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Eitel, eloquent, energisch: Gregor Gysi wird 70

Berlin Eitel, eloquent, energisch: Gregor Gysi wird 70

Der Mann, der aus dem Osten kam und im Politik-Zirkus glänzt: Zu seinem runden Geburtstag richten sich viele Augen auf Gysi. Weggefährten kommen in einem Film zu Wort.

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Berlin. . Er war Mitbegründer der gesamtdeutschen Linken, prominentester Sympathieträger seiner Partei, ist ein pointensicherer Redner und streitbarer Talkshowgast. Seit Jahrzehnten prägt Gregor Gysi die politische Debatte in Deutschland mit. Zu seinem 70. Geburtstag am Dienstag zeigt das MDR-Fernsehen am Sonntag um 20.15 Uhr ein 90-minütiges Porträt des Politikers.

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Der Mann, der aus dem Osten kam und im Politik-Zirkus glänzt: Zu seinem runden Geburtstag richten sich viele Augen auf Gysi. Weggefährten kommen in einem Film zu Wort.

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Zum Geburtstag gibt es viel Lob – auch aus anderen Parteien. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) lobt, Gysi habe immer draufhauen können, „aber nie mit dem Säbel, sondern immer mit dem Florett“. Der Linke sei nur in der falschen Partei. Für die Grünen-Politikerin und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth ist Gysi ein „Popstar in der Politik“. Beide äußern sich in dem Dokumentarfilm, in dem der MDR Stationen des Rinderzüchters, Juristen und Ex-Chefs der Linksfraktion im Bundestag nachzeichnet.

Heute ist Gysi Chef der Europäischen Linken, als einfacher Abgeordneter sitzt er zudem weiter im Bundestag – oben links, selbstgewählter Platz. Von da habe er den besten Überblick, sagt er im Film grinsend. Auch nach zwei Herzinfarkten kann Gysi nicht von der Politik lassen. Doch bei den Linken im Bund fanden seine Plädoyers für Kompromisse zugunsten einer rot-rot-grünen Koalition zuletzt im Bundestagswahlkampf immer weniger Gehör. Als ostdeutscher Anwalt verteidigte Gysi DDR-Dissidenten, nach dem Mauerfall war er Vorsitzender der aus der Staatspartei hervorgegangenen SED-PDS, gemeinsam mit Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine bahnte er den Weg zur Linken, die 2007 aus der ostdeutschen Linkspartei und der westdeutschen WASG entstand.

Gysi wuchs in einem für DDR-Verhältnisse ungewöhnlichen Elternhaus auf, Künstler und Schriftsteller gingen ein und aus. Vater Klaus Gysi war unter Walter Ulbricht Kulturminister, später Botschafter in Rom und dann Staatssekretär für Kirchenfragen. Über seine Mutter sagt Gysi in dem MDR-Film: Ihr Stil sei immer adelig gewesen. Sie hätten zu Hause Bridge und Monopoly gespielt – „da habe ich den Kapitalismus kennengelernt“.

Lothar de Maizière, Anwaltskollege aus Ostzeiten, erster frei gewählter DDR-Ministerpräsident und CDU-Mitglied, sagt mit sanfter Ironie über Gysi: „Was seine Eitelkeit befriedigt, lässt er raus.“ Das könne einem schon mal mächtig auf den Keks gehen. Und der aktuelle Linksfraktionschef Dietmar Bartsch gibt zu Protokoll, Gysi schaffe keine 20 Meter, ohne angesprochen zu werden. In seiner Abschiedsrede als Fraktionsvorsitzender sagte Gysi 2015 mit erstickter Stimme, es sei eine große Gefahr, sich selbst zu wichtig zu nehmen.

Lange schwelte der Vorwurf, Gysi könnte Mandanten an die Stasi verraten haben. In etlichen Prozessen wehrte er sich dagegen. Er habe nie wissentlich oder willentlich für die Staatssicherheit gearbeitet, betonte der promovierte Jurist immer wieder. „Ich nehme die Schweigepflicht ernst – das war mir auch in der DDR wichtig, eine bestimmt Grenze hätte ich nie überschritten“, sagt Gysi in der Dokumentation der Filmemacher Nicola Graef und Florian Huber.

Als junger Anwalt mit SED-Mitgliedschaft hatte Gysi auch Robert Havemann verteidigt, der wegen seiner DDR-Kritik mit Berufsverbot und Hausarrest belegt war. Es sei ihm zwar kein Freispruch gelungen, aber der Arrest sei aufgehoben worden. Vor dem scharfzüngigen Juristen sollen auch Staatsanwälte Respekt gehabt haben. In den politischen Prozessen gegen DDR-Kritiker war die Staatssicherheit offiziell beteiligt.

Der Historiker Christian Booß von der Stasi-Unterlagen-Behörde meint in dem Streifen, Gysi sei deutlicher in das DDR-System verstrickt gewesen, als er „das damals hat gucken lassen“. Er wollte der Neue sein, als er die SED nach dem Mauerfall umwandelte und so vor dem Untergang rettete. Eine „unbefleckte Empfängnis“ habe es aber nicht gegeben, ist Booß überzeugt.

Grünen-Politikerin Roth bedauert, Gysi habe es nie geschafft, das DDR-Unrecht anzuerkennen. „Ich habe mich als einziger beim Volk der DDR zutiefst entschuldigt für alle Fehlleistungen, die die SED vollbracht hat“, hält Gregor Gysi dem entgegen.

Jutta Schütz und Basil Wegener

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