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10:32 09.11.2018
Ticketkauf für Rammstein-Konzert Quelle: Juliane Schultz
Rostock

Es ist Donnerstagmorgen. Ich brauche fünf Tickets für das Rammstein-Konzert im Rostocker Ostseestadion. Heute beginnt der Vorverkauf. Die Bedingungen für den Kartenkauf sind perfekt: Es gibt einen Familienchat, es gibt eine Telefonkette und ich darf ganz offiziell im Büro kaufen.

Schon zwei Tage vor Verkaufsbeginn steht fest, wer mitkommt. Am Vorabend ist klar, wer die Karten kauft: Meine Neffe Jan und ich. Wir versuchen es parallel, telefonisch verbunden, dann kann nichts schief gehen. Drei Minuten vor 10 Uhr sitzen wir vor unseren Bildschirmen, denn die Karten gibt es ausschließlich online. „Hätten wir uns vorher schon mal als Kunde anmelden sollen?“, frage ich. Jan sagt: „Nein, nicht nötig. Ich denke, dass es problemlos klappt.“

10 Uhr, die Veranstaltung wird pünktlich freigeschaltet. Der Bildschirm wird blau. „Hier ist gerade ganz schön was los“ informiert ein Textfeld. Ein Countdown zählt 30 Sekunden rückwärts und startet nach Ablauf erneut. Mehrmals, geht das so, bis plötzlich die zehn Karten-Kategorien angezeigt werden. „Schnell Jan, was nehmen wir?“, rufe ich aufgeregt ins Telefon? „Ich buche Innenraum“, entscheidet mein Neffe. „Ja gut, dann nehme ich die Sitzplätze,“ beschließe ich, „wir nehmen die Karten, die wir zuerst bekommen“. Wieder ein Textfeld: „Wir haben noch keine Tickets für sie reservieren können.“ Der Countdown einer nicht näher bezeichneten Prüfung zählt diesmal fünf Minuten rückwärts. Ich schwitze beim Anblick des Kaufpreises. Wenn ich erfolgreich bin, muss ich für fünf Karten 597,50 Euro zahlen, viel Geld, auch wenn ich es nur auslegen muss.

Martialisch, düster und im Feuerschein: Rammstein ist für die ausgereifte, durch-orchestrierte und sorgfältig komponierte Bühnenshow bekannt.

Um 10.17 wird irgendwas angeblich zum vierten Mal geprüft. Alle drei Minuten muss ich auf einen Button drücken. Jans Optimismus ist verschwunden. Er versucht sich nun zusätzlich mit dem Handy in den Shop einzuwählen. Es funktioniert nicht, der Shop ist von außen nicht mehr erreichbar. Zusammengebrochen.

10.25 Uhr gibt Jan zu bedenken „Schau mal, wenn wir die Karten nicht bekommen, dann gehen bestimmt ganz viele Menschen ins Ostseestadion, die gar nicht aus Rostock kommen und das ist dann ja eine schöne Werbung für die Stadt.“ Kurz bin ich verzaubert von so viel Freundlichkeit, doch dann siegt die Missgunst. Ich will da hin!

Bereis 10:46 Uhr, die Prüfung läuft und läuft, frage ich mich, ob sich das alles wirklich lohnt. Warum fand ich Rammstein noch mal so sehenswert? Wenigstens werde ich nicht mehr nervös, wenn der Bildschirm zuckt. Bestätige alle drei Minuten die Abfrage, dass ich noch da bin. Jan hat mittlerweile den Hörer aufgelegt und wir haben vereinbart zu telefonieren, wenn es Neuigkeiten gibt.

Die gibt es tatsächlich um 10:55 Uhr: Vier Sitzkategorien sind ausverkauft. „Tssss ...,“ denke ich, „natürlich nur die billigen Plätze für 70 Euro mit Sichtbehinderung“. Wir sind weiter im Rennen, mit den teuren Tickets. Der Familien-Chat sendet anfeuernde Nachrichten.

Gegen 11 Uhr werden mir Tickets für 900 Euro angeboten. Pro Stück. Eine Internet-Plattform verfügt offenbar über Kontingente in allen Kategorien. Wie ist das möglich? Genau so was sollte doch angeblich verhindert werden.

Die Niederlage wird offiziell um 11:07 Uhr verkündet: „Zurzeit sind in ihrer gewählten Kategorie leider alle Tickets vergriffen“. Jan ruft an, sieht dieselbe Meldung auf dem Bildschirm. Mit gespielter Tapferkeit verkünde ich im Familien-Chat, dass wir am 16. Juni 2019 grillen. So langfristig hab ich noch nie geplant. Müsste klappen.

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Juliane Schultz