Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Eintauchen in virtuelle Welten
Nachrichten Kultur Eintauchen in virtuelle Welten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:27 14.07.2018
„Dancing House“: Entwurf der interaktiven Projektion von Klaus Obermaier, die er heute erstmals an der Fassade von Schloss Plüschow realisieren wird.
Plüschow

Wer im abgedunkelten Schloss Plüschow den Kunstraum von Teresa Diehl betritt, hat unweigerlich das Gefühl, eine verbotene Tür zu öffnen, hinter der sich ein Geheimnis verbirgt. Sanfte Klänge wie aus einer alten Spieluhr legen sich um den Besucher. Der Singsang dazu mutet an, wie das Wiegenlied einer Mutter. Es lullt ein und löst zugleich ein diffuses Unbehagen aus.

Mit „Polylux“ zeigt Schloss Plüschow erstmals in MV ausschließlich Positionen zur Medienkunst. Die Schau mit sechs internationalen Künstlern startet heute.

An durchsichtigen Fäden, die wie Mobiles von der Decke hängen, schweben im Lichtkegel diverser Beamer menschliche, scherenschnittartig gearbeitete Figuren vorbei, die ihre Konturen als rotierende Schatten an die Wände werfen: Soldaten mit Gewehren, Vermummte, Eltern, die ihre toten Kinder im Arm halten. „Jeder der Charaktere beruht auf einer wahren Person“, sagt Teresa Diehl.

Die Künstlerin, die 1961 im Libanon geboren wurde, früh mit der Familie nach Venezuela zog und später in den USA Bildende Kunst studierte, verarbeitet in ihrer Multi-Media-Installation „Post Revolution“ den Arabischen Frühling. Die Arbeit ist Teil der Ausstellung „Polylux“, die ab heute auf Schloss Plüschow gezeigt wird. Zu sehen sind insgesamt sechs Positionen zur Medienkunst von sechs internationalen Künstlern.

„Meine Figuren stammen aus Ägypten, dem Irak oder Syrien“, sagt Diehl. Im Internet fand sie die Geschichten der Menschen, die die Künstlerin liebevoll per Hand gezeichnet und ausgeschnitten hat. Für Diehl ein künstlerischer und zugleich emotionaler Prozess. „Das Herausschneiden steht auch für die Verletzungen, die die Menschen erlitten haben“, so Diehl. Sie selbst sei durch den Krieg im Libanon 1982 für das Thema sensibilisiert worden. „Das Gefühl in ständiger Angst zu leben, vergisst man nie“, sagt sie.

Mit der Kunst will sie denen eine Stimme geben, die keine haben. „Die Schatten sprechen zu uns und erzählen die Geschichte der Menschen, für die sie stehen.“ Und das in Rotation: „Meine Arbeit ist nicht statisch sondern ständig in Bewegung, wie das Leben selbst“, so Diehl. Mit ihrer Rauminstallation hat sie einen atmosphärisch dichten Mikrokosmos geschaffen, der den Besucher zum Teil des Werkes macht. Mithilfe von Bewegungssensoren kann er den Raum individuell verändern. „Der Besucher ist automatisch Teil des Ganzen und kann sich seiner Verantwortung nicht entziehen“, sagt Diehl.

Interaktiv ist auch die Arbeit der brasilianischen Künstlerin Tania Gonzaga: Mit einer 3D-Brille erhält der Besucher Zutritt zu einer computergenerierten Bildwelt, die er mit den Händen verändern kann, so dass die Grenze zwischen realer und virtueller Welt verschwimmt. „Die Hand arbeitet, wie das Auge“, erklärt die Künstlerin. Ventilatoren simulieren den Wind.

Dass in einer Schau ausschließlich Positionen zur Medienkunst vorgestellt werden, sei in MV bisher einzigartig, sagt Udo Rathke, Leiter des Künstlerhauses Schloss Plüschow. Die Schau trage nicht nur dem rasanten Wandel der Medienkunst Rechnung sondern wolle zugleich einen Diskurs über die Bildgenerierung der Gegenwart anstoßen. Sie sei aufgrund der technischen Ausrüstung eine der aufwändigsten, verrät Rathke. Zahlen will er nicht nennen. „Aber ohne Sponsoren wäre das nicht möglich“, sagt er.

Dafür haben Rathke und die Kuratorinnen Antonia Napp und Kornelia Röder, die mit der Schau einen Bogen von Projektion über Interaktion bis zur Animation und Virtual Reality schlagen, auch große Namen ins Boot geholt, wie den Chinesen Miao Xiaochun, der den Betrachter mit seiner computergenerierten 3D-Animation „Restart“ in eine von der europäischen Kunstgeschichte geprägte Bildwelt entführt, die der Chinese ins 21. Jahrhundert übertragen hat.

Zu sehen sind zudem Arbeiten von Kim Asendorf und Ole Fach, die die Miss Universe-Wahl digital verarbeitet haben sowie das Video „Stainless“ des Ungarn Adam Magyar, der mit seiner High-Speed-Kamera die Grenzen zwischen Statik und Bewegung auflöst. Spektakulär wird es zur Eröffnung: Dann wird der Österreicher Klaus Obermaier die interaktive Projektion „Dancing House“ an der Schloss-Fassade realisieren. Mit ihren Bewegungen können Besucher das Gebäude tanzen lassen.

Fassaden-Projektion

Die Ausstellung „Polylux“ ist bis zum 19. August zu sehen und wird heute um 20 Uhr im Schloss Plüschow eröffnet. Um 21 Uhr gibt es ein Konzert des Rostockers Stefan Streck alias „The Micronaut“, bevor um 22 Uhr die Projektion „Dancing House“ des österreichischen Künstlers Klaus Obermaier an der Fassade zu sehen ist.

Stefanie Büssing

Margarethe von Trotta hat einen Film über Ingmar Bergman gedreht, der am 14. Juli 100 geworden wäre. Und seine Tochter Linn Ullmann hat ein Buch über den Vater geschrieben.

14.07.2018

Das größte Volksfest Vorpommerns hat seine Türen geöffnet und bereits am ersten Tag der Veranstaltung gab es regen Zulauf.

14.07.2018

Transitzentren, Ankerzentren, Asyltourismus: Solche Begriffe verändern unsere Wirklichkeit, sagt die Berliner Sprachwissenschaftlerin Britta Schneider

14.07.2018
Anzeige