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Fernsehen Freiburger „Tatort“ – Neonazis bauen Bio-Äpfel an
Nachrichten Kultur Fernsehen Freiburger „Tatort“ – Neonazis bauen Bio-Äpfel an
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11:01 11.05.2018
Eine alte Freundschaft wird auf die Probe gestellt: Ökobauer Volkmar (Nicki von Tempelhoff) hilft dem Polizisten Berg (Hans-Jochen Wagner, rechts) bei der Ernte auf seinem ererbten Hof. Dass sein Freund ein Neonazi sein soll, kann Berg zunächst nicht fassen. Quelle: Foto: ARD
Freiburg

Fleißige Menschen in bunten Gewändern verrichten ihr schweres Tagewerk, singen dazu ein altes fröhliches Lied. Und dann stirbt plötzlich in dieser Idylle eine junge Frau, die Tochter des Öko-Bauern Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff). Als Todesursache vermerkt der herbeigerufene Hausarzt, der selbst ausschaut wie Gevatter Tod, eine Diabetes-Erkrankung.

Doch bei der Obduktion der Leiche kommen erste Zweifel an dieser doch arg vorschnellen Diagnose auf. Und so wird der Tod der Frau ein Fall für die Freiburger Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner), die hier zum zweiten Mal in einem „Tatort“ ermitteln.

Die Ermittler sind für die Zuschauer noch neu

Langsam und angenehm behutsam lernt der Zuschauer in der Folge „Sonnenwende“ die noch recht neuen Ermittler kennen. Während Franziska Tobler beruflich die Eifrige gibt und in ihrem knapp bemessenen Privatleben sich von ihrem Freund zu einer Schwangerschaft gedrängt fühlt, ist Friedemann Berg eher der ruhige bedächtige Part. Zudem ist er dank eines geerbten alten Bauernhofes in seiner Heimat fest verwurzelt und brennt sogar noch selber wie seine Ahnen Schnaps aus selbst geernteten Zibarten, also einer alten Pflaumensorte. Zibärtle-Schnaps wird erstaunlich oft in diesem Film getrunken.

Das macht ihn aber nicht rasanter oder gar ausgelassener. Ganz im Gegenteil. Der von Umut Dag nach einem Drehbuch von Patrick Brunken inszenierte Film tuckert zeitweise wie ein betagter Mähdrescher, unglaublich langsam. Quälend langatmig wird die Geschichte entwickelt. Echte Krimi-Spannung kommt dabei auch nicht so recht auf.

Selbst die eigentliche Todesursache der jungen Frau wird gegen Schluss fast wie ein Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert. Dabei ist die Story eigentlich sehr interessant und sogar brisant.

Der kauzige Bauer ist ein waschechter Neonazi

Schließlich behandelt der Film ein Thema, über das eher selten in der Öffentlichkeit berichtet wird. Der Öko-Bauer, der anfangs zwar kauzig, aber dennoch sympathisch gezeichnet ist, entpuppt sich nämlich als waschechter Neonazi, als Anhänger einer rechtsradikalen Bewegung, deren Anhänger als völkische Siedler in ländlichen Räumen verfallene und verwaiste Bauernhöfe übernehmen, die dort dann vermeintlich germanische Rituale praktizieren und als selbsternannte „Wehrbauern“ gegen Überfremdung und „Umvolkung“ kämpfen.

Denn merke: Bio-Äpfel haben manchmal braune Flecken. Gleichzeitig, so behauptet der Film, zieht es immer mehr „völkisch“ Denkende in die Sozial- und Jugendarbeit, um dort gezielt Nachwuchs zu rekrutieren.

Von all dem erzählt dieser Provinzkrimi erstaunlich unaufgeregt, aber auch leider viel zu bedächtig. Und es dauert sehr lange, bis die beiden Kommissare die Zusammenhänge durchschauen, die letztlich auch für den Tod der jungen Frau verantwortlich sind.

Das Absingen von Naziliedern macht den Ermittler stutzig

Das liegt vor allem an Berg, den mit dem Öko-Bauern Böttger eine alte Jugendfreundschaft verbindet. Und der sich von ihm und seinen Leuten sogar bei der Ernte helfen lässt. Dass die putzig gewandeten Erntehelfer dabei dann, wie Berg kurze Zeit später herausbekommt, ein altes Nazilied singen, macht ihn aber stutzig.

Und als dann auch noch bei der Beerdigung sein alter Freund eine martialische Brandrede hält, wird ihm endgültig klar, wes Geistes Kind Böttger ist Wesentlich forscher dagegen geht seine Kollegin vor, die von ihrer Arbeit besessen zu sein scheint. Und die auch noch ganz nebenbei in einer V-Mann-Affäre des Staatsschutzes herumstochert.

Ja, auch die Schlapphüte haben hier wieder ihre Hände im schmutzigen Spiel. Aber das kennt man ja schon von anderen „Tatorten“ und leider auch aus der Wirklichkeit.

Von Ernst Corinth / RND

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