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Kultur Fast wär's Störtebeker geworden
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03:02 13.07.2018
Alexander Hanfland spielt den Goedeke Michels. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Ralswiek

Wenn Goedeke Michels zum ersten Mal auf der Bildfläche erscheint, knallt’s: Auf der Spitze des Brunnens in der Stralsunder Kulisse fliegt mit einer kräftigen Detonation eine Kapsel auseinander, die vom Nahen des raubeinigen Piraten kündet – und wohl eine Schießübung der Seeräuber darstellt. Und die wird schließlich in der Aufführung „Ruf der Freiheit“ zu Michels martialischem Markenzeichen, bekommt der Kaperkapitän diesen Wumms doch danach auch zu seinen weiteren Auftritten vorangestellt.Im wahren Leben macht Goedeke-Michels-Darsteller Alexander Hanfland weit weniger Aufhebens um seine Person. Warum auch? Schiebt sich Hanfland durch die Tür, erledigt seine hühnenhafte Erscheinung inklusive dunkelblondem-rötlichem Haar schonmal alles, was für den ersten Eindruck nötig ist. So kann sich der 40-Jährige Zurückhaltung leisten. Dabei spricht er gedämpft aber deutlich, zelebriert fast jeden Satz – in Wortwahl und Betonung. Und plötzlich ist es gar nicht mehr so logisch, dass ausgerechnet dieser Mann Goedeke Michels verkörpert.„Ich hatte mich schon mehrfach bei den Störtebeker Festspielen beworben“, erzählt Alexander Hanfland. „Und da habe ich nie eine bestimmte Figur im Auge gehabt. Ich glaube, ich habe einfach nur geschrieben, dass ich gerne mitspielen möchte.“ Auf der einen Seite hätte das gut und gerne irgend ein Bösewicht, Lakai oder Kaufmann sein können, auf der anderen wäre natürlich auch ein Klaus Störtebeker drin gewesen. „Als ich mich hier vorstellte, war es anfangs noch gar nicht so sicher, ob ich es nicht vielleicht doch werde“, verrät er. „Als allerdings Alex Koll hinzukam, war die Rollenverteilung aber schnell klar.“

Keine Konkurrenz mit Störtebeker

Mit dem neuen Titelhelden, den er erst im Zuge der Vorbereitung auf das Engagement bei den Störtebeker Festspielen kennenlernte, verbindet ihn mittlerweile eine echte Freundschaft. Trotzdem glauben nicht wenige, dass Hanfland mit seiner Erscheinung und den deftigen Dialogen Koll Konkurrenz machen könnte. „Ich glaube nicht, dass das passiert“, sagt der Rheinländer. „Natürlich versucht jeder Schauspieler auf seine Art, in einem Stück gut dazustehen, das funktioniert aber nur, wenn Du einen ebenso guten Nebenmann hast.“ Beide Rollen – die von Störtebeker und die von Michels – lebten von der Konstellation des „Titelhelden und seines Wingman“, findet Hanfland: „Ist der andere nicht gut genug, dann kannst Du Dir einen Ast spielen und es würde aufs Publikum überhaupt nicht wirken.“Für den Goedeke-Mimen gibt es keine Unmöglichkeit, nicht einmal besonders komplizierte Szenen. Hanfland sieht eher in der gesamten Rolle eine „komplexe Herausforderung“, die ihm von der ersten bis zur letzten Minute alles abverlangt. Aber gerade auch das ist es, was ihm seinen Job in Ralswiek so sympathisch macht. „Die hochenergetischen Szenen haben was“, sagt der Schauspieler. Wenn er allerdings einen Moment herauspicken soll, auf den er sich immer ganz besonders freut, dann ist es das Reinreiten. „Das ist schauspielerisch zwar nicht so spektakulär, macht aber wirklich Spaß“, lacht Hanfland.Die nächsten fünf Jahre jeden Sommer den Goedeke Michels spielen zu dürfen, wäre für den aus Köln stammenden Mann eine Option, der er zugetan ist. Aber mehr noch: „Ich kann mir auch 20 Jahre vorstellen. Das einzige, was mich vielleicht irgendwann ein bisschen stören würde, ist die Entfernung zu Köln.“ Mit diesem Mut zum beruflichen Lebensplan schaut er auf alte Haudegen wie Norbert Braun oder Dietmar Lahaine, die seit der ersten Stunde zu den Störtebeker Festspielen gehören und heute immer noch dabei sind: „Es muss ja nicht immer der Störtebeker oder der Goedeke sein.“

Motorradführerschein im Fokus

Alexander Hanfland verbringt die Zeit zwischen den Auftritten auf der Insel. Auch freie Tage will er auf Rügen nutzen. „Ich will sehen, ob ich hier meinen Motorradführerschein machen kann“, sagt er. „Ich fürchte nur, dass sich da zeitlich einiges überschneiden könnte.“ Daraus, dass er sich zwischen den allabendlichen Shows nicht in seiner Bude vergräbt, um das Leben des echten Goedeke Michels zu studieren, macht er keinen Hehl. Allerdings gebe es so viele historische Überlieferungen von dem Raubein gar nicht. Es sei wie letztlich auch bei Störtebeker ja nicht einmal klar, wie Goedeke Michels ausgesehen habe.Erst recht nicht, wie er klang. Alexander Hanfland muss für seine Figur jeden Abend ordentlich die Lungen blähen, um dem Piraten jene derbe Wirkung zu verleihen, die man ihm andichtet, ist er doch nicht etwa mit einem donnernden Organ ausgestattet, wie beispielsweise ein Lahaine. Für Hanfland ist der ständige Druck, den er auf die Stimme legen muss, zwar anstrengend, wie er sagt, dafür sei er aber auch für die leiseren Töne prädestiniert. Denn das Zusammenspiel aus beiden Extremen mache die Figur des Goedeke Michels aus. Das auszuloten ist für Hanfland das Abenteuer der nächsten Jahre.

Berndt Jens-Uwe

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