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„Es geht mir um Leidenschaft“

„Es geht mir um Leidenschaft“

Roland Kaiser on Tour. Er war in Schwerin, kommt nach Rostock und tritt im Tatort auf. Und Ende August gibt es Open Airs mit ihm auf Rügen und in Schwerin.

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Roland Kaiser (60).

Quelle: dpa

 

Schwerin/Rostock Roland Kaiser (60) startete gestern seine Tour „Affären“ in Schwerin. Am 23. März tritt er in Rostock auf. Tags drauf ist er im Tatort neben Jan-Josef Liefers und Axel Prahl zu sehen.

OSTSEE-ZEITUNG: 2011 haben Sie in Rostock Ihre Comeback-Tournee gestartet, Grönemeyer hat hier auch seinen Tourbeginn gefeiert.

Kaiser: Weil wir beide schlau sind. Außerdem bin ich gern bei Ihnen, ich mag die Gegend und die Menschen.

OZ: Empfinden Sie noch Leidenschaft für Ihre frühen Hits wie „Manchmal möchte ich schon mit dir“ oder „Sieben Fässer Wein“?

Kaiser: Ja, auf jeden Fall. Die bekannten Lieder aus 40 Jahren werde ich auch in Rostock singen, aber auch ein paar, die im Laufe der Karriere etwas untergegangen sind.

OZ: Auf „Affären“ haben Sie Hits mit Orchester neu aufgenommen, was wird davon zu erleben sein?

Kaiser: Wir werden versuchen, nah ranzukommen. Wir haben zu unserer Band noch Bläser mitgenommen, so dass die Titel, die die Menschen kennen, sich auch im Hörerlebnis neu anfühlen.

OZ: Sie sind ein Klassiker des Schlagers und viele Ihrer Lieder sind Klassiker. Dem Schlager aber geht es nicht gut, die Pop-Musik hat ihn niedergewalzt . . .

Kaiser: Finden Sie?

OZ: Wenn man sich den Eurovision Song Contest anschaut, der mal ein Schlagerwettbewerb war — er wird von Popsongs bestimmt.

Kaiser: Was ist für Sie ein Schlager?

OZ: Sie sind doch der Prototyp des Schlagersängers, alle Ihre Lieder würde ich in das Fach des deutschen Schlagers einsortieren.

Kaiser: Sie haben mir immer noch nicht gesagt, was ein Schlager ist.

OZ: Ein deutscher Schlager ist . . .

Kaiser: Nein, nein lassen Sie das „deutsch“ weg, einfach ein Schlager! Das ist nichts weiter als ein Gassenhauer, ein Lied, das die Menschen nachsingen können. Das kann von Elton John sein, von Grönemeyer, Lady Gaga oder mir. Ein Lied, das Popularität erlangt hat, ist landläufig ein Schlager.

OZ: Einverstanden.

Kaiser: Wenn man deutscher Schlager sagt, klingt das immer ein bisschen abfällig. Wenn Sie sich anhören, wer alles in Deutschland für den Schlager steht, finden Sie sehr unterschiedliche Leute. Helene Fischer ist eine großartige Sängerin und Entertainerin. Die hat mit deutschem Schlager, wie ihn Chris Roberts repräsentiert, wenig zu tun.

OZ: Meine Frage war die nach dem Wohlbefinden.

Kaiser: . . . der populären Musik in deutscher Sprache — der geht‘s gut.

OZ: Darunter würden Sie auch Songs von Johannes Oerding oder Tim Bendzko verstehen?

Kaiser: Ja, natürlich. Wenn Tim Bendzko einen Hit hat wie „Nur noch kurz die Welt retten“, ist das ein Schlager. Den kennt nicht nur meine Tochter mit ihren 14 Jahren, den kennen auch ich und ihre 61 Jahre alte Tante.

OZ: Dann will ich einen zweiten Anlauf nehmen: Beim Eurovision Song Contest wird kaum noch deutsch gesungen . . .

Kaiser: Das finde ich sehr schade!

OZ: . . . und man verabschiedet sich, was deutsche Beiträge betrifft, von der Schlagertradition. „Glorious“, der deutsche Beitrag 2013, könnte sonstwoher kommen. Macht sich da nicht ein Traditionsverlust bemerkbar?

Kaiser: Und ein Kulturverlust. Früher war das Tolle an dem europäischen Wettbewerb, dass die einzelnen Länder mit spezifischen, identifizierbaren Liedern aufkreuzten. Ein Italiener komponiert nun mal anders als ein Deutscher oder Engländer. Die Texte waren klar zuzuordnen. Heute orientiert sich jeder an amerikanischen Songs oder am Britpop, ob Skandinavier oder Leute vom Balkan. Die eigene Kultur kommt zu kurz. Und wer gewinnt, ist meist schnell wieder vergessen.

OZ: Es gibt Ausnahmen — Lena.

Kaiser: Ja, aber man muss abwarten, ob sie dauerhaft präsent sein wird, wie es Abba war, Udo Jürgens ist oder Vicky Leandros. Die haben Jahrzehnte überstanden.

OZ: So wie Sie. So wurden Sie auch interessant für den „Tatort“. Sie werden am 24. März im Münsteraner „Tatort“ als Stalking-Opfer zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Kaiser: Berti Vogts und Jörg Pilawa haben auch schon mitgespielt. Ich hatte mir gedacht, ich möchte einmal der Hausmeister sein, der zu Axel Prahl sagt: „Hören Sie mal, Ihr Fahrrad kann da aber nicht stehen bleiben“ oder so was. Mit diesem Wunsch bin ich an die Autoren herangetreten, da ich ja in Münster lebe. Dann haben die mir ein Buch angeboten mit einer Hauptrolle und mich gefragt, ob ich mir das zutraue.

OZ: Sie spielen den Sänger Roman König, der das Lied „Egoist“ singt. Wird es ins Repertoire übergehen?

Kaiser: Ja, im Radio wird es schon gespielt. Das nehm‘ ich dem Roman König einfach weg.

OZ: Singen Sie das in Rostock und gibt es 2013 wieder Open Airs?

Kaiser: Ja, na klar. Das singe ich auf der ganzen Tour. Open-Air-Konzerte von mir gibt es am 30. August in Bergen auf Rügen und am 31. August in Schwerin.

Roland Kaiser mit „Affären“ auf Tournee
Schlagersänger Roland Kaiser, am 10. Mai 1952 in Berlin geboren, ist wieder da. Wegen einer Lungenerkrankung hatte er sich 2010 einer Lungentransplantation unterzogen.

Konzerte: 13. März Lübecker Musik- und Kongresshalle; 23. März Stadthalle Rostock. Tickets in den OZ-Servicecentern und auf shop.ostsee-zeitung.de.

Der Tatort „Summ Summ Summ“ mit Roland Kaiser, Axel Prahl und Jan Josef Liefers, 24. März um 20.15 Uhr, ARD.

Interview von Michael Berger und Ove Arscholl

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