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Eine Echs-plosion der Sinne: Humor mit Urknall-Effekt

Eine Echs-plosion der Sinne: Humor mit Urknall-Effekt

Puppenspieler Michael Hatzius kommt in die Greifswalder Stadthalle und nach Rostock ins Moya / „Die Echse“ hat angeblich schon die Entstehung des Universums miterlebt / OZ sprach mit dem Urzeit-Zeugen

Ihr aktuelles Programm heißt Echstasy. Wie sieht es aus, wenn ein jahrtausendealtes wechselwarmes Tier in Echstase gerät?

 

OZ-Bild

„Die Echse“ kommt mit ihrem „Halter“ Michael Hatzius inzwischen ganz gut aus.

Quelle: Nickolaus Pr

Michael Hatzius:

18. 3. Greifswald, Stadthalle,

20 Uhr, Karten ab 22 Euro, 19.3.

Rostock, Club Moya, 20 Uhr,

Karten ca. 25 Euro

Echse: Worte können den Sinnesgenuss nur unzureichend beschreiben. Fakt ist: Ich werde die Lunte legen und die Echs-plosion wird im Publikum stattfinden. Wohlige Schauer bei jedem einzelnen Zuschauer sind garantiert, aber das ist längst noch nicht alles. Wie immer können die Zuschauer von meinem enormen Erfahrungsschatz profitieren. Ich werde in Ruhe mit ihnen quatschen, zeigen, wie sich lange vor den Dinosauriern schon die Enten in die Scheiße geritten haben und erklären, was ein Entenhoroskop ist. Wenn ich Zuschauer wäre, ich würde aber eins-zwei-fix antanzen und die Chance meines Lebens nutzen.

Sie gelten als Verkörperung der Berliner Schnauze. Vor welchen Giftpfeilen muss das Publikum in Greifswald und Rostock in Deckung gehen?

Echse: Ach, alles halb so wild. Ich liebe die Greifswalder und Rostocker: ein einfaches Volk von Fischern und Strandmuschelverkäufern, eine Naivität die mich rührt — da fliegt kein Giftpfeil, höchstens ein Angelhaken.

Als Sie jung waren, lag Mecklenburg-Vorpommern noch unter einer kilometerdicken Eisschicht. Was hat sich hier seitdem Ihrer Ansicht nach verbessert?

Echse: Hat sich da was verändert? Die emotionale Grundstimmung ist nach wie vor eher kühl und auch der Handyempfang ist eigentlich wie damals. Selbst der Sanddornsaft schmeckt noch genauso wie zu dieser Zeit. Wobei: Wir gewannen ihn damals, indem wir Möwenurin und Ohrläppchen von Bibern miteinander vermischt haben. Das geronnene Substrat bewahrten wir drei Jahre und drei Nächte in praller Sonne in einem Kupferrohr auf, das senkrecht aus dem Eis lugte. Bei Vollmond füllten wir das Ganze dann in Gläser, welche vorher mit Schlacke eingefettet waren — ein sehr aufwendiges Verfahren. Heute pflanzt man einfach Beeren, schmeckt aber genau so.

Viele Ihrer Verwandten sind inzwischen zu Erdöl geworden. MV als Vorzeigeland bei der Windenergie schont die Ressourcen und damit die Überreste Ihrer Ahnen. Das müsste Ihnen doch eigentlich sympathisch sein ...

Echse: Na ja, alles hat zwei Seiten. Wissen Sie, ich hatte damals einige gute Freunde, die waren Flugsaurier. Jörg zum Beispiel oder Tina. Die waren übrigens mal kurz zusammen, was aber keiner wusste, da Tina mit Konrad verlobt war, ein Triceratops, ziemlich fetter Kerl. Jedenfalls deren Nachfolger sind Vögel und als solche nicht immer große Fans von Windrädern, da fällt gerne mal ein halber Hahn vom Himmel. Man könnte auch sagen: In Bezug auf Windkraft sind Vögel „geteilter“ Meinung.

In Ihrem Leben haben Sie ja schon einiges gesehen, zum Beispiel die Völkerwanderung. Sehen Sie da Parallelen zur heutigen Situation?

Echse: Völkerwanderungen können viele Ursachen haben: Krieg, Hunger oder ein Sonderangebot bei Aldi. Wenn ich in meiner Altersweisheit eins begriffen habe, dann dass alle Lebewesen ähnliche Bedürfnisse haben und diese Erde friedlich teilen sollten. Wo genau jeder leben möchte, kann er doch selbst entscheiden. Mir ist das egal, solange ich im Mittelpunkt stehe, können sich die Satelliten drehen in welche Richtung sie wollen.

Wie kommen Sie eigentlich mit Ihrem Echs-Freund Michael Hatzius zurecht? Was ist das für ein Typ?

Echse: Mit wem? Ach so, ich glaub ich weiß, wen Du meinst. Die ersten Jahre dachte ich immer, das ist ein Stalker, weil der so dicht hinter mir läuft und mich ständig anstarrt. Ich habe gelernt mit ihm zu leben. Er gehört irgendwie dazu. Andere haben Warzen und das muss auch gehen. In letzter Zeit ist es mir gelungen, ihm das Autofahren beizubringen und er erledigt einigermaßen zuverlässig Bürotätigkeiten. Nach der Show gehen wir getrennter Wege. In meiner Show ist er ja nicht der Einzige, der sich einen Platz auf der Bühne erschleicht. Da gibt‘s zum Beispiel noch diese bescheuerte Zecke und das jämmerliche Huhn. Angeblich wegen der Vielfalt oder so, mir ist das egal. Solln se machen. Die Leute werden sehen, was sie davon haben — aber nur wenn sie vorbeikommen. Und das sollte jeder in Greifswald und Rostock unbedingt tun!

Puppenspieler mit Diplom

Michael Hatzius studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, an der er 2006 mit dem Diplom als Puppenspieler und Darstellender Künstler abschloss. Danach spielte der heute 33-Jährige vorwiegend als Gast an verschiedenen deutschen Theaterhäusern. Hatzius arbeitete auch als Puppenspieler für diverse Fernseh- und Werbeproduktionen.

Mit seiner überlebensgroßen Puppe „Die Echse“ und anderen Figuren tritt er seit einigen Jahren im Comedy-Bereich auf und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Im Mai 2011 feierte seine erste Soloshow „Die Echse und Freunde — das volle Programm“ Premiere, es folgte eine vierjährige Tournee. Seit September 2015 ist er mit seiner zweiten Soloshow auf Tour.

Von Interview von Axel Büssem

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