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Eintauchen und einfach treiben lassen

München/Berlin Eintauchen und einfach treiben lassen

Autor John von Düffel hat eine „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“ herausgebracht / Abenteurer Roger Deakin kämpft in „Logbuch eines Schwimmers“ für Zugang zum Wasser

München/Berlin. John von Düffel kommt nicht aus dem Wasser heraus. „Vom Wasser“, „Schwimmen“, „Wasser und andere Welten“, „Wassererzählungen“ lauten die Titel seiner einschlägigen Romane, Erzählungen und Essays zum Thema. Jetzt hat der in Potsdam lebende Autor und Dramaturg eine „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“ herausgebracht. Der britische Abenteurer Roger Deakin, der 2006 starb, kämpfte mit seinem „Logbuch eines Schwimmers“ für freien Zugang zum Wasser. Jetzt ist die deutsche Übersetzung (von Andreas Jandl und Frank Sievers) erschienen.

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Autor John von Düffel hat eine „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“ herausgebracht / Abenteurer Roger Deakin kämpft in „Logbuch eines Schwimmers“ für Zugang zum Wasser

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John von Düffel: „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“, Piper (2016), 208 Seiten, 15 Euro Roger Deakin: „Logbuch eines Schwimmers“, Übersetzung Frank Sievers, Andreas Jandl, Matthes & Seitz (2015), 387 Seiten, 38 Euro

In seinem neuen Werk schreibt John von Düffel über Seen, in denen es sich viel besser schwimmen lässt als in Schwimmbädern, über die Überwindung, die es kostet, ins Kalte einzutauchen, über das Vergnügen, sich im anderen Medium lange und frei zu bewegen. Nachdrücklich mahnt er Respekt für das Wasser an: „Man braucht nur einmal am Morgen nach einer lauen Sommernacht an den örtlichen Baggersee zu gehen. Wer über weggeworfene Einweggrills steigt, die im Uferwasser treiben, die Chipstüten, Tetrapacks, Bierflaschen und Zigarettenkippen, der bekommt einen deutlichen Eindruck von unserem Umgang mit dem Element des Lebens. In ein paar Abendstunden wird dem Wasser zugemutet, was es in hundert Jahren nicht wieder abbauen kann, und das ohne jede Not und Notwendigkeit, einfach aus Mangel an Bewusstsein, weil wir das Kostbarste für selbstverständlich halten.“

Er schreibt über den richtigen Sitz der Schwimmbrille (rote Ringe um die Augen gibt es immer), übers Nacktbaden (na ja) über Badehosen (nicht so wichtig), über die verschiedenen Schwimmstile (Rücken hilft dem Rücken, Brust schadet ihm) und über die „Domestizierung des Wassers“ im Pool. Alles sehr elegant und unterhaltsam. Passenderweise hat das Buch einen wasserabweisenden Einband.

Das Schwimmen muss zwar nicht verteidigt werden – jeder kann es für sich entdecken. Verteidigt werden müssen allerdings Flüsse und ihre Ufer sowie der freie Zugang zu ihnen. Das hat der 2006 gestorbene Abenteurer, Dokumentarfilmer und Autor Roger Deakin mit seinem 1999 erschienenen „Logbuch eines Schwimmers“ unternommen, das nun übersetzt wurde.

Deakin hatte einen irrwitzigen Plan gefasst: Er wollte innerhalb eines Jahres so viele Gewässer Großbritanniens durchschwimmen wie möglich. Von der Verwirklichung dieser Idee berichtet er in seinem Logbuch. Deakins wunderbares Buch ist zugleich eine Streitschrift gegen die Verschmutzung und die Privatisierung der Gewässer.

Und es ist eine Anleitung zur Überwindung. Oft steigt der Autor in eiskaltes Wasser (wobei ihm ein Neoprenanzug einen gewissen Schutz bietet), manchmal müht er sich durch Algen und Schlamm. Einmal stürzt er fast einen Wasserfall hinab. Das möchte man ihm vielleicht nicht gleichtun, aber der Reiz, ins Kalte zu springen, streift einen immer wieder bei der Lektüre dieses Erfahrungsberichts von einem, der etwas Unmögliches gewagt hat.

Roger Deakin gehört zu den liebenswert spleenigen britischen Autoren, die einer besonderen Leidenschaft frönen und darüber kenntnisreich, unterhaltsam und hochgebildet zu schreiben vermögen. Wie Helen Macdonald in „H wie Habicht“ oder Martin Windrow in „Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank“ beschreibt er das, was er tut, mit vielen Seiten-, Quer- und Rückblicken. Medizin, Philosophie, Geschichte, Sport, Biologie – bei dieser Landerkundung aus Froschperspektive lernt der Leser viel. Und alles ganz leicht.

Deakin hat ein höchst erfrischendes Buch geschrieben. Man kann hervorragend darin eintauchen. Und sich treiben lassen. Als Strandlektüre jedoch taugt es nur wenig, weil es den Leser auf jeder Seite auffordert, sich ins Wasser zu stürzen. Egal wie kalt es ist.

Ronald Meyer-Arlt

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