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Kultur „Et hätt noch immer jot jejange“
Nachrichten Kultur „Et hätt noch immer jot jejange“
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02:34 12.08.2016

. Moderne Kunst – das war schon immer ihr Ding, und nicht erst seit ihr der Ruhestand genügend Zeit dafür lässt. Bis heute lautet Hannelore K.s Devise: „Man muss sich doch informieren, was die jungen Künstler so machen.“ Ausgerechnet ihr ausgeprägtes Interesse für zeitgenössische Kunst hat nun vor genau einem Monat das Leben der 90-jährigen Nürnbergerin mit Kölner Wurzeln ordentlich durcheinandergewirbelt.

Inzwischen wieder restauriert – die Collage des Fluxus-Künstlers Arthur Köpcke von 1965. Quelle: dpa

Mit ein paar Kugelschreiber-Strichen hat sie am 13. Juli im Neuen Museum für Kunst und Design in Nürnberg für einen kleinen Eklat gesorgt. Der brachte ihr zu ihrer Überraschung nicht nur eine Strafanzeige wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ ein, sondern brachte sie auch in die Schlagzeilen. TV-Teams bitten sie seitdem um Interviews, Talkmaster laden sie in ihre Talkshows ein – meist erfolglos. Schon aus Rücksicht auf ihre Angehörigen will sie nicht mehr als nötig in den Medien präsent sein.

Und außerdem versteht die gebürtige Kölnerin, die ihren vollen  Namen auf keinen Fall in den Medien lesen will, die ganze Aufregung um den Vorfall nicht: Als sie bei einem Museumsrundgang plötzlich zum Kuli griff und in einer Collage des verstorbenen Fluxus-Künstlers Arthur Köpcke mehrere Kästchen eines Kreuzworträtsels ausfüllte – da habe sie doch nur im Sinne des Künstlers gehandelt.

„Neben dem Kreuzworträtsel steht doch klar: „Insert words“ („Trage Wörter ein“). „Das ist Fluxus-Kunst, sonst hätte ich das noch nicht gemacht“, argumentiert sie. Fluxus sei eine offene Kunst und lade Betrachter dazu ein, die Werke der Künstler zu vervollständigen. Im Germanischen Nationalmuseum ein paar Steinwürfe weiter würde sie nie auf die Idee kommen, Kunstwerke alter Meister zu bekritzeln. „Aber im Neuen Museum ist das anders. Das sind doch moderne Künstler.“Das alles zu überstehen, dabei habe ihr ihre rheinische Gelassenheit geholfen, ist sie überzeugt – und legt eine Postkarte mit dem „Kölschen Grundgesetz“ auf den Tisch: „Et es wie et es, et kütt wie et kütt. Et hätt noch immer jot jejange“. Das sei ja vielleicht auch das Rezept ihres langen Lebens.

Beim Neuen Museum sieht man den Vorfall inzwischen gelassen – und würde sich wünschen, die Ermittlungen gegen die 90-Jährige würden eingestellt. Museumschefin Eva Kraus hat sich bei einem Treffen mit Hannelore K. um eine Versöhnung bemüht. K. Tscharnke

OZ

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