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Eine literarische Wiederentdeckung

Rostock Eine literarische Wiederentdeckung

Der Hinstorff Verlag veröffentlicht Alfred Wellms Roman „Morisco“ neu. Der Stoff ist heute noch aktuell.

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Das Güstrower Renaissance- Schloss ist einer der Schauplätze in der „Morisco“- Handlung.

Quelle: Foto: Michaela Krohn

Rostock. „Das ist ein Buch, das heute noch seine Gültigkeit hat“, sagt Thomas Gallien über Alfred Wellms „Morisco“. Gallien ist Lektor beim Rostocker Hinstorff Verlag und hat sich dafür eingesetzt, dass dieses Buch in einer neuen Ausgabe erscheint.

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Der Hinstorff Verlag veröffentlicht Alfred Wellms Roman „Morisco“ neu. Der Stoff ist heute noch aktuell.

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Das Buch

hat heute

noch seine

Gültigkeit.„ Thomas Gallien,

Lektor im

Rostocker

Hinstorff Verlag

Bislang war „Morisco“ nur noch antiquarisch zu haben. Bei seinem Erscheinen im Jahr 1987 hatte dieses Buch in der DDR für Gesprächsstoff gesorgt, schließlich war es in seiner Anlage auch subversiv.

Denn Andreas Lenk, Hauptheld und Ich-Erzähler des Buches, gerät in eine Lebenskrise. Der erfolgreiche und privilegierte Architekt erkennt allmählich, dass sein Leben voller fauler Kompromisse ist, beruflich und privat. Nach dem Erkenntnisprozess beginnt Andreas Lenk aus der Gesellschaft auszusteigen, er entzieht sich langsam den beruflichen und gesellschaftlichen Zwängen.

„Wohl jeder kennt solche Konflikte aus seinem Leben“, sagt Thomas Gallien über die Allgemeingültigkeit des literarisch anspruchsvollen Stoffes, der auf eine Wiederentdeckung wartete. Vor zwei Jahren wurde der Hinstorff-Lektor von einer Redakteurin des Deutschlandfunks auf den „Morisco“-Stoff aufmerksam gemacht, seitdem hatte ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Mit Witwe Gudrun Wellm wurden schließlich die Buchrechte geklärt – nun ist „Morisco“ wieder da.

Damit wird der Autor wieder aus der Vergessenheit geholt: Alfred Wellm, Jahrgang 1927, war in der DDR insbesondere als Kinderbuchautor bekannt, zum Beispiel stammen „Kaule“ (1962), „Das Pferdemädchen“ (1974) oder „Karlchen Duckdich“ aus seiner Feder. Die Kinderbücher sind eng mit der Lebensgeschichte von Alfred Wellm verwoben. Denn nach dem Krieg wurde er in der DDR Neulehrer. Wellm war schon als Pädagoge ein Philanthrop. „Wir legten viel Wert auf das Gespräch während des Unterrichts, auf Wahrheit, Vertrauen, Offenheit, auf die ganze Atmosphäre in der Klasse“, sagte Alfred Wellm in einem Interview Mitte der Achtziger über seine Abeit mit Kindern. 1963 wurde Wellm freier Schriftsteller. „Ich tat dies mit der Absicht, über meine Möglichkeit als Lehrer hinaus zu wirken“, erklärte Alfred Wellm später. Eine enge Freundschaft verband ihn damals mit Erwin Strittmatter, der auch sein literarischer Mentor wurde.

Wellm schilderte schon während der Arbeit, was ihn bei „Morisco“ antrieb: „Ein Roman, in dem erzählt wird, wie ein Mensch sein Leben mit großen Ansprüchen beginnt, sie doch nach und nach verliert und wie ihn die Zufriedenheiten in seiner Ehe und in der Gesellschaft nach und nach zu ersticken drohen.“ Der Konflikt führt den Haupthelden auch in eine Verzweiflung, darin sah Alfred Wellm durchaus eine Energiequelle, denn: „Lieber verzweifelt als gleichgültig!“ All das spielt zwar in DDR-Verhältnissen, doch das Universelle am „Morisco“-Stoff hatte Alfred Wellm bereits formuliert, als er noch mitten in der Arbeit steckte: „Das Schicksal dieses Helden berührt die Regelungen, mit denen die Menschen seit je leben, und ihre ruhelosen Wünsche.“

Von 1976 bis zu seinem Tod 2001 lebte Alfred Wellm in Dorf Lohmen bei Güstrow. Die Wiederveröffentlichung von „Morisco“ wird an einem seiner Schauplätze stattfinden, im Güstrower Schloss. Dort sprechen am 29. April um 14 Uhr Gudrun Wellm und Hinstorff-Lektor Thomas Gallien über das Buch, Adelheid Wedel und Barbara Schubert-Felmy lesen daraus.

Thorsten Czarkowski

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