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Falladas Leben in Schlaglichtern

Greifswald Falladas Leben in Schlaglichtern

Der Greifswalder Literaturwissenschaftler Gunnar Müller-Waldeck legt Band zu Hans Fallada vor

Greifswald. Über viele Jahre hat sich der inzwischen emeritierte Greifswalder Germanistikprofessor Gunnar Müller-Waldeck mit Hans Fallada (1893-1947) beschäftigt. Viele Publikationen sind im Laufe der Jahrzehnte von Müller-Waldeck erschienen, verstreut in zahlreichen Publikationen, Büchern, Essays oder Feuilletons. Im jetzt vorliegenden Band „Hans Fallada – nach wie vor“ führt Gunnar Müller-Waldeck vieles davon zusammen. Das geschieht, „ohne auf eine geschlossene Biografie zu zielen“, so der Autor, er will das Schriftstellerleben mehr schlaglichtartig darstellen.

Gunnar Müller-Waldeck möchte auch gegen den „sensationslastigen Mythos“ angehen, der den manchmal unsteten Hans Fallada bis heute umgibt. Sein Verhältnis des Schriftstellers zum Nationalsozialismus wird ebenfalls beleuchtet, so in einem Interview mit dem Zeitzeugen Johann Kurjat, der Falladas Episode 1943 beim Reichsarbeitsdienst schildert. Noch genauer wird die NS-Ära im Kapitel „Fallada in der Nazizeit“ angegangen, den Machthabern war Hans Fallada einerseits volksnah, aber auch suspekt. Daher ließen sie den Schriftsteller bis zu einem gewissen Punkt gewähren.

Auch das familiäre Umfeld wird dargestellt, unter anderem in einem Interview mit den Fallada-Sohn Achim Ditzen, geführt im Jahr 1992. Auch der inzwischen verstorbene Fallada-Sohn Uli Ditzen kommt hier zu Wort. Und so erhält der Leser einen interessanten, manchmal sogar amüsanten Blick nicht nur in das schriftstellerische Leben Hans Falladas, oft passiert das in den Interviews. Auch mit der 27 Jahre jüngeren Autorin Annemarie Steiner, die Hans Fallada nicht nur förderte, sondern mit der er auch innig verbunden war.

Viele der hier abgedruckten Gesprächsprotokolle stammen aus den 1990er Jahren und waren lange nicht mehr zugänglich. Das Anekdotische, das sich durch viele dieser Texte zieht, macht diesen Band lesenswert. Denn Hans Fallada, ein Mann mit zahlreichen Facetten und ebenso vielen Fehlern, wurde von seinen Zeitgenossen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das Bild von Hans Fallada bleibt zwiespältig und damit auch zutiefst menschlich.

Der Leser bekommt also in vielen Erinnerungen und fast vergessenen biografischen Splittern ein sicherlich unvollständiges, aber sehr lebendiges Bild vom Alltag eines „gelegentlich unterschätzten Schriftstellers“, wie Gunnar Müller-Waldeck meint. Dieser Band weckt auf jeden Fall die Lust, wieder mal nach den Klassikern von Hans Fallada zu greifen.

Thorsten Czarkowski

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