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Falladas Stralsunder Klinik-Akte

Stralsund Falladas Stralsunder Klinik-Akte

Recherchierte der Schriftsteller in der Heilanstalt am Sund für einen neuen Roman?

Stralsund. Mit den Diagnosen „Morphinismus“ und „degenerative psychopathische Constitution“ lässt sich Rudolf Ditzen am 5. Januar 1921 in die Provinzialheilanstalt Stralsund einweisen. Unter seinem später bekannten Pseudonym Hans Fallada hat der 26-jährige Ditzen gerade seinen ersten Roman „Der junge Goedeschal“ veröffentlicht. Fallada geht freiwillig in die Klinik. Dieses Kapitel seines Lebens ist weitestgehend unbekannt.

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Recherchierte der Schriftsteller in der Heilanstalt am Sund für einen neuen Roman?

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Nach mehreren erfolglosen Versuchen in verschiedenen Sanatorien war es dem angehenden Schriftsteller 1920 zwar gelungen, sich von seiner mehrjährigen Morphiumabhängigkeit zu lösen. Auf Schlafmittel blieb Fallada jedoch angewiesen. Mit dem sechswöchigen Klinikaufenthalt in Stralsund verband der Autor das Ziel, sich auch von den Narkotika zu befreien. Das ist ihm gelungen – zumindest für diese Lebensphase. „Unter vielem Dank und in guter Verfassung“ verließ Ditzen am 14. Februar die Klinik. Der Aufenthalt in der Stralsunder Provinzialheilanstalt war eine bislang kaum bekannte Station einer Odyssee durch Kliniken und Sanatorien, um seine Abhängigkeiten von Alkohol und Morphium zu besiegen. Fallada starb 1947 an Herzversagen – beschleunigt durch seinen jahrelangen Drogenkonsum. Die Stralsunder Krankenakte Falladas galt lange Zeit als verschollen. Zusammen mit rund 1000 weiteren Krankenakten der Heilanstalt aus den Jahren 1912 bis 1939 geht sie nun in das Landesarchiv von Mecklenburg-Vorpommern (die OZ berichtete).

In den großen Fallada-Biografien findet der Aufenthalt in der Stralsunder Klinik keine Erwähnung. Einen Hinweis auf eine Ditzen-Akte gab es im Entlassungsbuch der Pommerschen Provinzheilanstalt aus dem Jahr 1921, berichtet der Stralsunder Forensische Psychiater und Leitende Oberarzt im Helios Hanseklinikum, Jan Armbruster. Doch die Akte selbst fehlte, wie sich nach intensiver Suche im Jahr 1992 herausstellte. Etwa 19 Jahre später stößt Armbruster dann bei einer neuerlichen Recherche im Krankenhausarchiv auf die Akte. Der überraschende Fund eröffnet Raum für Spekulationen: Möglich, dass jemand die Unterlagen des prominenten Patienten wieder in das Archiv zurückgebracht hat.

„Damit würde das Stralsunder Krankenblatt das Schicksal über Ditzens früheren Psychiatrieaufenthalt in Jena 1911 teilen“, sagt Armbruster. Auch diese Akte, die nach dem gescheiterten Doppelselbstmordversuch Ditzens und seinem Schulfreund Hanns Dietrich von Necker angelegt wurde, galt als verschollen, bis sie 2005 im Nachlass eines früheren Klinik-Direktors wiedergefunden wurde.

Den Narkotika-Entzug Ditzens in der Stralsunder Klinik beschreibt Armbruster als typisch für die Zeit. Angesichts der unspektakulären Symptomatik wirft er die Frage auf, inwieweit der Aufenthalt Ditzens in der Anstalt tatsächlich notwendig gewesen sei. Der Psychiater und die Germanistin Sabine Koburger vermuten, dass Ditzen, der sich „in ruhiger gleichmäßiger Stimmung, frei von Halluzinationen“ in die Klinik hatte einweisen lassen, die Zeit bewusst zum Schreiben und Recherchieren genutzt haben könnte. Hans Fallada veröffentlichte 1923 „Anton und Gerda“.

Martina Rathke

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