die Gruppe um Pensionswirtin Kassandra Voß erneut auf gefährliche Spurensuche in Vorpommern. Dieses Mal dreht sich alles um die Suche nach einem verschollenen Modellschiff.

Sie leben in Hannover, Ihre Geschichten sind jedoch auf dem Fischland zu Hause. Welche Verbindung haben Sie zu der Region?

Corinna Kastner: Als ich 2005 zum ersten Mal aufs Fischland kam, hatte ich gar keine Verbindung, das war mehr oder weniger Zufall, wenn man denn an so etwas glaubt. Ich hatte mit meinem Mann eine Urlaubsreise entlang der Ostsee gemacht, die zweite Station war Wustrow. Wir haben uns in den Ort verliebt und kommen immer wieder. Ich freue mich, dass die Verbindung immer tiefer und persönlicher geworden ist.

Warum eignet sich für Sie die Region als Schauplatz Ihrer inzwischen vier Kriminalgeschichten?

Kastner: Das Fischland ist wunderbar ruhig und idyllisch, ein kleines Paradies. Aber wie das immer so ist – im Paradies lauert die Schlange. In diesem Fall die des Verbrechens. Mich reizt der Gegensatz zwischen dieser Idylle und dem, was man findet, wenn man dahintersieht. Nicht in der Realität natürlich. Wenn es in Wustrow in den letzten Jahren wirklich so viele Verbrechen gegeben hätte, gäbe es vermutlich nicht mehr so viele Urlauber.

In Ihrem neuesten Buch ermittelt die Gruppe um Pensionswirtin Kassandra Voß erneut auf eigene Faust. Tod, Intrigen und Vergangenheit spielen tragende Rollen. Was fasziniert Sie an diesen Themen?

Kastner: Ich habe mich schon seit frühester Jugend für solche Themen interessiert – vielleicht sollte ich es besser nicht hinterfragen. Eins ist für mich aber klar: Die Vergangenheit ist sehr oft, wenn nicht immer die Erklärung für das, was in der Gegenwart geschieht. Für einen Roman kann das erfunden sein oder auch auf historischen Fakten beruhen, oder man kann beides verbinden, wie ich das im „Fischland-Verrat“ getan habe. Die russische Besatzung und das Interesse der Besatzer an den Arbeiten des Schiffsschnitzers vom Fischland, Albert Kriemann, ist historisch verbucht. Das spezielle Modellschiff „Kassiopeia“, um das es hier geht, habe ich allerdings erfunden.

Woher nehmen Sie die Inspiration und das Wissen für die verzweigte Handlung des Krimis, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht?

Kastner: Die Inspiration sind das Fischland selbst und seine Geschichte. Ich habe außerdem das große Glück, dass ich schon seit meinem ersten Fischland-Roman, „Die verborgene Kammer“, Unterstützung bekomme: Günther Weihmann ist Fischland-Experte, er gewährt mir immer wieder Einblick in sein unerschöpfliches Archiv und teilt sein Wissen mit mir. Ohne ihn wären meine Romane ganz sicher nicht das, was sie sind. Am „Fischland-Verrat“ habe ich ein Jahr gearbeitet: Neben Recherchen in der Literatur und über meine Fotos habe ich auch direkt an den Schauplätzen und in Gesprächen vor Ort einiges in Erfahrung gebracht.

Neben dem Schreiben widmen Sie sich auch der Fotografie und vereinen somit die Interessen der Hauptakteure Paul und Kassandra.

Inwiefern spiegeln sich Ihre eigenen Arbeiten und Erfahrungen in den Protagonisten wider?

Kastner: Nach vielen Jahren als Schriftstellerin und Ehefrau eines Schriftstellers weiß ich einiges über das Schreiben. Manches überschneidet sich naturgemäß mit Pauls Erfahrungen. Es macht mir Spaß, ihm bei der Arbeit sozusagen über die Schulter zu schauen und zu sehen, wie ihn seine kriminalistische Erfahrung zu neuen Themen inspiriert.

Das hat, glaube ich, uns beide überrascht. Die Fotografie betreibe ich als bloßes Hobby, da hat Kassandra mir mittlerweile einiges voraus, aber wir beide finden immer Motive auf dem Fischland.

 

Hauptberuflich arbeiten Sie am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Wie lässt sich ein Vollzeitjob und das Schreiben vereinbaren?

Kastner: Das Schreiben ist ein zweiter Beruf, der sehr viel mit Berufung zu tun hat. Mit meinen Figuren erlebe ich Abenteuer, die mir der Hochschuljob eher nicht bieten kann und die ich in der Realität vielleicht auch lieber nicht erleben möchte. Es ist ein wunderbarer kreativer Ausgleich und immer wieder ein neuer Spaziergang durch meine Fantasie, durch Geschichten und Gefühle. Sowohl beim Schreiben als auch beim Fotografieren kann ich abschalten und die Welt außerhalb vergessen.

Wird es einen weiteren Kriminalfall auf dem Fischland geben?

Kastner: Ganz sicher. Ein neuer Band ist gerade im Entstehen – wenn dieser Fall auch ein klein wenig anders sein wird als meine bisherigen vier Fischland-Krimis.

Interview von Lisa Fritsche

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