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Fernsehen „Aufbruch in die Freiheit“ im ZDF: Bis der Topfkuchen wackelt
Nachrichten Kultur Fernsehen „Aufbruch in die Freiheit“ im ZDF: Bis der Topfkuchen wackelt
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09:12 29.10.2018
Laut gegen die Unterdrückung: Die Schwestern Charlotte Nikowski (Alwara Höfels, links) und Erika Gerlach (Anna Schudt) demonstrieren im ZDF-Film für die Legalisierung von Abtreibungen. Quelle: Fotos: Martin Rottenkolber/ZDF
Mainz

Kurt Gerlach (Christian Erdmann) fährt aus der Haut, als seine Gattin Erika (Anna Schudt) ihm offenbart, dass sie heimlich das vierte Kind abgetrieben hat. Und nicht nur das: Sie will auch noch die Erstgeborene aufs Gymnasium schicken statt in den väterlichen Metzgerbetrieb. „Ich habe Nein gesagt“, haut er brüllend auf den fein gedeckten Tisch, dass der Topfkuchen wackelt. „Ein für allemal!“ Er trägt buschige Koteletten, sie Bienenkorbfrisur.

Der ZDF-Film „Aufbruch in die Freiheit“ zeigt, wie weit die Gesellschaft trotz #MeToo seit dem Jahr 1971 gekommen ist. Damals zeigte der „Stern“ 374 Frauen, die dem Patriarchat mit ihrem Bekenntnis zum illegalen Schwangerschaftsabbruch die Stirn boten. Es war der nächste Dammbruch im Kampf gegen ein (Un-)Rechtssystem, das Frauen ohne Zustimmung des Mannes weder arbeiten noch umziehen, geschweige denn abtreiben ließ. Auch Erika drohen daher fünf Jahre Haft für den illegalen Eingriff, bei dem sie fast das Leben verlor. Auch sie gehört zu den Frauen auf dem Titel des „Stern“. Denn nach dem Drehbuch dreier Autorinnen hat sich Regisseurin Isabel Kleefeld („Ruhm“) eines dramaturgischen Tricks bedient, um diese gesellschaftlich bewegte Zeit zu fiktionalisieren: Erika soll eine der 28 Frauen auf Seite eins sein, die vom Banner mit der legendären Schlagzeile „Wir haben abgetrieben!“ verdeckt wurden.

Anna Schudt zeigt als Erika den verdrucksten Trotz

Das indes ist nur der Aufhänger für eine Emanzipationserzählung, wie sie selten auf dem Bildschirm zu sehen ist. Denn wenn im Fernsehen der Geschlechterkampf früherer Epochen – wie beispielsweise bei der „Wanderhure“ – nachgespielt wird, sind die Protagonistinnen ihrer Zeit meist um Lichtjahre voraus. Oder sie verlieren sich in karnevalesker Komik wie beim Kostümfest „Zarah“, das im vergangenen Jahr im ZDF zu sehen war. Anna Schudt hingegen verleiht ihrem Landei Erika im aktuellen Film einen so verdrucksten Trotz, dass die Enge ihrer Zeit fast körperlich spürbar wird.

„Aufbruch in die Freiheit“ – das gilt für alle

Haushalt, Arbeit, Familie – aus diesem Frauenknast weiß sich die ursprünglich aufopferungsvolle Gattin irgendwann nur noch durch Flucht nach Köln zu befreien. Dort lebt ihre Schwester Charlotte, die den Gegenentwurf zu Erikas dörflichem Spießeridyll lebt. Gespielt wird die Schwester von Alwara Höfels, die übrigens am 14. November im ARD-Film „Keiner schiebt uns weg“ im selben Jahrzehnt um gleichen Lohn bei identischer Arbeit kämpft. Das vorwiegend weibliche Filmteam stattet Charlottes Welt zwar stark aufdringlich mit sexueller Freizügigkeit, WG ohne WC-Tür und polyesterbunten Kostümen aus, und die Demos gegen den Abtreibungsparagrafen 218 bedienen nur Klischees. Insgesamt aber gibt der Film gut wieder, wie stark die Konventionen damals die Gesellschaft im Griff hatten. Und zwar auch die Männer, die vermeintlich davon profitierten.

Das größte Verdienst dieses TV-Dramas ist daher abseits der bunten Kostüme zu finden: Christian Erdmann spielt den verlassenen Metzger Kurt dezent, verletzlich, ja sensibel. Um das Elend weiblicher Hauptfiguren im Griff männlicher Dominanz zu schildern, neigen Film und Fernsehen häufig dazu, ihre Antagonisten als Tyrannen zu zeichnen. Kurt hingegen ist trotz größerer Handlungsoptionen gleichfalls ein Häftling antiquierter Traditionen. Und er verdeutlicht es mit einem hilflosen Furor, der Empathie zwar zulässt, aber nie die Opferfrage umkehrt. Der „Aufbruch in die Freiheit“ ist deshalb am Ende auch einer für ihn selbst. Er weiß es nur noch nicht.

Von Jan Freitag

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