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Kultur Fauler Zauber aus dem Märchenwald
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22:58 06.03.2013
Nicht gerade märchenhaft: "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" Quelle: 2012 Paramount Pictures / Metro-Goldwyn-Mayer / David Appleby
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Leider erschöpft sich der größte Teil der Kreativität, die Wirkola für den namhaft besetzten Film aufbrachte, in diesen Mordmethoden - für Story, Charaktere oder wenigstens Humor blieb nicht mehr viel übrig. Dabei wäre wirklich mehr drin gewesen.

Die Geschichte kennt hierzulande jeder: Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton), als Kinder in die Fänge einer menschenfressenden Hexe geraten, können ihre Peinigerin in letzter Minute besiegen und entkommen. Und wenn sie nicht gestorben sind..? Dann haben die beiden nicht die Spur einer posttraumatischen Belastungsstörung! Die einzigen Überbleibsel aus ihrer Zeit im Pfefferkuchenhaus sind ein unstillbarer Durst auf Hexenblut, Unverwundbarkeit gegenüber Hexenzauber und - zumindest für Hänsel, die alte Naschkatze - eine Diabetes Typ 2.

Gemeinsam ziehen die Geschwister also durch die Lande, stets reichlich ausgerüstet mit Insulin und Waffen in schicker Steampunk-Optik. Sie gelten als die allseits anerkannte Autorität in Sachen Hexenbeseitigung. Bis sie in ein Dörfchen kommen, aus dem kürzlich fast ein Dutzend Kinder entführt wurde. Der dortige Sheriff (Peter Stormare) hält wenig von den Neuankömmlingen und ihrem Hilfsangebot - dabei hätte er es dringend nötig. Die ebenso schöne wie bösartige Hexe Muriel (Famke Janssen) nähert sich unaufhaltsam ihrem Ziel: einem grandiosen Blutopfer beim nächsten Vollmond. Hänsel und Gretel müssen jetzt also den Sheriff ausstechen, die Hexe töten und die Kinder retten. Doch der vermeintliche Standard-Auftrag entpuppt sich bald als gefährlicher - und persönlicher - als vermutet.

Das Schlachtfest, das sich aus dieser Ausgangslage entwickelt, kleidet Wirkola, der übrigens "an Originalschauplätzen" in deutschen Wäldern drehte, in eine durchaus eigenwillige Optik, die man so schamlos überzogen sonst eigentlich nur aus Geisterbahnen kennt: Gummifratzen, Blutfontänen, explodierende Menschen - alles mit dabei. Auch die Umsetzung in 3D ist hübsch aufdringlich gelungen. Schade nur, dass der Regisseur sich für den Rest des Films nicht ebenso kompromisslos dem Trash verschreiben wollte. So wirken Hänsel und Gretel dank des anfallsweise auftretenden ernsthaften Schauspiels von Renner und Arterton immer wieder mal wie Fremdkörper in der eigenen Geschichte. Und dass die bei einer Spieldauer von gerade mal 86 Minuten auch noch einige Längen aufweist, ist eigentlich nicht zu entschuldigen.

Dazu kommen noch ein paar unappetitliche Zutaten wie Charaktere aus der Klischeekanone, eine überraschend gemeinte, aber meilenweit gegen den Wind zu witternde Wendung und eine fette Portion Misogynie (jede Frau mit Sprechrolle ist eine Hexe und muss getötet werden; die einzige gute Hexe ist abhängig von Hänsels Urteil). Sie verwandeln das, was ein trashiger Spaß hätte werden können, in einen ziemlich faulen Leinwandzauber.

teleschau

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