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Kultur Eine Oper als Bildungsroman
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18:56 15.05.2018
Katja Böhme (Zweite Dame), Gunta Cese (Erste Dame) und Doris Hädrich-Eichhorn (Dritte Dame) in „Die Zauberflöte“ in Stralsund. Quelle: Fotos: Jens Köhler/theater Vorpommern

Schopenhauer nannte die Idee der Mozartschen „Zauberflöte“ „grotesk, aber bedeutsam“, für Goethe konnte nur der Ungebildete die Werte des Werkes übersehen und Wagner sah in ihm „die Quintessenz aller edelsten Blüten der Kunst“. Die Liste von Lob und Kritik, Skepsis und Begeisterung ist lang. Sie verweist auf eine dramaturgisch wie musikalisch-spannungsreich ambivalente Komplexität, die das Werk und seine Deutung seit der Uraufführung begleiten.

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Das Theater Vorpommern setzt bei der Premiere von Mozarts „Zauberflöte“ in Stralsund auf die Faszination des fortgesetzten Stilbruchs

1791 uraufgeführt

Die „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart wurde im Jahr 1791 im Freihaustheater in Wien uraufgeführt. Das Libretto stammt von Emanuel Schikaneder. Zu den Legenden rund um die weltweit bekannteste und am häufigsten inszenierte Oper zählt, dass Mozart sie schrieb, um dem in Geldnöten befindlichen Theaterintendanten Schikaneder zu helfen.

Deutlich machte das auch die vorgestrige Premiere in Stralsund, in der Operndirektor Horst Kupich seine Sicht präsentierte. Ihm ist das Werk eine Art „Bildungsroman“ (W. Konold) und der Weg Taminos zu höherer Erkenntnis vor allem der Weg zu sich selbst. Erfahrbar wird das als „Initiationsdrama“, in dem der gänzlich Unerfahrene Einsichten und Erkenntnisse sammelt, geradezu obsessiv ungewöhnliche Aufgaben erfüllt und damit Weisheit und Menschlichkeit erlangt.

Mit offenem Finale, denn das Traumpaar verlässt die erlauchte Versammlung, Ziel unbekannt! Das alles geht nicht ohne die Liebe Taminas und den alternativen Papageno als „alter ego“. So weit so (fast) normal! Weiteres wichtige, nicht selten verwirrendes, Drumherum des Werkes bleibt Spielwiese für fantasievolle Einfälle und die erklärte Absicht, auch damit Türen fürs Werkverständnis zu öffnen, Fragen zu provozieren, ohne gleich Antworten mitzuliefern – und Spaß zu haben!

Ein bisschen gemutmaßt werden darf aber schon: über drei putzige alte Damen (Mozarts Knaben!), den Vogel Phönix (!), einen Ariadne-Faden, die Funktion von Brillen und Kostümen, Wände malernde Geharnischte und einiges mehr. Konzeptionell gedacht wurde viel; wurde es erkannt? Zumindest provozierte es Aufmerksamkeit und Nachdenken über ein Geschehen, das in eher nüchternem und wenig märchenhaftem Ambiente (Bühne und Kostüm Jacob Knapp) die gar nicht so eindeutigen Welten von Gut (Sarastro) und Böse (Königin der Nacht) zu charakterisieren sucht. Die Hauptstränge einer insgesamt so vielschichtigen wie uneinheitlichen Handlung aber sind klar, die Personen identifizierbar charakterisiert. Und die Musik dieses „fortgesetzten Stilbruchs“ (S. Kunze) schweißt ohnehin alles zusammen; und dies nahtlos, weil Dirigent Harish Shankar Solisten, Opern- und Extrachor sowie Philharmoniker vielfach zu einem Musizieren in echt Mozartschem Geist zu beflügeln vermag: klangsensibel, stringent, elastisch federnd und inspiriert!

Beginnend mit der Ouvertüre, dann in den Ensembles, im Chorischen (Julija Domaeva) und bei den vielen Solisten, von denen Karo Khachatryan als tenoral strahlender Tamino und der herrlich buffoneske Alexandru Constantinescu (Papageno), Franziska Ringe als nicht nur stimmlich berührende Pamina, die Königin der Nacht Katarzyna Rabczuks und der Sarastro Andrey Valiguras’ genannt seien. Der heftige Premierenbeifall galt aber der Gesamtheit einer schönen Ensembleleistung!

 Ekkehard Ochs

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