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Kultur Ernster Stoff humorvoll in Szene gesetzt
Nachrichten Kultur Ernster Stoff humorvoll in Szene gesetzt
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00:00 13.02.2018
Szene mit Mia Pinneberg (Paola Brandenburg), Jachman (Reiko Rölz), Johannes Pinneberg (Richard Koppermann) und Lämmchen (Tracy Neumann) Quelle: Foto: Krüger
Zinnowitz

Von Stefanie Büssing Zwischen Komödie und Tragödie liegen in der Theaterlandschaft oft tiefe Gräben. Umso schöner, wenn es bei einer Inszenierung gelingt, die Zwischentöne der scheinbar unvereinbaren Genres herauszuarbeiten. Regisseur Jürgen Kern ist es mit seiner Inszenierung des Schauspiels „Kleiner Mann – Was nun?“ nach der Romanvorlage von Hans Fallada gelungen, einen nachdenklichen Stoff humorvoll in Szene zu setzen – ohne, dass er dabei an Tiefe verliert. Am Sonnabend hatte das Stück Premiere im gelben Theater in Zinnowitz.

„Wie wär’s wenn wir uns heiraten würden? Geht in Ordnung?“ Derart lapidar aber dennoch glücklich besiegeln der Angestellte Johannes Pinneberg (Richard Koppermann) und Verkäuferin Emma, genannt Lämmchen (Tracy Neumann), ihr gemeinsames Schicksal. Lämmchen ist schwanger. Doch es ist Weltwirtschaftskrise: Das Geld ist knapp, der Optimismus groß. Was folgt ist eine Odyssee: Die Suche nach einer (bezahlbaren) Wohnung, das ständige Bangen um den Arbeitsplatz: die Abhängigkeit vom Chef, Leistungsdruck, Konkurrenzkampf, Intrigen. „Nur nicht arbeitslos werden!“ ist das Credo, das Lämmchen und Pinneberg fast mantra-artig wiederholen. Mit jeder Kündigung bröckelt das Selbstbewusstsein. Aus der norddeutschen Stadt Ducherow ziehen beide nach Berlin, wo Pinneberg im Warenhaus Mandel durch Kontakte eine Anstellung bekommt. Doch: „Hinter der Freude sitzt die Angst“, weiß er. Trotzdem machen alle gute Miene zum bösen Spiel. Pinneberg macht sich klein, buckelt, schluckt alle Demütigungen, fast bis zur Selbstauflösung. Um seine Verkaufsquote zu erfüllen, fleht er einen Kunden – einen Filmschauspieler, der ihn im Kino als Darsteller eines „kleinen Mannes“ beeindruckt hatte – auf den Knien an, ihm etwas abzukaufen. Letztlich verliert Pinneberg nicht nur seinen Job sondern auch seine Selbstachtung.

Diesen dramatischen Stoff serviert Kern in minimalistischem Bühnenbild, das den Figuren ausreichend Raum lässt. Eine graue, achteckige Außenwand mit Türen, die sich bei jeder neuen Szene ein Stück weiter dreht, umschließt einen farbig beleuchteten Innenraum, aus dem heraus die Figuren agieren. Das jeweilige Innenleben – die Wohnung Pinnebergs, das Kaufhaus Mandel, die Wohnung von Lämmchens Eltern, bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen, der stets außen vor bleibt. Aus diesem „Figurenkasten“ zaubert Kern stets neue, eigenartig überzeichnete Charaktere hervor, die wirken, wie aus einem Kuriositätenkabinett. Dabei arbeitet der Regisseur mit verschiedenen Dialekten oder lässt einen Mann in Frauenkleidern auftreten (Philipp Haase, der liebevoll-schrullig die Witwe Scharrenhöfer spielt. „Ich weine abends immer ein bisschen. Die Inflation.“). Doch die Grenze zwischen Komik und Tragik ist fließend. Das Lachen droht so manches Mal im Halse stecken zu bleiben. Das mag auch daran liegen, dass der Inhalt des Stückes – Einsparungen, Stellenabbau, Leistungsdruck und Existenzängste, kurzum eine Gesellschaft, in der die Quote mehr zählt, als das Individuum – heute wieder so brisant ist, wie damals. In einer Gesellschaft, in der der Druck stetig zunimmt, ist sich jeder selbst der Nächste. Das gilt damals, wie heute.

Kern stapelt also tief, wenn er über seine Inszenierung sagt: „Wir sind auch heute ganz auf Falladas Seite, wenn er sagt, dass ,es richtig ist, dass die Leute ein bisschen netter zueinander sind, dass sie sich nicht unnötig auf die Zehen treten, dass sie ein wenig daran denken, wie dem anderen manchmal zu Mute ist.’ Das wollen wir zeigen, nicht mehr und nicht weniger“. Denn trotz humoriger Einlagen wirkt das Stück nach.

Weitere Vorstellungen und Karten

Weitere Vorführungen: 27. Februar, 19.30 Uhr; 28. Februar, 10 Uhr, beide im gelben Theater Zinnowitz (Seestraße 8); 16. März, 19.30 Uhr, Barther Bodden Bühne (Trebin 35a, Barth).

Karten für alle Spielorte gibt es telefonisch unter ☎ 03971/ 2688800 (geöffnet von 10 bis 16 Uhr) oder im Internet unter:

karten.theateranklam.de „Kleiner Mann – Was nun?“ ist ein Roman von Hans Fallada, der erstmals 1932 im Rowohlt Verlag veröffentlicht wurde und die Zeit der Weimarer Republik schildert.

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