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Kultur „Er ist der geheimnisvolle Fremde“
Nachrichten Kultur „Er ist der geheimnisvolle Fremde“
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00:00 27.07.2018
Mit der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper „Lohengrin“ haben am Mittwoch die Bayreuther Festspiele begonnen. Quelle: Foto: Nawrath/dpa
Bayreuth

Die Eröffnungspremiere, eine Neuinszenierung des „Lohengrin“ unter der Regie des US-Amerikaners Yuval Sharon, ist am Mittwochabend vom Publikum gefeiert worden.

Mit „Lohengrin“ wurden die Bayreuther Festspiele eröffnet / Bühnenbild und Kostüme sind vom Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fand sie „wunderbar“, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: „Ich habe selten so eine großartige Inszenierung in Bayreuth erlebt.“ Der Künstler Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy haben ein träumerisches, blaues Bühnenbild geschaffen. Es ist ihre erste Arbeit für die Bühne. Rosa Loy (60) und Neo Rauch (58) sind seit 1985 verheiratet. Für Bühnenbild und Kostüme des männlichen Personals zeichnet Neo Rauch verantwortlich, Rosa Loy hat die Kostüme für die Frauen entworfen.

Sie haben sich seit sechs Jahren mit dem Bühnenbild für „Lohengrin“ beschäftigt. Wie ist das für Sie, jetzt Ihr Konzept, Ihr Bühnenbild, Ihre Malerei, Ihre Kostüme in Funktion, in Bewegung zu sehen?

Neo Rauch: Das ist geradezu ein surrealer Moment. Als ich das erste Mal einer Kostümprobe beiwohnte, und es trat ein Herr aus der Kulisse hervor, den ich kurz zuvor gezeichnet hatte – bis ins Physiognomische hinein präzise erfasst – , da dachte ich, das kann doch nicht wahr sein. Das war unheimlich. Und so setzt sich das fort bis ins Große hinein. Ich sitze im Zuschauerraum und stelle fest, dass meine Bilder von erwachsenen Menschen in seltsamer Kostümierung zum Leben erweckt werden, und das geschieht mit einem heiligen Ernst. Das rührt mich total an.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Dirigent Christian Thielemann?

Neo Rauch: Ich habe mich beizeiten mit ihm über das Konzept unterhalten. Und wir waren uns einig, es muss etwas Romantisches stattfinden. Und das deckt sich mit meinen Assoziationen, die ich schon frühzeitig mit „Lohengrin“ verband: ein glühender Abendhimmel und keine neuzeitlichen Eskapaden, nichts, was irgendwo in Richtung unserer augenblicklichen Problemzonen weisen würde, jedenfalls nicht in einem vordergründigen Sinne.

Rosa Loy: Wir hatten die Idee, es relativ traditionell zu gestalten, mit Rundhorizont. Die Techniker konnten sich nicht erinnern, wann das zuletzt gemacht wurde. Und Christian Thielemann war begeistert.

Das Bühnenbild birgt Assoziationen an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts, mitten auf der Bühne sehen wir ein surreales Umspannwerk. Viele Figuren tragen Flügel. Da ist viel Bläuliches, Wasser spielt eine Rolle. Eine so unheimliche wie unklare Gemengelage. Wie wichtig ist es Ihnen, diese Unklarheiten im Bühnenbild gerade nicht zu beseitigen?

Rauch: So wichtig, wie man auch bei der Arbeit an einem Bild unklar bleiben sollte. Wenn man sich einer zu großen Eindeutigkeit befleißigt, dann produziert man Propaganda. Es geht immer um Ambivalenz, immer um das Sowohl-als-auch. Das ist natürlich schwierig in einer Atmosphäre, in der das Entweder-Oder wieder ganz stark im Kommen ist – wer nicht für uns ist, ist gegen uns und so weiter. Wir sind Vertreter des Sowohl-als-auch-Prinzips. Wir mögen das Changieren, das Ambivalente, das nicht mehr Bestimmbare. Das sind die Gründe, aus denen sich die Kunst speist.

Wie ist es für Sie, in Bayreuth zu arbeiten, wo ja auch Abgründe lauern?

Rauch: Wir sind uns dessen bewusst, dass wir auf einem kontaminierten Feld arbeiten. Wir alle wissen, was hier war, dass hier der Ungeist ein- und ausging. So ist die künstlerische Arbeit hier auch eine Art Exorzismus.

Wie ist „Lohengrin“ eigentlich zu Ihnen gekommen, ruft da Katharina Wagner an, oder wie läuft das?

Loy: Es wurde bei einer guten Freundin von uns, die in einem Wagner-Verein ist, vorgefühlt, und dann gab es den direkten Kontakt.

Wofür steht die Figur des Lohengrin?

Rauch: Er ist der geheimnisvolle Fremde, der auch der Künstler sein könnte. Ein Energielieferant, der am Ende scheitert.

Loy: Er muss sich in den Mühen der Ebene bewähren, und das ist das Problem. Aber er trägt dazu bei, dass andere sich entwickeln. Er ist ein Katalysator.

Wo ist das Bühnenprospekt eigentlich entstanden?

Loy: Es wurde in Leipzig gemalt, in den Theaterwerkstätten. Leipzig war der Ort, wo das überhaupt möglich war.

Rauch: Die Leinwand war ungefähr so groß wie ein Hockeyfeld.

Loy: Man geht dann hoch auf einen Steg und sieht herunter

Es heißt, Ihr Mann leide unter Höhenangst.

Loy: Er hat nur das Bild angeguckt, und dann war alles gut.

Rauch: Genau.

Gab es eigentlich mal einen Ehekrach über der Arbeit am „Lohengrin“?

Rauch: Nee.

Loy: Es geht ja vor allem darum, sich gegenseitig auf Fehler hinzuweisen, um Korrekturen. Und man wird entspannter, je älter man ist.

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