Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Falladas Leben in Schlaglichtern
Nachrichten Kultur Falladas Leben in Schlaglichtern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 24.08.2016

Über viele Jahre hat sich der inzwischen emeritierte Greifswalder Germanistikprofessor Gunnar Müller-Waldeck mit Hans Fallada (1893-1947) beschäftigt. Viele Publikationen sind im Laufe der Jahrzehnte von Müller-Waldeck erschienen, verstreut in zahlreichen Publikationen, Büchern, Essays oder Feuilletons. Im jetzt vorliegenden Band „Hans Fallada – nach wie vor“ führt Gunnar Müller-Waldeck vieles davon zusammen. Das geschieht, „ohne auf eine geschlossene Biografie zu zielen“, so der Autor, er will das Schriftstellerleben mehr schlaglichtartig darstellen.

Gunnar Müller-Waldeck möchte auch gegen den „sensationslastigen Mythos“ angehen, der den manchmal unsteten Hans Fallada bis heute umgibt. Sein Verhältnis des Schriftstellers zum Nationalsozialismus wird ebenfalls beleuchtet, so in einem Interview mit dem Zeitzeugen Johann Kurjat, der Falladas Episode 1943 beim Reichsarbeitsdienst schildert. Noch genauer wird die NS-Ära im Kapitel „Fallada in der Nazizeit“ angegangen, den Machthabern war Hans Fallada einerseits volksnah, aber auch suspekt. Daher ließen sie den Schriftsteller bis zu einem gewissen Punkt gewähren.

Auch das familiäre Umfeld wird dargestellt, unter anderem in einem Interview mit den Fallada-Sohn Achim Ditzen, geführt im Jahr 1992. Auch der inzwischen verstorbene Fallada-Sohn Uli Ditzen kommt hier zu Wort. Und so erhält der Leser einen interessanten, manchmal sogar amüsanten Blick nicht nur in das schriftstellerische Leben Hans Falladas, oft passiert das in den Interviews. Auch mit der 27 Jahre jüngeren Autorin Annemarie Steiner, die Hans Fallada nicht nur förderte, sondern mit der er auch innig verbunden war.

Viele der hier abgedruckten Gesprächsprotokolle stammen aus den 1990er Jahren und waren lange nicht mehr zugänglich. Das Anekdotische, das sich durch viele dieser Texte zieht, macht diesen Band lesenswert. Denn Hans Fallada, ein Mann mit zahlreichen Facetten und ebenso vielen Fehlern, wurde von seinen Zeitgenossen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das Bild von Hans Fallada bleibt zwiespältig und damit auch zutiefst menschlich.

Der Leser bekommt also in vielen Erinnerungen und fast vergessenen biografischen Splittern ein sicherlich unvollständiges, aber sehr lebendiges Bild vom Alltag eines „gelegentlich unterschätzten Schriftstellers“, wie Gunnar Müller-Waldeck meint. Dieser Band weckt auf jeden Fall die Lust, wieder mal nach den Klassikern von Hans Fallada zu greifen.

Thorsten Czarkowski

Mehr zum Thema

Bundeskanzlerin Angela Merkel (62) stehen turbulente Wochen bevor – im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG äußert sie sich zu Problemen mit Russland und der Türkei, blickt auf die Landtagswahl in MV und freut sich über den Werften-Investor im Land

19.08.2016

Breitbandausbau, Tourismusförderung, Zusammenarbeit mit Polen und Stettin, künftige Verwaltungsstrukturen: Die Industrie- und Handelskammer sowie Unternehmer der Region fragen Kandidaten aus

20.08.2016

OZ-Interviews zur Landtagswahl: Lorenz Caffier (CDU) will das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Er fordert die Einstellung Hunderter neuer Polizisten und den Einsatz der Bundeswehr im Inland.

20.08.2016

Die Chortage finden von morgen bis Sonntag in der Neuapostolischen Kirche in Wismar statt und sind ein Angebot für alle, die gerne singen.

24.08.2016

Liedermacher, Komponist und Sänger Ingo Barz feierte 65. Geburtstag und hat viele neue Pläne

24.08.2016

. Der Bastei-Lübbe-Verlag kommt nicht zur Ruhe. Erst vor wenigen Wochen kündigte der komplette Aufsichtsrat des Kölner Buchverlages seinen Rücktritt an, jetzt ...

24.08.2016
Anzeige