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Fernsehen Ufa-Chef Nico Hoffmann: „Enorme Verantwortung“
Nachrichten Kultur Fernsehen Ufa-Chef Nico Hoffmann: „Enorme Verantwortung“
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15:01 14.05.2018
„Zur Not lasse ich mich auch als ,Volkspädagoge’ bezeichnen; Der Produzent Nico Hofmann setzt auf die moralische Strahlkraft der Ufa. Quelle: Foto: Imago
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Nico Hofmann (58) ist seit September 2017 Geschäftsführer der Ufa und steht als Produzent vor allem für zeitgeschichtliche Mehrteiler wie „Der Tunnel“, „Dresden“, „Die Flucht“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“. In seiner Autobiografie „Mehr Haltung, bitte!“ (Verlag C. Bertelsmann) erzählt er, wie die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte zu seinem Lebensthema geworden ist. Im Interview mit Tilmann P. Gangloff erzählt er, wie der intellektuelle Diskurs innerhalb der Ufa.

Als Produzent haben Sie Haltung bewiesen, aber können Sie das auch als Geschäftsführer der Ufa?

Ganz bestimmt sogar, vor allem in der fachlichen Auseinandersetzung mit meinem Team. Ich bin immer wieder begeistert, mit welcher Genauigkeit und Leidenschaft die Kollegen darauf achten, was sie produzieren. Der intellektuelle Diskurs innerhalb der Ufa hat ohne Frage zugenommen, und ich kann dafür sorgen, dass diese Haltungsdebatte in allen Abteilungen geführt wird. Aber das muss ich natürlich auch vorleben.

Die Ufa tritt als bedeutendste deutsche Produktionsfirma öffentlich vergleichsweise demütig auf. Werden Sie daran etwas ändern?

Nicht an der Demut, wohl aber am politischen Auftritt. Es gibt viele Bereiche, in denen wir eine moralische Strahlkraft haben. Ob wir wollen oder nicht: Wir haben eine enorme Verantwortung. Das gilt auch innerhalb des Unternehmens. Der nächste Mitarbeitertag zum Beispiel dreht sich um die Themen Gleichstellung von Mann und Frau sowie Diversity, Vielfalt in jeder nur denkbaren Hinsicht. Es geht also genauso um innerbetriebliche Haltung.

Was können Sie über Ihre Arbeit als Konzernchef hinaus bewirken, um Ihre Werte weiterzugeben?

Mein wichtigstes Modul in dieser Hinsicht ist die Filmakademie Baden-Württemberg. Das verschafft mir neben der Ufa auch die größte Befriedigung. Ich lehre dort jetzt seit über 25 Jahren und bin wirklich stolz und zutiefst beeindruckt von den vielen Männern und Frauen, die bei mir ihr Diplom gemacht haben. Darüber hinaus engagiere ich mich in verschiedenen Stiftungen, nicht zu vergessen der Nachwuchswettbewerb First Steps. Über allem, ganz gleich, ob an der Filmakademie oder bei der Ufa, muss aber die Gewissheit stehen: Nachwuchspflege kann nur dann funktionieren, wenn man nicht nur akzeptiert, sondern sich zum Ziel setzt, dass die geförderten Talente am Ende stärker sind als man selbst.

Sie haben mit anspruchsvollen Stoffen Zuschauerzahlen in zweistelliger Millionenhöhe erreicht. Wird das angesichts der Fragmentierung der Medienlandschaft in Zukunft überhaupt noch möglich sein?

Ich betrachte diese Entwicklung unter anderem dank der positiven Erfahrungen mit „Ku’damm 59“ sehr gelassen. Die drei Filme sind im linearen Fernsehen pro Folge mit knapp 6 Millionen Zuschauern gelaufen, dazu kamen Abrufe in der Mediathek des ZDF, die im Schnitt bei jeweils 1,6 bis 1,8 Millionen lagen; das sind Zahlen, über die man bei Netflix oder Amazon jubeln würde. Die Fragmentierung wird sicher noch zunehmen, wie die Entwicklung auf dem amerikanischen Markt zeigt, aber unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk beweist immer wieder große Stärke; auch deshalb schaue ich sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Ihre zeithistorischen Produktionen hatten ein Gesamtpublikum von weit über 100 Millionen Zuschauern. Trotzdem schreiben sie in Ihrem Buch: „Am Ende sind es auch nur Filme.“ Was meinen Sie damit?

In der Palette all dessen, was auf Menschen einwirken kann, ist das Fernsehen nur eine von vielen Möglichkeiten. Ich betrachte Theater, Literatur oder die Tageszeitungen als genauso wichtig. Ein Film kann ein Dominostein sein, der eine gesellschaftliche Debatte auslöst, aber es gibt auch noch viele andere Quellen, aus denen die Menschen Informationen schöpfen können.

In Kritiken zu „Unsere Mütter, unsere Väter“ sind Sie als „Volkspädagoge“ bezeichnet worden. Ist es nicht Ironie des Schicksals, dass Sie heute ausgerechnet den Konzern leiten, der im „Dritten Reich“ für die filmische Propaganda verantwortlich war?

Als ich Mitte der 80er meine ersten Filme gedreht habe, hätte ich jedenfalls nicht im Traum daran gedacht, irgendwann die Ufa zu leiten. Wir haben uns im letzten Jahr anlässlich des 100jährigen Bestehens intensiv mit der Firmengeschichte befasst, und ich bin froh, dass wir sie sehr sorgfältig aufgearbeitet haben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Jubiläumsfeier ebenfalls auf diese Entwicklung hingewiesen: Die Ufa steht für die Filme, die zur Zeit des Nationalsozialismus entstanden sind, aber eben auch für Produktionen wie „Unsere Mütter, unsere Väter“. Und natürlich habe ich die Hoffnung, dass meine Arbeit auch weiterhin didaktisch wirkt; da lasse ich mich zur Not auch als „Volkspädagoge“ bezeichnen.

Von Tilmann P. Gangloff

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