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Erstes Berlinale-Wochenende: Starke Filme, starke Mimen

Berlin Erstes Berlinale-Wochenende: Starke Filme, starke Mimen

Auf der 67. Berlinale überzeugten bislang die ausländischen Filme

Berlin. An Fortsetzungen herrscht im Kino wirklich kein Mangel. Kaum ein erfolgreicher Film, der nicht nachträglich nummeriert wird und in Serie geht. Der Mangel an Kreativität ist unübersehbar – das gilt nicht nur für Hollywood.

In diesem Fall liegen die Dinge anders: Was Mark Renton und seine Junkie-Kumpel in den 20 Jahren seit „Trainspotting“ getrieben haben, wollten wir schon lange wissen. Die Berlinale hat die Antwort:

Regisseur Danny Boyle präsentierte den zweiten Teil jenes Films, der 1996 wie ein Drogentrip daherkam – und in dem Mark Renton (Ewan McGregor) in der berühmtesten Szene in Schottlands ekligstem Klo abtauchte und plötzlich in einem azurblauen Meer schwamm. Am Ende erleichterte Mark seine Freunde um 16000 Pfund und verschwand. Boyle hat die Truppe von damals zusammengetrommelt und bedient sich frei aus einem Roman von Irvine Welsh. Und siehe da: Das Leben im zweiten „Trainspotting“-Teil ist immer noch herrlich hoffnungslos. Den Drive des Originalfilms erreicht der Regisseur trotz knackiger visueller Einfälle nicht. „T2 Trainspotting“ startet bei der Berlinale außer Konkurrenz und am Donnerstag in den Kinos.

Hollywood macht sich bei der 67. Berlinale rar, jedenfalls im Bären-Rennen. Zumindest einen US-Beitrag hat Kosslick im Angebot, das Drama „The Dinner“ von Oren Moverman („The Messenger“) hat es in sich: Zwei Elternpaare (Richard Gere und Rebecca Hall, Steve Coogan und Laura Linney) treffen sich im Edelrestaurant zu einem Abendessen, das diesen Film in fünf Akte gliedert. Der Film beruht auf einem niederländischen Roman, scheint wie für die aktuellen Verhältnisse in den USA erfunden.

Auf der Kinoleinwand beeindruckten im Bären-Wettbewerb Filme über starke Frauen in Polen, Ungarn und dem Kongo. Die zart-verschrobene Liebesgeschichte „On Body and Soul“ („Teströl és lélekröl“) der Ungarin Ildikó Enyedi macht es möglich. In blutgetränkter Umgebung entdecken Schlachthauschef und Fleischkontrolleurin ihre Wesensverwandtschaft. Beeindruckend: Alexandra Borbély, die eine schüchterne Frau darstellt, die aus Liebe über ihren Schatten springt. Gäbe es einen Preis für die unbezwingbare Sehnsucht nach Nähe und Berührung – die Regisseurin Ildikó Enyedi hätte beste Chancen.

Am Wochenende ging der Wettbewerb auf Weltreise, dabei waren Filme aus dem Kongo, Polen und England – und auch aus Österreich mit der „Wilden Maus“ von Kabarettist Josef Hader. Und der am Samstag mit einer Berlinale-Kamera ausgezeichnete Oscar-Preisträger Geoffrey Rush spielt in Stanley Tuccis Biopic „Final Portrait“ den Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti.

Und „Downton Abbey“-Star Hugh Bonneville verkörpert den letzten britischen Vizekönig in Indien, Lord Mountbatten. Bonneville begeisterte am Sonntag in einer ersten Pressevorstellung in „Viceroy’s House“ (außer Konkurrenz) von Gurinder Chadha („Kick it like Beckham“). Darin geht es um das Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien vor 70 Jahren – eine Mischung aus Politdrama und einer Liebesgeschichte.

Am Sonntagabend stand das in der Special-Reihe laufende Drama „Der junge Karl Marx“ auf dem Programm. Mit August Diehl in der Hauptrolle schildert Regisseur Raoul Peck darin den frühen Lebensweg des Revolutionärs im Pariser Exil und seine Freundschaft zum Fabrikantensohn Friedrich Engels (Stefan Konarske). Im Wettbewerb um den Goldenen Bären überzeugten starke Filme über starke Frauen und mit starken Schauspielerinnen. Véro Tshanda Beya Mputo spielt in „Félicité“ eine Frau, die im Kongo ihren schwierigen Weg geht. Der Film des Franzosen Alain Gomis fand beim Publikum großen Anklang.

Im Thriller „Pokot“ der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland („Hitlerjunge Salomon“) steht eine Rentnerin – gespielt von Agnieszka Mandat – im Mittelpunkt. Sie kämpft gegen die blutigen Jagden, die im Wald rund um ihr Haus stattfinden. Am Sonntag startete der erste deutsche Film im Bären-Wettbewerb: Regisseur Thomas Arslan („Ferien“) stellt „Helle Nächte“ vor. In dem Roadmovie geht es vor der Kulisse Norwegens um eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung.

Stefan Stosch, Elke Vogel und Peter Claus

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