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Kultur Fachmann für Widerhaken
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00:01 19.09.2016

Nicht vielen Schauspielern ist der Übergang von einem ins andere politische System so glücklich gelungen wie Hilmar Thate. Auch Manfred Krug oder Armin Mueller-Stahl fallen einem ein, natürlich Thates Ehefrau Angelica Domröse. Aber vielleicht muss man Thate auch gar nicht neben andere reihen: Erst war der 1931 geborene Schauspieler im Osten ein Star, dann brachte er es auch in seinem zweiten Leben im wiedervereinigten Deutschland zu Ruhm.

Der Berliner Schauspieler Hilmar Thate (1931-2016) Quelle: Frank May/dpa

Dazwischen lag eine Zäsur in der DDR, die zu einem Bruch mit wichtigen Künstlern und Intellektuellen führte: Thate und Domröse unterschrieben 1976 die Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Danach versiegten Rollenangebote, die Bespitzelung nahm zu. Das Ehepaar stellte 1979 einen Ausreiseantrag und zog 1980 nach West-Berlin.

Nahtlos knüpfte Thate an seine Karriere an. Er hatte in Halle Schauspiel studiert, 1952 kam er ins Ensemble am Theater Cottbus. In Berlin traf er Brecht – eine Begegnung, die ihn schwer beeindruckt haben soll. Thate wechselte ans Maxim-Gorki-Theater, später ans Berliner Ensemble. 1970 ging ans Deutsche Theater. Thate gehörte zu dem Typ Schauspieler, der stets nach dem Widersprüchlichen in seinen Rollen sucht. Ein monströser Mörder wie Shakespeares Richard III. war bei ihm auch ein Mensch, auch in einem guten Menschen aber suchte er stets die dunkle Seite. Die innere Zerrissenheit vieler seiner Figuren faszinierte ihn. Thate baute Widerhaken in seine Auftritte ein, an denen der denkende Zuschauer hängen bleiben sollte.

In West-Berlin sammelte Thate am Schillertheater Meriten in Peter Zadeks Fallada-Revue „Jeder stirbt für sich allein“. Er arbeitete mit Ingmar Bergman, George Tabori, Claus Peymann und spielte in Wien, Zürich, München. Und dann war da das Kino. Zu DEFA-Zeiten glänzte er in Konrad Wolfs „Der geteilte Himmel“. Im Westen zählte zu seinen ersten Rollen die des Sportreporters Robert Krohn in Fassbinders „Die Sehnsucht der Veronika Voss“. In Schlöndorffs KZ-Drama „Der neunte Tag“ übernahm er den Part eines Bischofs. Für Andreas Kleinert gab er in „Wege in die Nacht“ den Ex-Direktor eines DDR-Kombinats, dem es nicht gelingt, Anschluss an die neue Zeit nach der Wende zu bekommen. Fernsehzuschauer kennen Thate als Kiezgröße in Dieter Wedels „Der König von St. Pauli“.

Seine Biografie hatte Thate bereits vor einem Jahrzehnt ganz kokett „Neulich, als ich noch Kind war.“ Der Untertitel lautete: „Versuch eines Zeitgenossen“. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Hilmar Thate bereits am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben. Stefan Stosch

OZ

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