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„Es war ja immerhin unser Leben“

Berlin „Es war ja immerhin unser Leben“

Die DDR-Autorin Gisela Steineckert begeht heute ihren 85. Geburtstag / Sie verfasste mehr als 2000 Lieder, außerdem Dutzende Bücher

Berlin. . An ihren Werken kam in der DDR niemand vorbei. Viele liefen im Radio und brachten Musikern Chart-Erfolge, andere gehörten zum Repertoire des Musik-Unterrichts. „Als ich fortging“, „Weihnachten in Familie“, „Der einfache Frieden“ – das sind drei von mehr als 2000 Songs, für die Gisela Steineckert die Texte geschrieben hat. Auch Dutzende Bücher, Gedichte sowie mehrere Filme sind von ihr. Heute wird die Schriftstellerin, die zwischen 1984 und 1990 Präsidentin des DDR-Komitees für Unterhaltungskunst war, 85 Jahre alt.

In ihrer Wohnung im 25. Stock eines Hochhauses, in der sie seit 1974 lebt, stehen mehrere Schreibtische. Ein alter Kassettenrekorder ist noch immer ihr treuer Begleiter. „Ich lebe nicht wie 85. Ich arbeite noch so viel wie mit 40“, sagt die resolute Autorin.

Ihren 85. Geburtstag feiert sie auf der Bühne – mit einer Konzert-Lesung in Königs Wusterhausen mit dem Sänger Dirk Michaelis, für den sie seit 30 Jahren Texte schreibt. „Mit Dirk auf der Bühne, das ist für mich die Freude der Leichtigkeit“, schreibt Steineckert in ihrer Biografie „Eines schönen Tages“. Kürzlich hat sie erstmals einen Text für Puhdys-Sänger Dieter Birr geschrieben. Diesen Auftrag bezeichnet sie als „spätes Glück“. Es ist ein Anti-Kriegs-Song.

Die Themen Krieg und Frieden ziehen sich wie ein roter Faden durch das Schaffen der Berlinerin. Aber auch mit der Liebe befasst sich die Künstlerin immer wieder. Ihre Bücher tragen Titel wie „Das Schöne an den Frauen“, „Das Schöne an den Männern“.

Steineckert, 1931 in Berlin geboren, arbeitet seit 1957 freischaffend. Erste Texte verfasste sie für den „Eulenspiegel“. „Dann hatte ich plötzlich drei Kinder – ein eigenes und zwei angenommene – und der ,Oktoberklub’ saß bei mir in der Wohnung.“ Der „Oktoberklub“ war eine politische Liedgruppe. Steineckert war Mitbegründerin der DDR-Singebewegung. Jahre später nahm die Künstlerin ein Ehrenamt an, für das sie nach dem Mauerfall als „Oberzensorin“ beschimpft wurde: Sie wurde Präsidentin des DDR-Komitees für Unterhaltungskunst. Sie habe sich für viele Künstler eingesetzt und sei dabei selbst immer wieder bei den Oberen an Grenzen gestoßen, schildert sie heute. Ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall schreibt Steineckert rückblickend auf ihr „kleines Heimatland, dem nur ein kurzer Weg in der Geschichte beschieden war“: „Wenn ich mich auflehnte, tat ich es in Sorge ums Ganze, das ich nicht abschaffen wollte. Es war ja immerhin unser Leben.“

Sophia-Caroline Kosel

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