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Farbenprächtiges Spektakel

Stralsund Farbenprächtiges Spektakel

Theater Vorpommern startet Saison in Stralsund mit dem Erfolgsmusical „Me and My Girl“

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Katarzyna Rabczuk und Joshua Hien im Musical „Me and My Girl“ in einer Inszenierung von Kay Link in Stralsund.

Quelle: Foto: Vincent Leifer

Stralsund. Brillant, charmant und schwungvoll – nach dem konzertanten Einstieg hat das Theater Vorpommern nun auch seine Musiktheater-Spielzeit in der Hansestadt Stralsund eröffnet. Und dies sehr unterhaltsam mit der Premiere von Noel Gays Erfolgsmusical „Me and My Girl“. Das britische Stück gibt es seit 1937, aber erst die Frischzellenkur einer Umarbeitung und musikalischen Ergänzung verhalfen dem Stück ab 1985 vor allem in England und den USA – aber auch in Deutschland – zu hohen Aufführungsziffern.

Guter Start

„Me and My Girl“ ist ein Musical in zwei Akten, komponiert von Noel Gay. Buch und Gesangstexte schrieben

L. Arthur Rose und Douglas Furber. Das Musical wurde am 16. Dezember 1937 im Victoria Palace Theater in London uraufgeführt und mit 1646 Vorstellungen zum erfolgreichsten britischen Musical der 1930er Jahre.

Nun also Stralsund, wo das von Kay Link höchst bewegungsfreudig inszenierte und von Adonai Luna sowie Marie-Christin Zeisset choreographierte Spektakel farbenprächtig kostümiert über die als aufgefächertes Buch bebaute Drehbühne (Beatrice von Bomhard) ging.

Die Story vom totgeschwiegenen adlig-unehelichen Vorstadtkind (Bill), das als plötzlich blaublütiger, reicher Erbe samt Freundin Sally eine hochwohlgeborene Großfamilie um Vermögen und Verstand bringt, ehe Unterricht in Anstand, Sitte, Sprache und Klassenbewusstsein – wie später Mr. Higgins und Eliza – zum für alle Seiten versöhnlichen Ende führen, ist harmlos. Aber sie besitzt Unterhaltungswert.

Geboten werden reizvolle Möglichkeiten phantasievoll witzigen, ironisierenden und karikierenden Ausspielens sich nahezu unaufhörlich neu ergebender, meist auch konfrontativ-brisanter Situationen. Und diese nutzt die Inszenierung mit der betont krassen Zeichnung unterschiedlicher sozialer Standards denn auch so einfallsreich wie ausgiebig. Die harte Belastungen aushaltende, den adligen Clan letztlich beeindruckende Liebe Bills und Sallys wird zur rührend bis launig operettig ausgespielten „Waffe“, die das nicht minder lustvoll und detailfreudig auf die Schippe genommene bornierte Kastendenken des englischen Adels erst konterkariert und es dann mit etwas verschämter Sozialkritik aufweicht. Man sitzt in einem Boot!

Vorher aber zieht die Inszenierung alle Register flotten, revuehaften Musiktheaters. Sie lässt temporeich Gegensätze aufeinander prallen, die Dialoge witzig, aber auch messerscharf blitzen, sie lässt tanzen, steppen (!) und – als wohl sicherster Erfolgsgarant – einen singend wie brillant komödiantisch durch das Ganze fegenden Bill (Josua Hien) das Stück prägen. Auch musikalisch bleibt eine Menge hängen: Songs, mal sentimental, mal frech, fetzige Chöre (Lambeth Walk!) und ein modernisiertes, recht typisches Musical-Arrangement.

Hörenswert auch die vielen Protagonisten; hier in Auswahl Katarzyna Rabsczuk, Doris Hädrich-Eichhorn, Alexander Constantinescu, Franziska Ringe, Maciej Kozlowski und Johannes Richter. Dazu Opernchor (Julija Domaševa), Ballett und Philharmonisches Orchester unter Leitung des neuen 1. Kapellmeisters Harish Shankar. Drei Stunden so aufwendigen wie professionell gemeisterten Gute-Laune-Kraftakts haben sich gelohnt.

Premiere: in der Hansestadt Greifswald am 21. Oktober, 19.30 Uhr

Ekkehard Ochs

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