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Kultur Eklat um rechtsradikale Verlage auf der Buchmesse
Nachrichten Kultur Eklat um rechtsradikale Verlage auf der Buchmesse
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00:01 16.10.2017
Rangelei bei einer Lesung mit Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke. Quelle: Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Frankfurt/Main

Das Mädchen mit den blonden Haaren macht sich gut auf dem Foto mit Björn Höcke. Väterlich lächelt der umstrittene Rechtsaußen der AFD aus Thüringen in die Kamera. Noch schnell ein hübsches Bild, bevor es hässlich wird. Wenige Minuten später steht Höcke auf der Bühne, umringt von Sympathisanten aus der rechten Szene. Identitäre, Anhänger des Antaios-Verlages und interessierte Bürger haben sich zur Präsentation eines Buches des neurechten Verlages aus Sachsen-Anhalt versammelt. Rund 200 sind es.

Um sie herum 50 eher dem linken Spektrum zuzuordnende Demonstranten mit Protestschildern. Ihre „Nazis-raus“-Rufe werden niedergeschrien. „Jeder hasst die Antifa“ hallt es durch die Messehalle 4.2 der Buchmesse. Es ist ein Novum. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat dem rechten Antaios-Verlag ein Forum geboten. Meinungsfreiheit müsse für alle gelten. Gleichzeitig hat er zur Auseinandersetzung mit menschenfeindlichem Gedankengut aufgerufen. Doch die Rechten nutzen das Forum gnadenlos aus und stilisieren sich als Opfer des „linksliberalen Establishments“. Linke Zaungäste werden niedergebrüllt.

Es kommt zu Rempeleien und Gewaltandrohungen. Als sie bei der kurz darauf folgenden Präsentation eines Buches der Identitären mit Autor Mario Müller kurz in der Mehrheit sind, brüllen sie lauter und werden wegen Störung von der Polizei von den Plätzen verwiesen. Das rechte Auditorium brüllt, viele mit erhobener rechter Faust, „Jeder hasst die Antifa“. Die Messeleitung dringt selbst mit Megafon nicht durch. „Wir haben heute gewonnen“, triumphiert Antaios-Verlagsgründer Götz Kubitschek. „Wir kommen wieder", kündigt er an. Der Verlagsstand ist bis in den Abend von einer Polizeikette umringt.

Bernd Höcke ist da schon längst nicht mehr auf der Buchmesse. Die Stände rechtsgerichteter Verlage waren schon vor der Eskalation Ziel von Attacken politischer Gegner. In der Nacht zum Freitag war ein Stand der Zeitschrift „Tumult“ und des Verlags Manuscriptum von Unbekannten leergeräumt worden. Die andere Seite reagierte mit Gewalt: Am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ging der Zuhörer einer Lesung auf den Verleger des linken Trikont-Musikverlags zu und verletzte ihn mit der Faust an der Lippe.

Buchmessenchef Juergen Boos hatte die Präsenz der rechten Verlage mit Meinungsfreiheit verteidigt. Die linke Publizistin Jutta Ditfurth erwiderte auf Twitter: „Meinungsfreiheit'? Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Viele schlossen sich ihrem Protest an. Die Messe gibt „Sieg heil“-Plärrern eine Bühne. Es ist so beschämend und zum Kotzen“, schreibt ein Nutzer.

Mathias Richter

OZ

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