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Kultur „Er war humorvoll, aber kompromisslos im Arbeiten“
Nachrichten Kultur „Er war humorvoll, aber kompromisslos im Arbeiten“
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00:00 05.09.2016

Heringsdorf Mit einem Sommerkonzert im Rahmen des Usedomer Musikfestivals erinnerte das Gewandhaus-Quartett gestern in Heringsdorf an Kurt Masur. Frank-Michael Erben, Konzertmeister des Gewandhausorchesters und Leiter des Gewandhaus-Quartetts, erzählte der OZ einige Anekdoten über die gemeinsame Zeit mit dem Ausnahmedirigenten.

Sie spielten erstmals 1986 als Solist mit dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur. Ein Jahr später, mit nur einundzwanzig, wählte er Sie als 1. Konzertmeister. War das Liebe auf den ersten Blick?

Erben: Ich denke, er hat das Potenzial gesehen und gehofft, dass ich in diese Position hineinwachse. Das ist ja ein Prozess. Man kann nicht mit 21 Jahren schon das ganze Orchesterrepertoire gespielt haben. Und dann muss man bedenken, als ich ins Gewandhaus kam, saßen hinter mir Kollegen mit bis zu 40 Jahren Berufserfahrung und ich hatte vorne am ersten Pult plötzlich die Entscheidungen zu treffen. Das war hochinteressant. Gott sei Dank haben wir ein so angenehmes Miteinander, dass mir der Einstieg leicht gemacht wurde. Ich bin organisch hineingewachsen und nun schon 30 Jahre lang dabei.

Und wie war die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Kurt Masur? War er streng?

Erben: Ja, er war ein strenger Orchesterleiter. Aber wenn wir uns mal privat in kleiner Runde zusammengesetzt haben, konnte er sehr humorvoll sein. Bei Problemen war er immer Ansprechpartner, aber er war kompromisslos im Arbeiten.

Das hatte ja auch Vorteile für das Gewandhausorchester ...

Erben: Er war ein Macher im besten Sinne des Wortes. Er war ja nicht nur der Gewandhauskapellmeister, sondern auch der Betriebsleiter. Er hat immer für einen reibungslosen Ablauf gesorgt und dafür, dass das Umfeld stimmte. Der Neubau des Gewandhauses in Leipzig wäre ohne seine Hartnäckigkeit nie zustande gekommen. Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, dann hat er das bis zum Ziel verfolgt. Diese Einstellung hat ihn sein Leben lang verfolgt und geprägt.

Gibt es ein persönliches Erlebnis mit ihm, an das Sie sich besonders erinnern?

Erben: Wir hatten mal eine Situation zu DDR-Zeiten, da gab es keine Gurken mehr in der Betriebskantine. Er griff zum Hörer und eine halbe Stunde später kam ein Gurkentransporter vorgefahren.

Das war schon enorm (lacht). Ein anderes Mal, 1994, waren wir beim Usedomer-Musikfestival in der Kirche in Krummin. Kurt Masur sollte etwas zur Historie des Gewandhaus-Quartetts erzählen und er stieg einfach oben auf die Kanzel. Das werde ich nie vergessen.

Das Programm des Sommerkonzertes hat ebenfalls einen besonderen Bezug zu Kurt Masur.

Erben: Der Kern ist das Mendelssohn-Quartett, das Stück, was Mendelssohn nach dem Tod seiner geliebten Schwester Fanny schrieb, mit der er so eng verbunden war. Das ist im Prinzip wie ein kleines Requiem und eine gute Gelegenheit, um an Kurt Masur zu erinnern, weil er dieses Stück immer sehr gemocht hat. Wenn wir unterwegs waren und für die Mendelssohn-Stiftung spielten, stand meist dieses Werk mit auf dem Programm.

Seit 1993 führen Sie auch das Gewandhaus-Quartett, mit dem Sie in Europa, Japan, Nord- und Südamerika gastieren. Parallel lehren Sie an der Hochschule. Wie lässt sich das vereinbaren?

Erben: Das geht nur, wenn man die Sache wirklich liebt. Es gehören auf jeden Fall sehr viel Hingabe und Leidenschaft dazu.

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