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Kultur Esst mehr Erdbeereis!
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00:00 10.09.2018
Sven Regner spielte mit seiner Band Element of Crime vor 1500 Gästen im Rostocker Iga-Park. Quelle: Foto: Michael Meyer
Rostock

Ganz ehrlich: Element of Crime hören einfach die falschen Leute. Und zu wenige. „Warum kann ich ohne Dich nicht glücklich sein? Wie viel Erdbeereis muss der Mensch noch essen, bevor er endlich einmal sagt: Ich bin dafür, die böse Tat des Beinestellens zu unterlassen? Und darf ich irgendwann noch mal zurück zu Dir?“

Ist das nun Melancholie? Ist das Schwermut und Depri-Mucke, wie die meisten Menschen fälschlicherweise annehmen, wenn sie an Sven Regner und Songtexte wie „Am Ende denk’ ich immer nur an dich“

denken? Die attitüdenfreie Körpersprache des Sängers, Songwriters, Trompeters, Gitarristen und Schriftstellers erzählt was anderes.

Element of Crime Open-Air im Rostocker IGA-Park, das ist so wie das Auftaktglockengeläut in einen lauschigen Frühherbst. „Wer jetzt kein Haus hat . . .“ Nein, keine Vergleiche. Aber Regner einordnen zu wollen, ist wie von Rilke Trompete spielen zu verlangen. Lyrik stirbt halt nie. Es existieren immer weniger Menschen, die ihr ein Ohr zu schenken in der Lage sind. Dafür bedarf es der außer Mode gekommenen Kunst des Zuhörens. Es ist keine Melancholie, wenn da einer von den Stimmen auf der Straße, aus den Kneipen, von den Hoffnungen und Zweieinhalbraumwohnungen singt. Da ist stets Raum für einen Lichtblick und wenn es nur Trompete, Mundharmonika, Akkordeon oder die Erinnerung an ein wie auch immer geartetes Dich ist. Zwischen den Zeilen ist immer ein Lächeln, auch wenn das Zahnfleisch blutet.

„Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist – Sag Bescheid, wenn du mich liebst!“ Regner, der Geschichtenmann. Zum Beispiel die: Trompeter müssen Einfamilienhäuser bewohnen, weil sie sonst zu wenig üben (wegen der Nachbarn). Allein eine Songzeile seines Heimatliedes „Delmenhorst“ genügt, dass das angegraute Fanpublikum der seit 1985 aktiven Combo gepflegt ausrastet und glatt mal ’nen Finger in die Höhe streckt. „Rette mich“, „Fallende Blätter“, „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“, „Warte auch mich“– Element of Crime ist der absurde Versuch, Menschen, die sich einsam fühlen, wenn sie allein sind, den Sinn innerer Einkehr erklären zu wollen. Diese deutschen Stones des Singer-Songwriter-Chansonnier-oderwasauchimmer-Business sondern mehr als vertonte Melancholie ab. Das mit einer sehr guten, leicht verdaulichen Rockmusik – plus Trompete. Esst einfach mehr Erdbeereis, Leute.

Michael Meyer

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