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Eleganz, Größe und Noblesse

Rostock Eleganz, Größe und Noblesse

Die Norddeutsche Philharmonie begeisterte mit Schostakowitsch und Ravel.

Rostock. Diejenigen, die meinen, dass Rostock keine eigene (teure) Philharmonie braucht, hätten im 8. Philharmonischen Konzert ahnen können, wie sehr sie sich irren. Die Norddeutsche Philharmonie fungierte hier als Medium einer unerlässlichen kollektiven kulturellen Selbstreflexion, wie sie in solcher Komplexität, in solcher Verschmelzung von emotionaler Kraft und geistiger Durchdringung nur die Musik zu leisten vermag.

Jedenfalls dann, wenn es sich um die Sinfonie Nr. 5 op. 47 (1937) von Dmitri Schostakowitsch handelt, die hier unter der Leitung von GMD Florian Krumpöck in einer künstlerisch schlechthin großartigen Gestaltung mit geradezu aufreißender Wirkung erklang.

Krumpöck verzichtete auf die heute bevorzugte politische Engführung, die in dieser Sinfonie nur den persönlichen Ausdruck eines versteckten antistalinistischen Protestes sieht — und sie damit kleiner macht als sie ist. Er stellte sich ihrer tragischen Größe, in der die Sinfonie ein musikalisches Bild der prekären Lage des Menschen im 20. (und 21.) Jahrhundert ist: die vergeblichen Hoffnungen, die Wogen der Gewalt, die Hekatomben von Leid, die Grotesken des Trivialen, die verstiegensten Einsamkeiten des Individuums. Mit seiner analytischen Durchsicht auf den Riesenbau der Sinfonie, mit einer bannenden Gestaltungskraft inspirierte Krumpöck das Orchester zu einer seiner besten Leistungen, bewegend, erschütternd, verstörend — bis hinein in den Schlusssatz, den Krumpöck ohne „prügelnde Brutalität“ als einen beinah ungebrochenen Triumph gestaltete, der sich dann so gewaltig aufgipfelte, dass er wieder fraglich wurde.

Vorangestellt hatte Krumpöck einen weiten Gegensatz: die französische Klarsicht, den eleganten Esprit, die zarte Wehmut von Ravels kecker Orchestersuite „Le tombeau des Couperin“ (1919) und seines Klavierkonzertes G-Dur (1932). Dieses interpretierte die Kroatin Martina Filjak (35), eine delikate Pianistin, bis hinein in die virtuose Brillanz, mit feinsinniger transparenter Gestaltung, zauberhaften südlichen Farben, rhythmischer Eleganz und lang atmenden durchgespannten Gesangslinien — manchmal schon dicht an der Grenze zur damenhaften Noblesse.

OZ

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