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00:00 07.05.2016

Die Zeiten, in denen nackte Frauen in Zeitschriften oder Magazinen einen Sturm der Entrüstung auslösten, sind längst vorbei — doch Klaus Ender erinnert sich noch gut daran.

Rosi hieß das hübsche Mädel, das sein erstveröffentlichtes Aktfoto zierte, dabei fast schüchtern zu Boden blickte. 1965 erschien es in der Kulturzeitschrift „Das Magazin“, im gleichen Jahr auch in der OSTSEE-ZEITUNG.

„Das war damals die Sensation“, erinnert sich Ender. Doch das Bild sorgte bereits nach Erscheinen im Magazin für Wirbel. „Der Vater des Mädchens hatte ein Textilgeschäft. Die Leute kamen mit der Zeitschrift in seinen Laden und fragten, ob das seine Tochter sei. Er kam damals zu mir, hat geweint und hätte am liebsten die ganze Auflage aufgekauft“, erinnert sich Ender.

Dabei hatte der gebürtige Berliner zuerst ein völlig anderes Berufsziel im Auge. 1957 hatte der damals 18-Jährige die DDR aus politischen Gründen verlassen und nach mehreren Stationen in Friedrichshafen am Bodensee seine Bäckerlehre abgeschlossen. Von seinem ersten Gesellenlohn kaufte er sich seinen ersten Fotoapparat. „Damals habe ich nicht gewusst, dass das mein Leben verändern würde“, sagt der 77-Jährige heute.

Weil ihn das Heimweh nicht losließ, kehrte er in den Osten zurück, und arbeitete ab 1962 als Bäckergeselle in Thiessow, Göhren, Dranske und Sassnitz auf der Insel Rügen. „Ich hatte 1,80 Mark Stundenlohn und habe in einer verwahrlosten Hütte gewohnt, dabei wollte ich eigentlich nur frei sein“, sagt er. Dabei kam ihm die Fotografie zu Hilfe.

„Zuerst habe ich Bikini-Mädchen fotografiert“, erinnert er sich. Dabei haben mich einige Touristen beobachtet und mir gesagt, ich sei talentiert und solle es mit nackten Mädchen versuchen.“ So fand er am Strand von Göhren 1963 schließlich sein erstes Aktmodell, zu dem sich rasch viele weitere gesellten. „Ich hatte relativ schnell Erfolg mit den Bildern und habe sie an verschiedene Verlage verkauft“, sagt er nicht ohne Stolz. Dazu gehören „Das Magazin“, die OSTSEE-ZEITUNG, das Satiremagazin „Eulenspiegel“ und später auch der „Playboy“. Ender gründet 1965 den Fotoclub Sassnitz, wird Volkskorrespondent der OSTSEE-ZEITUNG in Bergen. Bis 1966 arbeitet er noch als Bäcker, fotografiert nach seiner Schicht und entwickelt tagsüber seine Filme. „Am 10. Mai 1966 bin ich nach Binz gezogen, habe meine Zulassung als Fotograf erhalten und mich selbstständig gemacht“, sagt Ender stolz. Bei der Arbeit lernt der Autodidakt, der 1972 nach Potsdam zieht, seine spätere Frau Gabriela kennen. „Sie war 14 Jahre alt und wurde mein Aktmodell. Später haben wir uns verliebt und geheiratet, da war sie 20 und ich 45“, verrät Ender. Für 15 Jahre zieht das Paar nach Österreich, kehrt 1996 nach Rügen zurück.

Dazwischen liegen zahlreiche Auszeichnungen, diverse Bücher, und die Ausstellung „Akt & Landschaft“, die Ender gemeinsam mit dem Fotografen Gerd Rattei in Potsdam initiierte, laut Ender die erste Aktausstellung der DDR. Zum 50. Jubiläum wird diese in überarbeiteter Form im Haus der Geschichte in Wittenberg zu sehen sein, zudem erscheint der dritte Band der Enderschen „Frei Körper Kolumnen“.

Wenn er Bilanz zieht, kann Klaus Ender auf ein umfangreiches Lebenswerk zurückschauen: Mehr als 150 Bücher hat er illustriert — 15 davon selbst geschrieben — und mehr als 2000 Gedichte und Aphorismen verfasst. Seine Texte und Fotos zieren auch Postkarten, Kalender, Lesezeichen und Bieruntersetzer.

Getreu seinem Motto: „Wer nackt Würde zeigt, gibt sich keine Blöße“ hat Ender in seinem Leben bereits mehr als 1000 Frauen abgelichtet. Heute fühlt er sich frei. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er dankbar. Doch viel wichtiger ist für ihn etwas anderes: Trotz einiger Schicksalsschläge ist seine „Gabi“ bis heute an seiner Seite. „Sie ist meine Frau, mein Modell, meine Muse, meine Geliebte und seit 38 Jahren einfach alles für mich.“

Von Stefanie Büssing

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