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00:00 25.09.2018
Den internationalen Durchbruch

„Lass den Regen fallen“ seufzt Prince ins Mikrofon. Liebeskrank. Eifersüchtig. 17 Tage ist sie jetzt weg, und er kann’s nicht ertragen. Und was an Worten er nicht singen kann, das erzählt eben das Klavier, das er spielt. Es jazzt seine Traurigkeit hinaus in die Welt. Mit „17 Days“, der späteren B-Seite des Hits „When Doves Cry“, dem Gospel der Einsamkeit, dem berührenden Lamento eines Verlassenen und Machtlosen, der wimmert, barmt und heult, beginnt ein besonderes Album. 35 Minuten Spieldauer. Neun Songs. Ein packender Werkstattbericht.

Prince, wie man ihn kennt: extravagant und lassiv. Auf dem Akustik-Album hört man Prince kurz vor seinem Durchbruch 1983. Quelle: Foto: Kai-Uwe Warner/dpa
Seit Freitag im Handel: „Piano & a Microphpone“. Quelle: Foto: A. Beaulieu

Prince, 1983, kurz vor dem Sprung zum Superstar, beim Erschaffen und Ausprobieren von Musik im Kiowa-Trail- Studio im Purple House, Chanhassen, Minnesota.

„Piano and a Microphone“

Aus dem Gitarristen wird der Mann am Klavier. Eine Präsentationsform, die Prince liebte. Legendär sind seine Solo-Überraschungsauftritte in kleinen Clubs nach den eigentlichen Konzerten in großen Arenen. Die letzte Tour, in deren Verlauf er 2016 an einer Fehldosis Fentanyl starb, trug den Namen „Piano and a Microphone“. So heißt nun auch dieses Album.

Entstanden ist es, nachdem Prince mit „1999“ einen Platz 9 in den Albumcharts geschafft hatte, mit der Single „Little Red Corvette“ auf Platz 6 gelandet war und mit dem Titelsong und dessen „No Nukes“-Botschaft gezeigt hatte, dass er außer Sound und Melodie auch textlich etwas mitzuteilen hatte. Er war der Mann der Zukunft.

Ein gereinigter Klang

Man hört, wie seine Hände und Füße den Beat geben, wie Prince die Band dazu denkt. Man hört Anweisungen an den Toningenieur. „Regel die Stimme ein bisschen runter“, „Dreh die Kassette um“.

Hardcore-Fans kennen diese Aufnahmen. In lausiger Tonqualität sind sie schon lange in der Raubkopiererszene unterwegs. Auch der Archivfahnder Troy Carter kannte das Bootleg und fand nach langer Suche in Prince’ Hinterlassenschaften die Kassette.

Die erzielte „gereinigte“ Klangqualität ist erstaunlich. „Piano . . .“ ist eine wohltemperierte Aufnahme, weit mehr als ein Thema für den Extremzirkel der Princemaniacs. Gewaltig ist sein Soul im uralten Gospel „Mary Don’t You Weep“. Ein inbrünstig vorgetragener Leidensweg, der derzeit auch das Ende von Spike Lees neuem Film „Blackkklansman“ schmückt.

Prince covert Joni Mitchells „A Case of You“ und liefert Skizzen von Albumsongs wie „Strange Relationship“ (von „Sign o’ the Times“) und „International Lover“ (von „1999“). Etwa 90 Sekunden nacktes „Purple Rain“ sind zu hören – ein Song, den Prince als Countryballade sah, den er laut Lisa Coleman, seiner Mitmusikerin aus Zeiten der Band The Revolution, an Dolly Parton oder Willie Nelson geben wollte.

Bis Wendy Melvoin mit einem bemerkenswerten Introvorschlag kam und aus dem Song eine Hommage an Hendrix und einer der größten Songs der Achtzigerjahre wurde. Ein Schnipsel nur. Ein Vorbote. „Never meant to cause you little sorrow . . .“, hebt Prince an, Gänsehaut zieht herauf.

Die Probe eines Meisters

Für eine Veröffentlichung war dieses 35-Minuten-Medley über die traurige Seite der Liebe nicht gedacht. Es war bloß eine Trainingsstunde unter vielen. Und doch ist Prince dabei so konzentriert und leidenschaftlich, so intensiv, als wären es die offiziellen Sessions und es gälte, alles zu geben.

Am Ende kommt „Why The Butterflies“, einer der (neben „Wednesday“ und „Cold Coffee & Cocaine“) bislang unveröffentlichten Songs. Das ist Fingerschnippen, „West Side Story“-Feeling pur. „Mama, what’s this shaking in me?“, singt Prince. Als ahnte er, was alles an großer Zukunft auf ihn zurollt. Im Jahr darauf kam „Purple Rain“ – Album und Film. Der Rest ist Geschichte.

Prince schockte mit Damenstrümpfen und Dessous

schaffte der Sänger Prince schließlich 1984 mit der Single „When Doves Cry“. Damit wurde er zum erfolgreichsten farbigen Künstler neben Michael Jackson.

1984 erschien der erste Prince-Film „Purple Rain“. Der Streifen wurde ein Welterfolg, der Soundtrack verkaufte sich in den USA 10 Millionen Mal.

Nach 39 Studio-Alben, Hits und Welttourneen starb Prince am 21. April 2016 an einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl.

Matthias Halbig

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