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Es menschelt im Nachbarland

Tatort-Blitzkritik Es menschelt im Nachbarland

Die Schweizer Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard zeigen in der Folge „Geburtstagskind“ ungewohnte Seiten.

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Das Schweizer „Tatort“-Ermittlerteam: Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) und Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser).

Quelle: SRF/Daniel Winkler

Rostock. Was haben sich die Programmmacher denn dabei gedacht? Da müssen die Tatort-Fans zwei Monate darben - und dann darf ausgerechnet das Schweizer Duo die Sommerpause beenden.

Die Fälle aus dem Land der Eidgenossen galten ja bislang nicht gerade als spannend und action-geladen. Doch Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) finden sich in der Erfolgsserie immer besser zurecht. Herausgekommen ist eine beklemmende Familientragödie mit erfrischenden Zwischentönen.

Den beiden Kommissaren wird in ihrem fünften ARD-Tatort eine Menge zugemutet: eine ermordete 14-Jährige (Carla Chiara Bär), die im dritten Monat schwanger war, zwei Väter, der eine mit Drogenvergangenheit (Marcus Signer), der andere streng in einer freikirchlichen Glaubensgemeinschaft verwurzelt (Oliver Bürgin), und eine Mutter (Sarah Spale Bühlmann), die die religiöse Enge nur noch mit Tabletten erträgt. Da kann man schon mal an seine Grenzen stoßen - und das zeigen die beiden Ermittler auch, es menschelt richtig.

Dabei wurde Privates bei den Schweizern bislang so gut gehütet wie das Bankgeheimnis. Der Fernseh-Zuschauer erfährt sogar von Flückigers unerfülltem Kinderwunsch und von Ritschards schwerer Kindheit. Die Kommissarin wächst sowieso immer besser in ihre Rolle hinein, die Luzerner sind ein echtes Team geworden.

Natürlich hat auch der Krimi aus dem Nachbarland noch Luft nach oben: Die Synchronisation wirkt weiterhin hölzern, die Kommissare müssen nicht jeden Ermittlungsschritt haarklein erklären - und eine Prise Humor würde dem Duo auch gut zu Gesicht stehen.

Außerdem darf sich Kameramann Michael Saxer etwas zu sehr austoben. Endlos lange Einstellungen verbunden mit dem Zeitraffer-Modus laden das ein oder andere Mal zum Wegnicken ein. Die bedeutungsschwangere Musik (Fabian Römer) tut ihr Übriges. Trotzdem bleibt als Gesamteindruck: Ein gelungener Auftakt in die Tatort-Saison 2013/14.

Christopher Steckkönig

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