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Erschütternd und erhebend

Erschütternd und erhebend

Zum dritten Mal in seiner jetzt 14-jährigen Amtszeit führte der Rostocker St.-Johannis-Kantor Markus Johannes Langer (42) Bachs Matthäus-Passion auf.

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Heinz-Jürgen Staszak über ein Konzert des Rostocker Motettenchors

Zum dritten Mal in seiner jetzt 14-jährigen Amtszeit führte der Rostocker St.-Johannis-Kantor Markus Johannes Langer (42) Bachs Matthäus-Passion auf. In der voll besetzten Heiligen-Geist-Kirche ließen er und seine Mitwirkenden ein bewegendes musikalisches Erlebnis erstehen, erschütternd und erhebend zugleich, das seine Eindruckskraft besonders durch seine künstlerische Geschlossenheit erwarb.

Dabei orientierte Markus Langer sich an der historischen Aufführungspraxis. Teilte den Rostocker Motettenchor in zwei getrennt aufgestellte Chöre, machte aus dem auf historischen Instrumenten musizierenden Barockensemble „Musica baltica“ zwei getrennte Orchester, was zarte raumakustische Effekte ergab; und besetzte die tragende Altpartie mit einem Countertenor.

Aber er begnügte sich nicht mit stilistischem Purismus, stellte Bachs Großwerk nicht auf einen historisierenden verehrenden Sockel, sondern machte durch planvolle geistige Durchdringung dessen innere Größe menschlich zugänglich, platzierte sie im erregenden Schnittpunkt von damals und heute. Den sorgfältig durchgestalteten Orchesterpart mit seinen durchhörbaren aparten Klangfarben, den vorzüglichen Motettenchor, transparent in den madrigalischen Chören, dramatisch prägnant in den Turba-Chören, von wechselvoller Inbrunst in den Chorälen, nutzte er für eine geradezu moderne Ausdrucksvielfalt, aber immer maßvoll dabei und niemals zur aufdringlichen Geste werdend.

Unterstützt wurde er durch gut abgestimmte Gesangssolisten: den fast sensationellen niederländischen Altus Marten Engeltjes (30), weich, geschmeidig, anstrengungslos, mit einem ergreifenden Melos, den isländischen leichten und klaren Tenor Benedikt Kristjánsson (27) mit einer eigenständigen Auffassung der Evangelistenpartie, eher von lyrisch introvertierter Betroffenheit, dem Klaus Häger (49) mit klug gesetzter Expressivität in den Jesusworten respondierte; die gute Sopranistin Miriam Meyer (40) und der erfahrene Bass Gotthold Schwarz (52). Dies alles verband sich zu einer reich strukturierten nachhaltigen Aufführung, in der vom ersten bis zum letzten Ton eine unbegreifliche Trauer wehte, die sich kathartisch aufhellte.

 



OZ

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