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Kultur „Fahrenheit 451“ im digitalen Zeitalter
Nachrichten Kultur „Fahrenheit 451“ im digitalen Zeitalter
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20:02 27.07.2018
Bücherverbrenner als Superstars im Ramboformat: Michael B. Jordan als Montag (vorn) und sein Chef Michael Shannon. Quelle: Foto: Sky
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„Moby-Dick“, „Faust“, „Krieg und Frieden“: All diese Titel der Weltliteratur werden im Vorspann einer neuen HBO-Serie von züngelnden Flammen gefressen. Bücherverbrennung als Inbegriff der Barbarei: Dies ist das Kernthema von Ray Bradburys dystopischem Roman „Fahrenheit 451“.

Unter dem Eindruck der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten schrieb er 1953 diesen Roman über die Angst der Diktatoren vor der Macht der Worte, aber auch über die Hoffnung auf Erleuchtung durch Literatur. Das Buch als Saatkapsel für Humanismus – das ist auch der Grundgedanke einer Neuadaption des Stoffes. Die Produktion des „Game of Thrones“-Senders HBO ist ab sofort in Deutschland bei Sky zu sehen.

Nach zwei „Bürgerkriegen“ sind Bücher verboten, Feuerwehrmänner löschen keine Brände mehr, sondern spüren versteckte Bücher auf und zerstören sie. So weit die bekannte Geschichte.

Regisseur und Drehbuchautor Ramin Bahrani hebt sie ins digitale Zeitalter: Anders als in François Truffauts Verfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1966 ist nicht mehr allein das Fernsehen das alles beherrschende Medium. Stattdessen dominiert die smarte Lautsprecherstimme Yuxie als Alexa-Nachfolgerin die Haushalte.

Die Adaption aus dem Jahr 1966. Quelle: United Archives/ImpressUnited Archives/Impress

Wenn Bahrani sie von den Regierenden als Überwachungsapparat missbrauchen lässt, zitiert er George Orwells „1984“. Mit den geistbetäubenden Augentropfen, die Yuxie bei Stimmungsschwankungen eigenständig für die Bewohner bestellt, spielt er wiederum auf die Glücksdroge Soma in Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ an. So stellt sich der Regisseur in die Tradition großer Entwürfe von totalitären Systemen.

Die Rebellengruppe der Eels (Aale) lädt Literatur heimlich auf Server hoch, analoge Bücher existieren kaum noch. So ist die Szene, wenn die Feuerwehrmänner eine ganze Bibliothek aus bereits heute antiquiert wirkenden alten Büchern hochnimmt, noch einmal so beeindruckend. Und der Gedanke, dass eine Welt ohne physische Bücher in der Zukunft vielleicht gar nicht so unrealistisch ist, jagt dem Zuschauer einen kalten Schauder über den Rücken. Auch auf die aktuelle Fake-News-Debatte spielt der Film an: Die Eels werden von den beherrschenden Medien einfach als Lügner dargestellt. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob in Zeiten von Internet eine derartige Informationskontrolle überhaupt möglich wäre, wenn der Staat private Internetnutzung generell nicht verbietet. Könnte da nicht jeder im Darknet einfach auf die Bücher zugreifen? Diesen Aspekt berücksichtigt der Film nicht.

Die Hauptfigur ist wie in der Vorlage der Feuerwehrmann Montag, der am System zu zweifeln beginnt, nachdem er bei einer Razzia heimlich ein Buch eingesteckt hat und es zu lesen beginnt. Gespielt wird er von Michael B. Jordan, der als Gegenspieler von „Black Panther“ aus dem gleichnamigen Blockbusterfilm bekannt ist. Er gibt den Abtrünnigen als Rambo mit einem Feuergewehr im XXL-Format. Das Fernsehen – hier in futuristischer Form von Großformatübertragungen auf Gebäuden – feiert ihn wie einen Popstar. Doch – ein bisschen zu abrupt – entdeckt Montag seine nachdenkliche Seite. Faszinierender allerdings ist die Rolle seines Chefs: Michael Shannon („Boardwalk Empire“) steckt tags Bücher in Brand, nachts schreibt er düstere Aphorismen auf Zigarettenpapier. Zum Beispiel diesen: „Leben bedeutet Leiden. Überleben bedeutet, nach dem Sinn zu suchen.“ Eine Weisheit, für die diese Verfilmung steht.

Von Nina May/RND

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