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Faszinierendes Spiel vom Stellvertreter Bachs auf Erden

Faszinierendes Spiel vom Stellvertreter Bachs auf Erden

Hoher Besuch in der Villa Papendorf, der exquisiten Konzertstätte am Rande Rostocks, gleichsam aus dem Olymp der Klassikszene: der russische Pianist Evgeni Koroliov (67).

Hoher Besuch in der Villa Papendorf, der exquisiten Konzertstätte am Rande Rostocks, gleichsam aus dem Olymp der Klassikszene: der russische Pianist Evgeni Koroliov (67). Manche nennen ihn den Stellvertreter Bachs auf Erden. Er präsentierte eines der Bachschen Großwerke für Klavier, die „Goldberg-Variationen“ (1741), komponiert zum „Ergetzen“ eines schlaflosen Grafen, nicht um ihn einzulullen, sondern um seinen Geist in der Schlaflosigkeit fesselnd zu beschäftigen: ein anderthalbstündiges Kompendium satztechnischer Kunst, fantasievollen Variierens und virtuosen Cembalospiels in planvoller Architektur.

Koroliov spielte nicht, wie von Bach vorgesehen, auf einem zweimanualigen Cembalo, sondern auf dem modernen Konzertflügel. Aber nicht in der Art des rauschenden Cembalos, sondern, mit einer außerordentlichen Klangdelikatesse, in der Art des feineren, zarteren Clavichords, mit einem zwar schmalen, aber vielfältig ausdifferenzierten dynamischen Spektrum und erreichte damit eine faszinierende Balance von Intimität und Objektivität, so als hätte er – wie er einmal sagte – Bach über die Schulter geschaut, bei dessen Versuch, die damals noch geglaubte universelle Ordnung der Welt in einer adäquaten musikalischen Ordnungsstruktur zu repräsentieren.

Mit wachem Sinn, der hier auch stets vom Publikum gefordert war, ließ er mit der Folge der 30 Variationen, ohne modernistische subjektive Gefühligkeit, einen musikalischen Kosmos erstehen im systematischen Wechsel von polyphoner Durchsichtigkeit, figuraler und Variation bis hin zur Lust an der Bewältigung der manchmal schikanösen technischen Aufgaben, mit liedhafter Intimität, mit tänzerischem Schwung und durchaus auch mit Humor – und immer schimmerte in diesen Metamorphosen der Gestus der Ausgangsmelodie, einer sarabandenhaften Aria, durch. Das war in seinem geistigen Gehalt und in seiner Erlebniskraft vielleicht ein „wahrerer“ Bach als ihn die heute so favorisierte historische Aufführungspraxis zu besitzen glaubt.

OZ

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