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Ein zweiter Baudelaire - Dichter Bonnefoy gestorben

Paris Ein zweiter Baudelaire - Dichter Bonnefoy gestorben

Yves Bonnefoy erkundete die Psyche und die Gedankenwelt von Menschen. Nun starb der französische Dichter, einer der bedeutendsten Lyriker der Nachkriegszeit. Als „Zauberer des Wortes“ würdigt ihn Frankreichs Staatschef.

Paris. Yves Bonnefoy beneidete die Maler, weil sie in seinen Augen „Augenblicke in ihrer intimsten Vollkommenheit“ festhalten können. Wie sie suchte er in seinen Gedichten und Prosatexten nach der Unmittelbarkeit und der Reinheit der Dinge. Wegen seines „Bilderkults“ verglich man ihn mit Baudelaire, Mallarmé und Proust. Mit 93 Jahren ist Bonnefoy, einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit, nun gestorben. Frankreichs Staatschef François Hollande würdigte ihn als „Zauberer des Wortes“.

Bonnefoy sei ein Dichter gewesen, der die französische Sprache auf ihr höchstes Niveau an Schönheit und Anspruch gehoben habe. Der Nachwelt hinterlässt der Dichter mehr als 100 Bücher. Sein Werk umfasst neben Lyrik vor allem Prosa voller menschlicher Erfahrungen und Emotionen. 

Er widmete sich nicht nur Gedichten und Prosatexten, sondern verfasste auch Texte über Malerei und übersetzte John Keats und Shakespeare. „Er weiß zu allem etwas zu sagen. Seine Veröffentlichungen haben den gleichen Rhythmus, mit dem die Blätter von den Bäumen fallen“, meinte der Literaturkritiker und Freund John Jackson. Zuletzt machte Bonnefoy in Deutschland mit „Die gebogenen Planken“ von sich reden.

Die Sprache Bonnefoys ist dicht und wortgewaltig und gilt als schwer zugänglich. Viele seiner Werke wurden ins Deutsche übersetzt, etwa „Die rote Wolke“, „Das Wintermärchen“ und der Essayband „Das Unwahrscheinliche oder die Kunst“. Vor allem zwei Gedichtfolgen des Franzosen mit dem Titel „Was noch im Dunkel blieb/Anfang und Ende des Schnees“ fanden ungeteiltes Lob der Fachwelt.

Bonnefoy wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Balzan-Preis oder dem tschechischen Franz-Kafka-Literaturpreis. 2007 erhielten Bonnefoy und sein deutscher Übersetzer Friedhelm Kemp den Horst-Bienek-Preis für Lyrik. Sie seien „zwei große Unzeitgemäße“, jeder sei in seiner jeweiligen Sprache ein „unverwechselbarer Poet“ und ein „Leuchtturm aus vom Verschwinden bedrohten Bildungswelten“, erklärte damals die Bayerische Akademie der Schönen Künste.

Bonnefoy wurde am 24. Juni 1923 in der westfranzösischen Stadt Tours geboren. Dort studierte der Sohn eines Arbeiters und einer Lehrerin zunächst Mathematik. Erst in Paris entdeckte er seine Leidenschaft für Literatur und Kunst. In der französischen Hauptstadt lernte er auch die Maler Victor Brauner, Raoul Ubac und Hans Bellmer kennen. 

In den 50er Jahren begann er an der Sorbonne Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren. Im Jahr 1981 übernahm er den Lehrstuhl für Poetik am Collège de France. Die angesehene Wissenschaftsinstitution bestätigte am Samstag auch den Tod des Lyrikers am Freitag in Paris. „Poesie ist die Erfahrung dessen, was die Worte überschreitet“, sagte Bonnefoy einmal.

dpa

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